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Studium folgt wilden Jahren als Rockmusiker

Johannes Schäfer Frauenarzt


4000 Mitglieder hat der Verein der Ehemaligen der Georg-August-Universität zur Zeit, hunderttausende Alumni leben in aller Welt. Die Redaktion des Göttinger Tageblatts befragt in Zusammenarbeit mit der Universität 100 bekannte frühere Göttinger Studierende nach ihren Erinnerungen an die Stadt und ihre Studentenzeit.
Medizinstudium mit 29 Jahren begonnen: Johannes Schäfer.

Medizinstudium mit 29 Jahren begonnen: Johannes Schäfer.

© EF

Göttingen. Was hat Sie dazu bewogen, ein Studium in Göttingen anzutreten?

(Familien-)Tradition. Da muss ich ein wenig ausholen: Nach zehnjähriger Tätigkeit als erfolgreicher Rockmusiker (bis 1996 war ich Bassist und Mitbegründer der Band Fury in the Slaughterhouse), beendete ich diese Karriere und fokussierte mein nächstes berufliches Ziel, das Medizinstudium. Meine familiären Wurzeln liegen in Göttingen (meiner Geburtsstadt) und sind eng mit der medizinischen Fakultät der Georg-August-Universität verbunden, da mein Großvater Professor Otto Schmidt (Mediziner und Jurist und besser bekannt als „Mord-Otto“) dort recht erfolgreich von 1949 bis 1962 das Institut für gerichtliche Medizin und Kriminalistik leitete.

Seine Vorlesungen sollen legendär gewesen und als großes Ereignis fächerübergreifend besucht worden sein. Vor etwa zwei Jahren sprach mich ein Nachbar, der in Göttingen vor über 40 Jahren Wirtschaftswissenschaften studiert hat, auf meinen Großvater an und beschrieb die Faszination, mit der er und seine Kommilitonen die Vorlesungen meines Großvaters verfolgten. „Mord-Otto“ genießt noch heute in Fachkreisen einen hohen Bekanntheitsgrad.Somit war ich sehr erfreut, als ich mich tatsächlich 1997 in Göttingen immatrikulieren konnte.

Zum einen bin ich hiermit unserer Familientradition treu geblieben und zum anderen war es nun möglich, das Leben und Wirken meines Großvaters hautnah nachzuempfinden.

Denke ich an Göttingen, denke ich sofort an...

... meine Kindheit. Da meine Eltern beide berufstätig waren, wurde ich von meiner Großmutter großgezogen. Meine Großeltern besaßen ein exklusives Haus mit Garten. Meine Großmutter, die ebenfalls promovierte Ärztin war und halbtags im Auffanglager Friedland arbeitete, hatte einen extravaganten Geschmack, und das Haus war avantgardistisch eingerichtet.

Für die damalige Zeit (in den sechziger Jahren) war sie als kämpferische und emanzipierte Frau zu bezeichnen und hat sich sehr gerne über Konventionen hinweggesetzt. Vielleicht hat sie mich mehr beeinflusst als mir bewusst ist, da mein Leben ja auch eher unkonventionell verlaufen ist.

Was war für Sie in dieser Zeit ein unvergessliches Erlebnis?

Unmittelbar nach der Immatrikulation hatte ich im Medizinischen Dekanat etwas zu erledigen. Dort hing plötzlich ein Bild meines Großvaters in der Ahnengalerie, da er auch – was ich zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste – als Dekan tätig war. Das ist bis heute unvergesslich und ich bin durchaus ein wenig stolz darauf.

Was war Ihr Lieblingslokal, beziehungsweise Ihr Lieblingsort in Göttingen?

Café und Konditorei Cron und Lanz. Leckerstes Naschwerk.

Welcher Hochschullehrer hat Sie beeinflusst, beziehungsweise welches Studienangebot hat Sie besonders beeindruckt?

Die Vorlesung Histologie hat mich beeindruckt und mir sehr gefallen. Klar strukturiert, wobei der Spaß am Thema vermittelt wurde.

Womit konnte man Sie immer vom Lernen abhalten?

Während des Studiums gab es nicht viel! Da ich mein Studium erst spät (mit 29 Jahren) aufnahm, hatte ich keine Zeit mehr, mich von irgendetwas ablenken zu lassen. Zumal meine wilden Jahre als Rockmusiker hinter mir lagen und somit für mich kein Bedarf an Ablenkung bestand.

Was würden Sie studieren, wenn Sie heute noch einmal entscheiden könnten?

Wenn nicht Human-, dann Zahnmedizin.

Verraten Sie uns Ihr Lebensmotto?

Da gibt es nicht nur ein Lebensmotto. Hier meine Top 3: „Wirklich wichtig ist nur die Liebe.“
„Akzeptiere oder verändere! Unzufriedenheit ist der Anfang für den Erfolg!“
„Der erste Schluck aus dem Becher der Natur führt zum Atheismus, aber auf dem Grund wartet Gott“ (Werner Heisenberg).

Welchen Ort in Göttingen würden Sie gerne einmal wiedersehen?

Ganz klar: Das Haus meiner Großeltern in der Brüder-Grimm-Allee.

Welchen Tipp haben Sie für heutige Studierende?

Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt.

Zur Person

Johannes Schäfer, Arzt am Vinzenzkrankenhaus in Hannover, ist als Hannes Schäfer als Musiker der 1986 gegründeten Band „Fury in the Slaughterhouse“ bekannt. Der gebürtige Göttinger, Jahrgang 1965, studierte ab 1997 in Göttingen Humanmedizin.

Zuvor war er seit 1980 als Bassist, Sänger, Komponist, Studiomusiker und Privat-Basslehrer tätig.

Mit der Gründung von „Fury in the Slaughterhouse“ war Schäfer bis 1996 hauptberuflich Musiker.

Während dieser Zeit wurden der Musikgruppe für drei ihrer Alben Goldene Schallplatten verliehen. 2008, als „Fury in the Slaughterhouse“ aufgelöst wurde, spielte Schäfer beim Abschiedskonzert noch einmal mit.

Dem Medizinstudium in Göttingen und Hannover folgte 2004 Approbation und Promotion an der Medizinischen Hochschule in Hannover und bis 2006 eine Tätigkeit als Chirurg in der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantations­chirurgie der Medizinischen Hochschule Hannover.

Mit dem Wechsel der Fachrichtung im Jahr 2006 zur Frauenheilkunde und Geburtshilfe ging Schäfer an das Vinzenzkrankenhaus in Hannover-Kirchrode.

Schäfer lebt mit Ehefrau und zwei Kindern in Hannover.

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