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Aufführung einer altägyptischen Sage

Gemetzel und Kampf um den Thron der Götter


Einen blutrünstigen Mythos führten Studierende des Seminars für Ägyptologie und Koptologie im Rahmen der Ringvorlesung „Arbeit am Mythos“ in der Paulinerkirche in Göttingen als Drama in drei Akten auf.

Unter ägyptischen Göttern: Thot (Nina Meier), Horus (Frederic Krueger), Isis (Jacqueline Strzys) und Re (Katharina Dietrich) (von links).

© www.art-of-kara.de / Hiber

Rau ist das alte Ägypten mit Aufrührern umgegangen. Gott Horus, der sich in jedem Pharao inkarnierte, erschlug die Feinde zu hunderten. Er warf ihre Eingeweide den Göttern zum Fraß hin und bewirtete seine Krieger mit den Nieren der Besiegten.

Die Ausgangssituation: Sonnengott Re (Katharina Dietrich) ist alt und schwach geworden. Seine Feinde wittern Morgenluft. Sie erheben sich. Gott Seth (Matthias Braune) übernimmt die Führung. Der Sonnengott ruft den jungen Horus zu Hilfe. Das Gemetzel beginnt. Vor einem altägyptischen Bühnenbild, das Daniela Rutica aus Marburg geschaffen hat, gehen beide Parteien aufeinander los. Horus (Frederic Krueger, der auch die eindrucksvollen Masken entworfen hat) jagt seine Gegner durch ganz Ägypten. Am Ende erledigt er mit einer imposanten Harpune Seth. Die Mutter des Horus, die zaubermächtige Göttin Isis (Jacqueline Strzys), verwandelt Seth in eine Schlange. Thot (Nina Meier), der ibisköpfige Gott der Schreibkunst, notiert alles.

Die Studierenden sprechen ihre Texte auf Koptisch, der Sprache der alten Ägypter. Professorin Heike Behlmer übersetzt. Solche Götterdramen seien einst im Tempel des Horus in Edfu aufgeführt worden, erklärt sie. Sie hätten zur Legitimation der Pharaonen-Herrschaft gedient.

„Horus ist auch Held des Osirismythos“, berichtet Professorin Heike Sternberg-el Hotabi. Vater Osiris werde dort König und wecke so die Eifersucht des Onkels Seth, der ihn erschlage und zerstückele. Isis, die Mutter des Horus, sammle die verstreuten Leichenteile wieder ein.

Der schakalköpfige Gott Anubis setze sie wieder zusammen. Zauberin Isis nehme die Gestalt eines Falkenweibchens an und fächele dem Toten Luft zu. Als Osiris wieder zum Leben erwache, lasse sich die Göttin in Vogelgestalt auf dessen Phallus nieder und empfange den Horus. Während Osiris Gott der Unterwelt werde, ziehe Isis den Jungen in den Nilsümpfen auf. Schließlich besteige Horus den Pharaonenthron und besiege den Mörder seines Vaters.

„Die Ägypter kennen nur wenige solcher Mythen“, führt Sternberg-el Hotabi aus. Die Pyramiden- und Sargtexte sowie die Götterhymnen enthielten nur Bruchstücke dieser Geschichten. Erst in griechisch-römischer Zeit hätten die Ägypter begonnen, umfassende mythische Erzählungen zu verfassen.

Von Michael Caspar

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