Relativ resistent gegen Pilzinfektionen: Die Wildtomate „Rote Murmel“.
Der lange Transportweg hat jedoch Auswirkungen auf die Qualität der Früchte und ist ökologisch bedenklich. Wissenschaftler der Abteilung Pflanzenzüchtung der Universität Göttingen haben bundesweit 3500 Tomaten getestet, um optimal geeignete Sorten für den ökologischen Freilandanbau zu finden. Denn auch der Tomatenanbau in Deutschland ist nicht ohne Schwierigkeiten. Der Freilandanbau ohne Dach und Bewässerung wird durch den zunehmend aggressiven Befall mit dem Pilz Phytophthora infestans (dem Erreger der Kraut- und Braunfäule) erschwert, so dass er im ökologischen Betrieb praktisch nicht mehr stattfindet.
Und auch unter Glas und Folie müssen die Erzeuger wegen anderer Pilzerkrankungen wie beispielsweise der Samtfleckenkrankheit oft empfindliche Ertragseinbußen hinnehmen. Deshalb arbeiten die Forscher derzeit an der Entwicklung von Sorten, die auch im Freiland gedeihen. „Gegen die Kraut- und Braunfäule hilft langfristig nur die Züchtung resistenter Sorten“, erklärt Dr. Bernd Horneburg von der Abteilung Pflanzenzüchtung der Universität Göttingen.
Bei ihren Test fanden die Forscher gute Sorten. „Vor allem die Wildtomaten Rote Murmel und Golden Currant sind gut geeignet, weil sie einer Pilzinfektion lange standhalten und auch in ungünstigen Lagen noch Früchte tragen“, so Horneburg. Die besten Sorten haben die Wissenschaftler für Kreuzungen verwendet; das ökologische Züchtungsprogramm hat bereits 2003 begonnen. In diesem Jahr werden Zuchtlinien in Göttingen, Leer, Berlin, Erfurt, Stuttgart und Bamberg bearbeitet. Neue, offen bestäubte und nachbaufähige Sorten sollen in Kürze auf den Markt kommen.
Immer mehr Menschen bauen ihre Tomaten selbst an. „In Privatgärten und auf Balkonen werden in Deutschland etwa genauso viele Tomaten produziert wie im gesamten Erwerbsanbau“, weiß Horneburg.
Amateure und Profis können sich während des Besuchstags am Sonnabend, 14. August, auf dem Klostergut Reinshof südlich von Göttingen über Freilandversuche und Neuzüchtungen informieren und erhalten Tipps zu Sortenwahl und Anbau. Die Veranstaltung auf dem Forschungs- und Versuchsbetrieb der Hochschule findet von 14 bis 18 Uhr statt. Außerdem können die Besucher das Saatgut ausgewählter Sorten kaufen. Neben Tomaten stellen die Forscher auch traditionelle und neue Grünkohlsorten vor und zeigen Verwendungsmöglichkeiten des Wintergemüses. Führungen im Öko-Zuchtgarten finden von 14.15 bis 17 Uhr statt. Da nur begrenzt Parkplätze zur Verfügung stehen, wird gebeten, möglichst mit dem Fahrrad anzureisen.
chb/pug
Kommentare
Kommentar schreiben