„Es kommt auch häufig vor, dass ich im Umgang mit den Patienten summe oder singe“, so Hager. Natürlich stets Melodien aus früheren Zeiten oder altbekannte Volkslieder. Manchmal summen die demenzkranken Menschen dann mit oder freuen sich sehr, dass sie den Text noch kennen. Freude und Erfolgserlebnisse seien äußerst wichtig in der Ergotherapie bei Demenz.
„Wir möchten nicht an den Defiziten arbeiten, sondern an den Ressourcen“, erklärt Hager. Das könne auch heißen, dass sie beispielsweise einer alten Dame, die ununterbrochen an ihrem Pulloversaum nestelt, eben nicht sagt, sie möge das lassen. Stattdessen fragt sie, wie sich das anfühlt.
Was im Zimmer herumliegt
„Bei Demenzpatienten lassen sich die Stunden kaum planen“, erklärt die Ergotherapeutin. Sie seien extrem Tagesform-abhängig. Oft sei es am sinnvollsten, mit dem zu arbeiten, was zum Beispiel gerade im Zimmer herumliegt, eine Zeitung oder eine Bürste. Idealerweise werden alltagspraktische Handlungen geübt statt losgelöster Therapiespiele. Das könne das Anziehen von Strümpfen sein oder das Falten von Blätterteigtaschen.
Um diese Verrichtungen wird dann das eigentliche Therapieziel herumgebaut. Dabei gehe es darum, den Menschen Aufmerksamkeit und Wertschätzung entgegen zu bringen, nicht darum, sie irgendwie zu beschäftigen.
Therapiehündin Jule kommt nahezu mühelos in Kontakt mit den Patienten. Weil es für Jule ist, schält und schnippelt eine alte Dame auch mal eine Möhre, was sie sonst vielleicht nicht tun würde. „Auch die Freude, die die Menschen empfinden, wenn sie mal wieder etwas geben können, ist äußerst wichtig“, erklärt die Ergotherapeutin und Hundeführerin Kathrin Kahlmann.
Ein anderer Patient sortiert das Hundefutter für Kollege Ayko. Der ist unter anderem darauf trainiert, sich den Menschen stets von links zu nähern. Daher passt er gut zu dem älteren Herrn, der links bereits stärker abgebaut hat als rechts. „Hunde sind kein Allheilmittel, aber sie erreichen demenzkranke Menschen auch an Tagen, an denen sonst nichts funktioniert.“
Bei schwerst Demenzkranken, die oft bereits bettlägerig seien, können die Sinne an manchen Tagen nur noch dadurch angeregt werden, dass man die Kranken ein wenig hin und her schunkelt. „Durch diese Reize beruhigen sich die Menschen meist etwas“, erklärt Kahlmann. An guten Tagen könne es auch hilfreich sein, wenn ein Hund seinen Kopf auf die Bettdecke legt.
Von Heike Jordan
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