Was hat Sie dazu bewogen, ein Studium in Göttingen anzutreten?
In Weende bei Göttingen aufgewachsen gab es bei dem hervorragenden Ruf der Universität und besonders der Chemie keine andere Wahl.
Denke ich an Göttingen, denke ich sofort an...
... ein herrlich unbeschwertes Studentenleben, meine Zeit als aktiver Basketballspieler in Göttingen, das Kennenlernen meiner Frau und die Geburt
unseres ersten Sohnes.
Was war für Sie in dieser Zeit ein unvergessliches Erlebnis?
Diskussionen, Demonstrationen und Veranstaltungen im
Jahr 1968.
Was war Ihr Lieblingslokal, beziehungsweise Ihr Lieblingsort in Göttingen?
Das „Trou“, „Potis“ und anregende Abende im Deutschen Theater und Jungen Theater.
Welcher Hochschullehrer hat Sie beeinflusst,
beziehungsweise welches Studienangebot hat Sie besonders beeindruckt?
Es gab wunderbare Lehrer in der Chemie – Persönlichkeiten, nicht nur reine „Wissensvermittler“ – darunter die Professoren Schöllkopf, Brockmann, Jost und Wagner. Sie haben meine spätere Arbeit als Wissenschaftler tief geprägt. Die Qualität des Studienangebots in Göttingen ist unverändert hoch. Über viele Jahre habe ich enge Forschungskooperationen mit der Universität gepflegt und bin stolz darauf, dass einer meiner ehemaligen Mitarbeiter heute als Professor hier tätig ist.
Womit konnte man Sie immer vom Lernen abhalten?
Einen heißen Sommertag im Weender Freibad zu verträumen oder eine ausgiebige Runde Doppelkopf zu spielen.
Was würden Sie studieren, wenn Sie heute noch einmal entscheiden könnten?
Die Chemie wird mich immer faszinieren, aber die Rechtswissenschaft mit ihrer besonderen Vielfalt könnte mich auch sehr reizen.
Verraten Sie uns Ihr Lebensmotto?
Sehr genau hinsehen und sozial denken.
Welchen Ort in Göttingen würden Sie gerne einmal wiedersehen?
Ich kenne Göttingen immer noch gut, bin häufig in der Stadt, weil ich meinen Vater besuche, der hier lebt. Gern wiedersehen möchte ich lieber Freunde, Bekannte und Kollegen, mit denen ich während der Schulzeit an der Gerhart-Hauptmann-Schule und dem Studium in Göttingen zusammen war.
Welchen Tipp haben Sie für heutige Studierende?
Das Leben außerhalb des Studiums sehr genießen. Auch bei stark verschultem Studium unbedingt einen Auslandsaufenthalt einplanen. Bestehen Sie darauf, dass Ihre Professoren Ihnen neben Strukturreformsitzungen und Drittmitteleinwerbung genug Zeit geben.
Zur Person
Walter Michaelis, Professor für Organische Geochemie und Umweltchemie an der Universität Hamburg, wurde 1944 in Göttingen-Weende geboren. Nach dem Abitur 1963 studierte er in seiner Heimatstadt Chemie. Die Promotion erfolgte 1971 am Institut für Organische Chemie der Universität Göttingen. Von 1972 bis 1974 arbeitete Michaelis an der Université Louis Pasteur in Straßburg, Frankreich, wo er später auch eine Gastprofessur inne-hatte. Es folgte eine zweijährige Tätigkeit als Chemiker bei der BASF in Ludwigshafen. Danach führte ihn 1975 sein Weg zurück an die Universität nach Hamburg. Seit 2001 war er dort geschäftsführender Direktor des Instituts für Biogeochemie und Meereschemie. Über seine Arbeiten informiert er unter www.ifbm.zmaw.de/Prof-Dr-Walter-Michaelis.6494.0.html. Seit September 2009 ist Michaelis im Ruhestand. Er ist verheiratet, hat zwei Söhne und beschäftigt sich in seiner Freizeit mit Tennis, Lesen, Musik und Kino.
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