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Wissen Was der Klang des Waldes über die Artenvielfalt verrät
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07:00 06.01.2019
Ein Lemur im Nationalpark Ranomafana im Südosten Madagaskars. Quelle: Jürgen Bätz/dpa
Princeton

Zirpen, Brüllen, Kreischen, Pfeifen: Der Klang eines Waldes kann Aufschluss über die Artenvielfalt und auch über etwaige Umweltzerstörung geben. Für die akustische Überwachung insbesondere von tropischen Regenwäldern plädieren Forscher um Zuzana Burivalova von der Princeton University (US-Staat New Jersey) im Fachmagazin „Science“. Dabei sollen spezielle Computerprogramme die aufgezeichneten Klanglandschaften auf Biodiversität, einzelne Arten und sonstige Geräusche hin auswerten.

„Akustische Aufzeichnungsgeräte können Tierrufe und Lieder aus mehreren hundert Metern Entfernung registrieren“, schreiben die Wissenschaftler. Die bioakustische Methode biete die Möglichkeit, mehrere Tiergruppen gleichzeitig zu überwachen, nämlich all jene Vögel, Säugetiere, Insekten und Amphibien, die Laute von sich geben. Entsprechende Geräte würden bereits von mehreren Unternehmen angeboten, betont das Team. Auch illegales Abholzen oder Wilderei könnten anhand entsprechender Geräusche nachgewiesen werden.

Bisherige Aufnahmen zu grob und teuer

Bisher wird die Artenvielfalt eines Areals gewöhnlich durch aufwendige bodengestützte Untersuchungen abgeschätzt. Dies sei aber teuer, und die Auswahl eines Untersuchungsgebietes könne das Ergebnis verzerren, schreiben die Forscher.

Auch die Überwachung von Wäldern durch Satellitenaufnahmen liefere nur grobe Anhaltspunkte für die Artenvielfalt: „Sogar Wälder, die auf Satellitenbildern intakt erscheinen, können eine niedrige Biodiversität aufweisen“, schreibt das Team und verweist etwa auf mögliche Unterholzbrände, das Eindringen invasiver Arten oder Überjagung.

Fast 27.000 Tierarten standen Ende 2018 als bedroht auf der Roten Liste – Zehntausend mehr als noch vor rund zehn Jahren.

Firmen können Versprechen überprüfen

Burivalova und Kollegen sehen neben wissenschaftlichen Erkenntnissen einen weiteren Nutzen in der Aufzeichnung von Klanglandschaften: „Die Bioakustik hat insbesondere in Zusammenhang mit der Nachhaltigkeitszertifizierung der Industrie und der Verpflichtung zum Verzicht auf Abholzung ein besonderes Potenzial.“ Sowohl Unternehmen, die ihr eigenes Nachhaltigkeitsversprechen überprüfen möchten als auch Behörden, die Verpflichtungen von Firmen überwachen, könnten auf diese Art des Monitorings zurückgreifen.

Die Forscher plädieren dafür, eine akustische Datenbank einzurichten. Dort könnten Aufzeichnungen von intakten Wäldern sowie einzelner Tiergattungen und -arten hinterlegt werden, mit denen man neuere Aufnahmen dann vergleichen könnte. Auch akustische Zeitreihen einzelner Wälder wären damit möglich. „Die wissenschaftliche Gemeinde wird von einer riesigen Datenmenge ökologischer Gemeinschaften quer durch die Tropen profitieren“, schreiben die Forscher.

Tierstimmenarchiv in Berlin

Bioakustik ist eine relativ junge Wissenschaft. Das 1951 aufgebaute Tierstimmenarchiv am Berliner Naturkundemuseum ist mit rund 120.000 Tonaufnahmen nach eigenen Angaben eine der größten Sammlungen dieser Art weltweit.

Von RND/so/dpa

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