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17:32 02.12.2018
Das Kohlekraftwerk Mehrum und Windräder produzieren in Niedersachsen. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
Berlin/Hannover

Der polnische Präsident der UN-Klimakonferenz, Michal Kurtyka, fasst es so zusammen: „Ohne Kattowitz gibt es kein Paris.“ Der am Montag beginnende Gipfel im polnischen Kattowitz (3. bis 14. Dezember) gilt als der wichtigste seit 2015 – es geht nun um die konkrete Umsetzung des Pariser Abkommens. Die wichtigsten Antworten.

Was wird auf der Weltklimakonferenz verhandelt?

Bei der im UN-Sprech „COP 24“ genannten Konferenz in Kattowitz müssen die Delegierten aus mehr als 190 Staaten nun abschließend über ein Regelwerk – das sogenannte „Rulebook“ – abstimmen. In dem werden sowohl die nationalen Beiträge für den Klimaschutz präzisiert, als auch international verbindliche Regeln festgeschrieben, was Umsetzung, Messung und Überprüfung angeht. Auch wenn es kein offizieller Punkt ist: Eine große Rolle wird der Dauerkonflikt um die Höhe der Finanzleistungen spielen, die die Industrienationen den von den Klimafolgen gebeutelten Entwicklungsländern versprochen haben.

Der 21. Klimagipfel vor drei Jahren in Paris gilt als historischer Durchbruch: Vor drei Jahren hatte sich die internationale Staatengemeinschaft verpflichtet, die Erderwärmung einzuschränken. Derzeit liegt sie etwa 1,3 Grad höher als zur Mitte des 18. Jahrhunderts. Sie soll „deutlich unter 2 Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Zeit“ bleiben. Andernfalls, warnen Wissenschaftler weltweit, drohten unserem globalen Ökosystem katastrophale Folgen.

Aufgrund der umfangreichen Verhandlungstexte gelten die zwei Verhandlungswochen der Klimakonferenz als „Lauf gegen die Zeit“.

Welche Rolle spielt der neue IPCC-Sonderbericht?

Für zusätzlichen Handlungsdruck sorgt der aktuelle Sonderbericht des Weltklimarats IPCC. Er besagt, dass die Erwärmung schleunigst auf 1,5 Grad Celsius begrenzt werden muss – und dass dies unter großen Anstrengungen noch möglich ist. Mit den bestehenden Plänen aber werde sich das Klima bis zum Jahr 2100 um mehr als drei Grad erwärmen, danach noch mehr. Den Prognosen zufolge droht schon bei Plus 2 Grad eine dramatische Zunahme von Naturkatastrophen, Hunger und Kriegen. Jedes Zehntelgrad zählt.

Können die Ziele noch erreicht werden?

Theoretisch schon. Doch allein um die Pariser Ziele zu erreichen, müssten die Länder ihre bisherigen Anstrengungen verdreifachen, konkretisiert der neuste Report des UN-Umweltprogramms. Um die 1,5-Grad-Grenze nicht zu überschreiten, müsste die CO2-Reduktion verfünffacht werden.

Allerdings sieht es nicht gut aus: Das Pariser Klimaabkommen ist seit zwei Jahren in Kraft – seither steigt der Ausstoß wieder. Nach den Zahlen der Internationalen Energieagentur stiegen die energiebedingten CO2-Emissionen im Jahr 2017 um 1,4 Prozent, für dieses Jahr wird eine weitere Zunahme erwartet. Die Steigerung folgt auf drei Jahre mit nahezu konstanten Emissionen. Hauptgründe dafür sind ein höheres Wirtschaftswachstum bei langsamerer Abnahme des Energieverbrauchs – vor allem mit Blick auf Kohle. Auch die Weltwetterorganisation hat einen neuen Rekord gemessen. Demnach ist die Treibhausgas-Konzentration in der Atmosphäre so hoch wie nie zuvor.

Was müsste konkret passieren?

Um die Ziele noch zu erreichen, ist sofortiges Umsteuern nötig: Entscheidend ist, da sind sich die Klimaexperten einig, eine frühzeitige Abschaltung der Kohlekraftwerke. Laut UN-Report hakt es zudem bei Förderprogrammen für Erneuerbare Energien, E-Mobilitäts-Programmen und Emissionsnormen bei schweren Nutzfahrzeugen. Der Steuerpolitik kommt eine Schlüsselfunktion zu, wenn es darum geht, Einfluss auf die Wirtschaft zu nehmen – mit einer stärkeren CO2-Bepreisung.

Welche Rolle spielt der US-Austritt aus dem Paris-Abkommen?

Schon jetzt spiele es keine Rolle mehr, dass die USA unter Trump nicht Teil des Prozesses sind, sagt Prof. Reimund Schwarze, Klimaökonom am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig und Teilnehmer der Konferenz. Es gebe Gegenbewegungen von unten, aus den Bundesstaaten, den Städten und der Wirtschaft der USA. „Auch in der Berichterstattung über die internationale Klimapolitik wird die Haltung der US-Regierung praktisch nicht mehr beachtet“, sagt Schwarze.

Sollten weitere Länder während der Verhandlungen offiziell oder inoffiziell den Austritt aus dem Pariser Abkommen erklären, hätte das aber verheerende Auswirkungen, konstatiert Schwarze. Ein Austritt Brasiliens unter dem designierten Staatschef Jair Bolsonaro könnte sich auf andere Länder auswirken, die das Abkommen zwar unterzeichnet, aber nicht ratifiziert haben. Dazu zählen klimapolitisch wichtige Staaten wie Russland, die Türkei oder der Iran. „Es schwebt im Moment also ein Damoklesschwert über den Klimaverhandlungen in Kattowitz“, sagt Schwarze.

Von Sonja Fröhlich

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