Sein Unternehmen war an dem Marktgang in den USA mit der sogenannten Roundup-Ready-Rübe maßgeblich beteiligt. Der Rübe wurde durch ein gentechnisches Verfahren die Widerstandsfähigkeit eines Bodenbakteriums gegen das Unkrautbekämpfungsmittel Glyphosat ins Erbgut übertragen. Damit entfällt für Bauern das lästige Unkrauthacken.
Auch andere gentechnisch veränderte Nutzpflanzen wie Mais und Soja haben in den USA hohe Marktanteile, so Büchting. In Deutschland dagegen besetzten Gegner bereits bei Versuchen mit gentechnisch veränderten Pflanzen die Äcker der KWS Saat. Die Einbecker, die 2009/10 einen Umsatz von 754 Millionen Euro erwirtschafteten, müssen den Spagat schaffen, in den USA gentechnisch veränderte und in Europa gentechnikfreie Pflanzen anzubieten.
Büchting stellt klar, dass er auf den Dialog mit Gegnern setzt. Der Unternehmer: „Gentechnische Methoden erlauben es, eins von mehr als 10 000 Rübengenen gezielt zu verändern.“ Kreuze der Züchter dagegen Pflanzen, wisse er nie, was herauskomme. Ängste vor Gentechnik-Pflanzen, die sich massenhaft vermehren, hält Büchting für „unbegründet“. Kulturpflanzen könnten sich in freier Natur kaum behaupten.
Die KWS Saat kommt Gegnern entgegen. Sie züchtet mittlerweile auch für den Ökolandbau. „Die Pflanzen dort müssen andere Kriterien erfüllen als Züchtungen für die konventionelle Landwirtschaft“, führt Büchting aus. Der Ökolandbau benötige robuste Sorten, die sich ohne Chemieeinsatz gegen Pilze und Schädlinge, Unkraut und Krankheiten behaupteten. Zu den Züchtungszielen gehöre unter anderem eine gute Verwurzelung im Boden. Einige Ökolandbau-Züchtungen setze die KWS Saat mittlerweile auch in der konventionellen Agrarwirtschaft ein.
Büchting bedauert, dass es an der Universität Göttingen kaum Forschungen auf diesem Gebiet gibt. Die Universität in Stuttgart-Hohenheim sei da aktiver. Überhaupt fehle in Göttingen im Bereich Pflanzenbau die „kritische Masse“ an entsprechenden Professoren.
Der Aufsichtsratsvorsitzende betont die Bedeutung, die bei der KWS Saat der enge Kontakt zur Wissenschaft habe. 100 Millionen Euro investiere das Unternehmen jedes Jahr in Forschung und Entwicklung. Es existiere ein dicht geknüpftes Netz an Kooperationen, darunter etwa das Kompetenznetzwerk Genomforschung. Dabei sei die KWS Saat nicht nur an anwendungsorientierten Fragestellungen interessiert, sondern auch an der Grundlagenforschung. Seine Mitarbeiter könnten auch aus scheinbar Nutzlosem „ihren Honig“ saugen, so Büchting.
Prof. Axel Haverich, Hannover, spricht am Dienstag, 14. Dezember, in der Ringvorlesung über „Regenerative Medizin: Verunglückte Forschung – geglückte Operation – glücklicher Patient“ um 18.15 Uhr in der Aula, Wilhelmsplatz 1.
Von Michael Caspar
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Kommentare
Betreff Autor – 09.12.10
Ein Lobbyist hält eine Vorlesung an einer Universität - eine Schande ... ! Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenKommentar schreiben
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