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„Verschmächtigung“ der Gehirnmasse

Genaue Diagnose bei Demenz wichtig

Mit den Anzeichen, den körperlichen und den geistigen Auswirkungen sowie möglichen Therapieformen der Demenz haben sich Wissenschaftler der Universität Göttingen bei der „Denkbar“ im Apex beschäftigt.

„Denkbar“ im Göttinger Apex: Prof. Inga Zerr (l.) und Dr. Andre Fischer sprechen über Demenz.

© CR
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„Vom normalen Altern zur Demenz – was läuft schief“, so der Titel anlässlich der weltweit stattfindenden „Brain Awareness Week“.

„Vergesslichkeit ist nur ein Anzeichen“, erklärte Prof. Inga Zerr von der Neurologischen Klinik der Universitätsmedizin Göttingen. Eine Demenz zeige sich am Verlust geistiger Funktionen, wenn Denken, Erinnern, Orientieren oder Verknüpfen nicht mehr gelinge. Das erste Stadium falle häufig kaum auf. Betroffene würden selten selbst den Weg zum Arzt antreten, stattdessen eher Angehörige.

Neben genetischer Vererbung (fünf Prozent) könne auch eine Veranlagung zu Demenz führen. „Es gibt Menschen mit derselben Veranlagung, die gesund bleiben“, grenzte Zerr die Begriffe voneinander ab. Durch eigenes Zutun könnten Risikofaktoren wie zu wenig Sport, Gefäßerkrankungen, Rauchen oder Depressionen minimiert werden. „Mit 50 Jahren eine neue Sprache lernen, das macht Spaß und senkt das Risiko“, ermunterte Zerr die Zuhörer.

In welchen Arealen die „Verschmächtigung“ der Gehirnmasse bei Demenz vor sich geht, zeigte Zerr anschaulich in Bildern. Entgegen „Senilen Plaques“, also Ablagerungen, die sich außerhalb von Zellen bilden und durch vermehrte Eiweißspaltung zu Verklumpung und Entzündung führen, würden „neurofibrilläre Bündel“ für intrazelluläre Zerstörung sorgen.

„Nicht jede Vergesslichkeit ist Demenz“ und „nicht jede Demenz bedeutet keine Therapie möglich“, sagte Zerr. Ein „genaues Nachschauen“ bei ersten Anzeichen wie Gedächtnisstörungen sei enorm wichtig. Eine Kernspintomographie könne Tumore oder Schlaganfälle ausschließen.
„Dass kognitive Funktionen im Alter abnehmen, ist normal“, machte Dr. Andre Fischer vom DFG-Forschungszentrum Molekularphysiologie des Gehirns (CMPB) deutlich. Die Grundlagenforschung habe gezeigt, dass der Verlust von Hirnmasse im Bereich des Hippocampus frühes Merkmal sei.

25 000 Gene habe der Mensch, jedes davon gleich. Dennoch wüssten Leber- oder Gehirnzelle, welchen Teil der „menschlichen Bibliothek“ sie ablesen müssten. Bei einer Demenz funktioniere dies nicht.

„Es ist ein weiter Weg zur Pille“, so Fischer. Als erfolgreichste Therapie bisher gelte eine stimulierende Umwelt. „Sport und Memory haben protektive Fähigkeiten.“ Als nicht-protektiv nannte er alltägliche Routinen wie Kreuzworträtsel oder Hausarbeiten.

Die nächste „Denkbar“ zum Thema Autismus findet voraussichtlich im Oktober statt.

Von Björn Dinges


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