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Karl Kardinal Lehmann

„Organspende ist grundsätzlich eine edle Tat“

Mit über 2000 Teilnehmern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz findet noch bis zum Mittwoch der Kongress der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie in Göttingen statt. Am Montag sprach vor den Medizinern Karl Kardinal Lehmann über ethische Aspekte der Organtransplantation.

Auf Ängste der Menschen vor Organspenden eingehen: Karl Kardinal Lehmann.

© Mischke
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In Deutschland wird in jedem Jahr bei 16000 Menschen neu eine chronische Nierenerkrankung festgestellt. Für die Patienten heißt das in den meisten Fällen, lebenslange Dialyse oder die Transplantation einer neuen Niere werden notwendig. Eine Organspende sei grundsätzlich eine edle Tat, erklärte Karl Kardinal Lehmann, Bischof von Mainz, die Haltung der katholischen Kirche. Sie solle aber immer aus einer freien Entscheidung geschehen. Es gebe keine, auch keine christliche Pflicht, zur Organspende.
Das grundsätzlich zustimmende Votum für die Organspende habe die katholische Kirche in einem langen Prozess entwickelt, referierte Lehmann. Die Kirche gehe bei ihrer ethischen Rechtfertigung „von den Zielen“ aus. Sie sehe den Kranken und sein Leiden und wisse von dem humanen, leidvermindernden Nutzen der Transplantation.
Einen Aufruf zu Organspenden von der Kanzel – wie er vor rund 20 Jahren von Medizinern gewünscht wurde – hätten katholische und evangelische Kirche allerdings abgelehnt. „Das können wir nicht machen“, erklärt Lehmann. Die Sorgen, Nöte und Ängste der Menschen aufgreifen, Informationen bieten, das sehe er auch als Aufgabe der Kirche.
Eine große Rolle, so Lehmann, spiele für die Haltung der Kirche auch der Todeszeitpunkt. Da es unsittlich wäre und auch vom säkulären Strafrecht geahndet würde, einem noch Lebenden Organe zu entnehmen, die für ihn selbst lebensnotwendig sind, sei die Bestimmung des Todeszeitpunktes von besonderer Bedeutung. „Ein letzter Atemzug oder der letzte Herzschlag als Kriterium sind heute nicht mehr gültig“, so der Bischof. Viele hätten allerdings Angst davor, vorschnell für Tod erklärt zu werden. Der Hirntod sei daher zum entscheidenden Kriterium geworden, das auch die Kirche akzeptiere.
Trotzdem wecke der Streit um die Gleichsetzung von Hirntod und Tod des Menschen viele Emotionen. Aber, so Lehmann, der Hirntod sei eben keine Definition des Todes und er will auch die Wirklichkeit des Sterbens nicht erschöpfend formulieren. Das Geheimnis des Todes sei viel umfassender. Der Hirntod sei aber die sichere Feststellung des Todes, sein reales Zeichen. „Der Punkt von dem es keine Rückkehr mehr gibt“ erklärt Kardinal Lehmann. Die Diskussion gerade über diesen Bereich werde aber sicher weitergehen.
Die Frage nach einem eigenen Organspendeausweis möchte Kardinal Lehmann nicht beantworten. Dies in der Öffentlichkeit auszubreiten, entspreche nicht der Sensibilität, mit der seiner Meinung nach mit diesem Thema umgegangen werden müsse.

Von Christiane Böhm


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