Navigation:
eShop Online-ServiceCenter
Verleger Klaus G. Saur

Elias Canetti beeindruckt bis heute


Nach seinem Traumberuf muss man Klaus G. Saur nicht mehr Fragen. Der Verleger hat ein ganzes Buch darüber geschrieben. Seine Memoiren sind es gleichzeitig. „Traumberuf Verleger“, bekennt der 70-Jährige. Und daran lässt er bei seinem Auftritt in der Göttinger Paulinerkirche keinen Zweifel. Bücher sind seine Leidenschaft – sein Leben.

Bücher sind ihre Leidenschaft: Verleger Klaus G. Saur (links) und Prof. Elmar Mittler.

© Hinzmann

Saur liest nicht an diesem Abend. Das sagt er gleich zu Beginn der Buchvorstellung. Er muss auch nichts ablesen. Schon gar nicht den eigenen Text. Denn er hat alles in seinem Kopf gespeichert. Seinen Lebenslauf in beruflichen Dingen, Freundschaften, Geschäftsbeziehungen, Zahlen, Fakten. Saur erzählt sehr präzise und detailliert vom Aufbau und Wirken seines Verlags. So präzise wie es nur einer kann, der seine Sache mit Herzblut betreibt und mit Unternehmergeist. Anders kann man wohl auch kein „Gesamtverzeichnis des deutschen Schrifttums“ erstellen, drucken lassen und es dann auch noch weltweit (erfolgreich) vermarkten - in Länder sogar, die in einem Atemzug mit deutscher Sprache eigentlich nicht genannt werden. Japan wurde in den siebziger Jahren größter Importmarkt für deutsche Bücher, berichtet Saur in dem Gespräch mit Prof. Elmar Mittler, dem ehemaligen Direktor der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen. Beide sind Freunde, die sich seit einem halben Jahrhundert kennen. So lieferten sie eine Konversation in entspanntem Plauderton und neben wirtschaftlichen Fakten aus dem Verlagswesen viele spannende Anekdoten. Sauer berichtet unter anderem über seinen ersten Besuch in Israel. Im Oktober 1968 war er gebeten worden, die erste deutsche Buchausstellung zu leiten. Und Saur fragte, „ist es denn richtig, den Sohn eines Großnazis nach Israel zu schicken?“. Aber er fuhr. Und mit ihm Martin Walser, Walter Jens und in späteren Jahren auch Max Brod. „Die deutsche Buchausstellung wurde das erste erfolgreiche Kulturengagement in Israel, wo nur Deutsch geredet wurde – eine Sensation“, sagt Saur. Inzwischen ist er Verleger im Ruhestand, was ihn aber nicht vom Arbeiten abhält. Nach seinem schönsten Erlebnis befragt, nennt Saur an erster Stelle keine verlegerischen Erfolge. Die Empfänge in Schlössern bis hin zum japanischen Prinzengarten seien ihm in bester Erinnerung. Ein riesen Erfolg sei nach wie vor das Gesamtverzeichnis des deutschen Schrifttums. Aber am schönsten habe er das Treffen mit Elias Canetti in Erinnerung. Und natürlich hat Saur eine heitere Geschichte zu der Begegnung mit dem bedeutenden Schriftsteller parat: Canetti sollte in Berlin auftreten und seinen „Ohrenzeugen“ signieren. Er wollte aber nur kommen, wenn er ein ruhiges Hotelzimmer bekommt. Und ein Bücherregal musste darin stehen.

Saurs Frau holte Canetti vom Bahnhof ab. Sie schaffte es aber nicht, seinen Koffer auch nur anzuheben. 24 Bücher hatte Canetti im Gepäck - für zwei Nächte. Er räumte eins nach dem anderen ins Regal, als er fertig war, sagte er: „Jetzt kann man hier wohnen.“ „Nach diesem Auftritt nahm Canetti nur noch den Nobelpreis entgegen und hat danach nie wieder gelesen“, erzählt der Verleger stolz. An diesem Abend war Saur es, der nach seinem Auftritt signiert hat.

Klaus G. Saur: „Traumberuf Verleger“. Hoffmann und Campe 2011. ISBN 978-3-455-50165-0. 304 Seiten

Von Eida Koheil

Nächster Artikel
Nächster Artikel
Vorheriger Artikel
Voriger Artikel

Wissenschaft und Technik

Wissenschaft in Bildern

Städtewetter
Tagestemperatur
°
Tiefsttemperatur
°
Regenprognose
%
Windstärke
km/h
Pollenflug

Meist gelesene Wissenschafts-Artikel


Top