Was hat Sie dazu bewogen, ein Studium in Göttingen anzutreten?
Die hohe Reputation der Georg-August-Universität hinsichtlich Naturwissenschaften, Großinvestitionen in brandneue Chemie-Institute an der Tammannstraße Anfang der 1970er Jahre und auch die Studentenatmosphäre Göttingens.
Denke ich an Göttingen, denke ich sofort an…
…das Gänseliesel und den Kuss, – weil es Winter war, wäre ich an ihr beinahe festgefroren.
Was war für Sie in dieser Zeit ein unvergessliches Erlebnis?
Nächte im Labor, das „Heureka“ Erlebnis bei der Erfindung einer neuen Synthesemethode – aber auch: stundenlanges Kaffeetrinken mit Kommilitonen – losgelöst von allen Pflichten und natürlich: die Fahrt durch die Stadt im Doktorwagen mit Knallgasballons, die –zur Explosion gebracht –einen ohrenbetäubenden Lärm erzeugten.
Was war Ihr Lieblingslokal, beziehungsweise Ihr Lieblingsort in Göttingen?
Der Nörgelbuff mit seiner dichten, jazzigen Atmosphäre.
Welcher Hochschullehrer hat Sie beeinflusst, beziehungsweise welches Studienangebot hat Sie besonders beeindruckt?
Prof. Ulrich Schöllkopf mit seiner Kunst zu fordern, fördern und zu motivieren. Prof. Dieter Hoppe mit sehr klugen Ideen und seiner Hartnäckigkeit und Prof. Hartmut Laatsch, dem ich als Anfänger ein über Wochen synthetisiertes Produkt im letzten Schritt verdorben hatte und er dies mit großer Gelassenheit hinnahm.
Womit konnte man Sie immer vom Lernen abhalten?
Jede Ausrede war gut genug um mich davon abzuhalten mit dem Lernen zu beginnen. Sobald ich jedoch im Lernprozess war, wurde alles andere ausgeblendet und es ging non-stop zur Sache.
Was würden Sie studieren, wenn Sie heute noch einmal entscheiden könnten?
Chemie für die Neugier, Geschichte zum Spaß.
Verraten Sie uns Ihr Lebensmotto?
Unkenntnis berechtigt zu den größten Hoffnungen – aber im Ernst: lieber kein Motto – man hält es nicht durch. Ich sehe es wie John Lennon: „Life is what happens to us while we are making other plans.“
Welchen Ort in Göttingen würden Sie gerne einmal wiedersehen?
Spät nachts durch die verlassene Altstadt gehen – vermittelt Geborgenheit und Frieden und die Welt bleibt draußen.
Welchen Tipp haben Sie für heutige Studierende?
Hier kommt wieder einer von den Alten um Euch zu sagen wie es geht: fleißig lernen, aber auch nicht nur, das Leben dabei nicht vergessen etc.etc…Nein, ich tue das nicht. Jede Zeit hat ihre eigenen Gesetze. Es gibt keine Weltformel für Glück und Erfolg. Ihr macht es schon richtig – wenn Ihr nur wollt.
In der nächsten Folge beantwortet die Fragen: Stephan Schaede. Zuletzt erschienen und unter www.goettinger-tageblatt.de nachzulesen: Katja Reider, Martin Rudolph, Henning Gebhardt, Fritz Güntzler.
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