Wertvolles Stück: Caesar-Büste bereichert Gipsabguss-Sammlung der Universität.
Ein Meter ist das Bildnis des antiken Staatsmannes hoch und 35 Kilogramm schwer. Ohne die Unterstützung des Ehepaars hätte sich die Sammlung den Kopf nicht kaufen können, betont Prof. Lothar Schruff von der Stabsstelle Universitätsförderung.
Göttingen ist ein Zentrum zur Erforschung antiker Porträts, erläutert Kustos Daniel Graepler. 600 Abgüsse haben die Wissenschaftler bereits im Nikolausberger Weg 15 zusammengetragen. Insgesamt umfasst die Sammlung 2000 Modelle. Die Archäologen studieren, wie sich die Darstellung berühmter Personen im Laufe der Jahrhunderte verändert hat.
Eine dieser Persönlichkeiten ist Caesar. Der erfolgreiche Feldherr erhob sich im Jahr 45 vor Christus zum Diktator. Damit erregte er den Zorn römischer Senatoren, die sich zur Republik bekannten. Sie ermordeten den 56-Jährigen 44 vor Christus. Caesars Adoptivsohn Augustus rächte den Vater. Er selbst machte sich zum Caesar, zum Kaiser. „Er ging dabei aber geschickter vor“, erklärt Kustos Graepler. Augustus habe die Illusion gewahrt, dass die Republik fortbestehe und er nur vorübergehend über Sondervollmachten verfüge.
Caesar setzte sich zu Lebzeiten selbstbewusst in Szene. Eine Büste aus dem Jahr 45 zeigt ihn wirklichkeitsnah mit Halbglatze, langem Hals und ironischem Lächeln. Bei späteren Darstellungen glättete sich das Bild. Caesars Gesichtszüge wurden markiger, das Haar üppiger. Mit dem Kopf, den das Ehepaar Lüttge sponserte, erreichte die Entwicklung einen Höhepunkt. Die Büste, die aus der Sammlung der Adelsfamilie Farnese stammt, entstand unter Kaiser Trajan. Der Römer ließ im Jahr 110 nach Christus ein Forum mit kollossalen Statuen ausstatten. Er selbst war in der Mitte auf einem riesigen Pferd zu sehen.
Die Universität zeigt den Caesar-Kopf jedes Wochenende im Rahmen der Sonntagsspaziergänge, 10 bis 13 Uhr, im Römersaal der Sammlung, Nikolausberger Weg 15.
Von Michael Caspar
Kommentare
Caesar-Porträt Daniel Graepler – 06.09.10
Bei der Erwerbung der Caesar-Büste geht es keineswegs um das Privatvergnügen der Stifter, sondern um die Ermöglichung der wissenschaftlichen Forschung und die Unterstützung der Lehre am Archäologischen Institut. Wie andere historische Disziplinen beschäftigt sich die Archäologie durchaus nicht nur mit den uns heute angenehm und gefällig erscheinenden Aspekten der Vergangenheit, sondern z.B. auch mit Diktatoren und mit Phänomenen der Bildmanipulation, wie sie sich gerade am Beispiel antiker Porträts sehr gut studieren lassen. Für die großzügige Unterstützung dieser Forschungen sind wir den Stiftern sehr dankbar und empfehlen ihr Beispiel gern zur Nachahmung.Daniel Graepler, Archäologisches Institut der Universität Göttingen Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Caesar ralie – 04.09.10
An dieser Stelle wurde durch die Redaktion ein Kommentar gelöscht, da er nicht den Nutzungsbedingungen entsprach. Die Nutzungsbedingungen für Leserkommentare auf den Internetseiten des Tageblattes finden Sie hier: http://www.goettinger-tageblatt.de/Portal-Service/Nutzungsbedingungen, afu. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenGestifteter Gipskopf K.L. – 04.09.10
Die vollständige Schlagzeile der GT - Printausgabe lautet: "JuwelierEhepaar stiftet CaesarKopf aus Gips"! Die Verherrlichung von Diktatoren&Kaisern aus der Römerzeit sollte das Privatvergnügen der Juweliere sein und nicht Sache der Uni. Die öffentliche Belobigung der Stiftung dieses Gipskopfes im Lokalblatt einer EliteUniversität wirkt völlig deplaciert! Hat das GT sonst nichts zu recherchieren bzw. zu berichten als über solche Feudalverherrlichung? Oder läuft das über Fundraising ? Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenKommentar schreiben
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