Wechselt ins Wissenschaftsmanagement: Biochemikerin Beisiegel im Akademiesaal des Aulagebäudes am Wilhelmsplatz.
In der Aula am Waldweg stellte sie sich am Mittwoch ab 8 Uhr mehr als 50 Angehörigen der Universität vor und beantwortete „gute, nicht unerwartete Fragen“. Später folgte in der Aula am Wilhelmsplatz die entscheidende Senatssitzung. „Der Senat hat sich einstimmig für Prof. Beisiegel als künftige Präsidentin ausgesprochen. Sie ist für das Amt bestens qualifiziert und hat überzeugend dargelegt, wie sie die Hochschule in den nächsten Jahren gemeinsam mit den Beschäftigten weiter voranbringen möchte“, sagte Prof. Jörg-Martin Jehle als Sprecher des Senats in der Pressekonferenz am Mittag im Akademiesaal im Aulagebäude.
Wie die 14 Mitglieder des Senats votierte auch der Stiftungsausschuss einstimmig für Beisiegel. Eine Entscheidung, die zeige, dass „alle Personen mit Blick auf die Zukunft der Universität zusammenwirken“, beurteilte Dr. Wilhelm Krull die Lage. Der Vorsitzende des Stiftungsausschusses nannte Beisiegel eine Kennerin der inner- und außeruniversitären Forschungslandschaft im In- und Ausland. Zudem sei sie „äußerst kommunikationsstark“ und besitze damit eine Eigenschaft, die wichtig für das Spitzenamt einer Universität sei. Krull: „Heute ist rundherum ein Freudentag für die Universität Göttingen“.
Am 1. Januar 2011 beginnt die Amtszeit von Ulrike Beisiegel. Bis dahin wird sie einige ihrer Ämter neben dem der Institutsdirektorin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf niederlegen. „Ich habe einen vollen Alltag“ sagt sie und begründet damit, dass sie bisher weder die Stadt noch die Universitätsgebäude kennt. Aber seit sie von der Findungskommission als Kandidatin vorgeschlagen war, hat sie 32 Gespräche mit Vertretern der Universität geführt: „Sehr intensive, sehr spannende“. Dass sie die einzige Kandidatin war, stellt sie mit hanseatischem Understatement heraus: „Wenn eine Findungskommission sieht, dass ein Kandidat mit Abstand vor den anderen steht, ist es nicht nachteilig für den Kandidaten“.
Und sie halte es für günstig, solche Positionen von außen zu besetzen. Dabei sollten die Hochschulen aber „bloß nicht“ auf Manager setzen, sondern auf Akademiker, die sich während ihrer Hochschullaufbahn entscheiden, ins Wissenschaftsmanagement zu wechseln. Vor anderthalb Jahren hat die Biochemikerin das für sich in Betracht gezogen. Jetzt ist ihr Wechsel ins Wissenschaftsmanagement perfekt.
Akademisch war Beisiegel nie in Göttingen tätig, aber es gibt hier verwandtschaftliche Beziehungen. An der Universität gefällt ihr deren Selbstverständnis, das auch dem Zukunftskonzept den Titel gab: „Tradition, Innovation, Autonomie“. Vor allem dass hier die akademische Tradition eine Rolle spielt, habe ihr imponiert. Den Erfolg der Georgia Augusta in der Exzellenzinitiative im Jahr 2007 führt Beisiegel auf das „sehr gute“ Zukunftskonzept zurück. An der nächsten Runde, die bereits vorbereitet wird, will die künftige Präsidentin „intensiv mitarbeiten“. Dabei will sie weitere Fächer einbinden, vor allem der Geistes- und Sozialwissenschaften. In der nächsten Runde „werden die Geisteswissenschaften eine große Chance haben“, meint Beisiegel.
Ausbauen will sie den Göttingen Research Council (GRC), in dem seit 2006 Vertreter aus Universität und außeruniversitären Forschungseinrichtungen gemeinsam wichtige Entscheidungen für den Wissenschaftsstandort treffen.
Die künftige Präsidentin will die Lehre verbessern. „Wir müssen ganz stark nochmal nachjustieren“, nicht nur in Göttingen, fordert Beisiegel. Dafür seien Prozesse mit den Studierenden nötig, wie sie sie in Hamburg mitgemacht habe. Sie will die Studierenden von der Last des Bachelor und Master befreien und erreichen, „dass wir Bildung und nicht nur Ausbildung haben“.
Beisiegels Alltag wird ausgefüllt bleiben: „Hier das Präsidentenamt zu übernehmen ist ein Fulltime-Job“. Ihr Engagement für Frieden und Gleichstellung werde sie weiterhin bewegen. Und die erste Präsidentin der Georgia Augusta fühlt sich mit Blick auf die Zahl der Professorinnen und Dekaninnen am richtigen Ort. „Ich hoffe, dass ich Vorbild sein kann für viele junge Frauen.“ Dabei ist sie es gewohnt, überwiegend mit Männern zusammenzuarbeiten und ihre Ziele zu verfolgen: „Für mich ist es Alltag, sonst wäre ich nicht da, wo ich bin.“
Kommentare
verschrieben b14 – 11.03.10
Ich wollte sagen: "Dass das anders geht habt ihr doch schon oft gezeigt" Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenVideo b14 – 11.03.10
Liebes GT,lasst doch nicht Praktikanten Videos machen. Dass das geht, habt ihr doch schon oft gezeigt. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Tippfehler Florian Heinz, Online – 11.03.10
Danke schön, ist verbessert.Viele Grüße,
Florian Heinz Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Offensichtlicher Tippfehler Klaus – 11.03.10
"„Wenn man immer mehr Wissenschaftspolitik macht, dann ..." statt "Wenn man immer mehr Wissenschaftspolitik lacht, dann ..." Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenKommentar schreiben
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