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Wissenschaft des Allerkleinsten

Alte Goldfinger-Tricks aus neuer Nanotechnologie


Mit einem James Bond-Film das Interesse an Nanotechnologie wecken? In Göttingen machte der Nano-Truck Station am Cinemaxx. In dem Kino erfuhren Fans des Bond-Films „Goldfinger“, was die Filmtricks mit der Nanotechnologie zu tun haben.

Mehr als 70 Ausstellungsobjekte im Nano-Truck: Eike Gande informiert sich über Anwendungsgebiete der Nanotechnologie.

© Pförtner

Insbesondere jüngere Wissenschaftsfelder müssen der Bevölkerung verständlich nahe gebracht werden – dies weiß die Bundesregierung spätestens seit den heftigen Diskussionen um die Gentechnik. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) schuf nun für die Wissenschaft des Allerkleinsten mit der Veranstaltung „Bürgerinnen und Bürger treffen Experten – Nanotechnologie heute, morgen und übermorgen“ im Cinemaxx ein solches Forum. Dabei konnten sich die Besucher in einer Ausstellung nicht nur über die aktuellen regionalen Innovationen auf diesem Gebiet erkundigen, sondern auch mit Experten aus verschiedenen Zweigen der Nanotechnologie diskutieren. Zusammen mit dem „Nano-Truck“ des BMBF, der eine eigene Ausstellung in sich birgt, ergab sich im und am Cinemaxx ein Ort ungezwungener und laiengerechterWissenschaftskommunikation über den höchst interdisziplinären Forschungs- und Industriezweig.

Neben einer moderierten Diskussion mit verschiedenen Vertretern aus der Biologie, Chemie, Physik und dem Verbraucherschutz bildete der Vortrag von Prof. Metin Tolan über „Mythen und Fakten aus Goldfinger“ den physikalisch allgemein gehaltenen Abschluss des Abends. Tolan, der an der Fakultät für Physik an der Technischen Universität Dortmunds lehrt und durch mehrere populärwissenschaftliche Bücher bekannt geworden ist, setzte sich mit dem Realitätsgehalt des wohl berühmtesten Bond-Films auseinander, denn auch in den sechziger Jahren hat die Nanotechnologie bereits Einzug in Hollywoodfilme erhalten. Denn der berühmte Laserstrahl, der 007 in zwei Hälften zu schneiden droht, ist eine frühe Errungenschaft der physikalischen Beeinflussung im allerkleinsten Maßstab.

Während beispielsweise in Leuchtstoffröhren die Quecksilberatome durch Elektronenbeschuss ihre überschüssige Energie zufällig wieder abgeben, geschieht dies bei einem Laser, entgegen den Gesetzen der Quantenphysik, zielgerichtet. Durch diese stimulierte Emission entsteht das in der Natur ansonsten nicht vorhandene Laserlicht, das sich durch seine geringe Streuung und seinen engen Frequenzbereich auszeichnet. Doch leider befreit das Bond-Enthusiasten nicht von der Einsicht, dass für die in der Szene gezeigte Durchtrennung der Goldplatte, an welcher der Agent gefesselt ist, ein Infrarotlaser vonnöten wäre, der erst rund 30 Jahre später erfunden wurde.

Auch der Tod der schönen Jill Masterson, „deren Körper über und über mit Goldfarbe bestrichen wurde, wird im Film nicht einwandfrei erklärt“, sagt Tolan. Bond erklärt sich ihren Tod durch Ersticken, was angesichts der Tatsache, dass Menschen nun mal im Gegensatz zu einem Salamander ihren Lungen den Löwenanteil des Gasaustausches überlassen, unwahrscheinlich anmutet. Doch der Physiker hat auch hier eine Lösung parat: „Viel eher ist Masterson an einem Hitzschlag gestorben, da ihre Poren durch die Farbe verschlossen wurden und sie ihre Körpertemperatur nicht mehr durch Schwitzen regulieren konnte.“

Auch wenn solche Gespinste nichts mehr mit Nanotechnologie zu tun haben, hat es der Wissenschaftsvermittlung sicher nicht geschadet, den auf der facettenreichen Veranstaltung ebenfalls präsentierten Informationen zum Allerkleinsten ganz großes Kino folgen zu lassen. Am späten Abend wurde der James-Bond-Film „Goldfinger“ als originale 35 mm Film-Kopie in deutscher Synchronfassung gezeigt.

Von Jonas Rohde

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