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Gesundheitsforschung

Häufig führen Infektionen zum Tod


Dass der Chefarzt morgens bei der Visite im Krankenhaus einem Patienten nach dem anderen die Hand schüttelt, ist aus hygienischer Sicht ein Unding, meint Michael P. Manns, Professor für Innere Medizin und Gastroenterologie.

Petrischale mit Bakterien: Stränge vom Enterohämorrhagischen Escherichia coli, kurz EHEC.

© dpa

Das Problem: So verbreiten sich Infektionskrankheiten im Haus, erklärt der Professor, der als Direktor die Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie an der Medizinischen Hochschule Hannover leitet.

„In Krankenhäusern ist die Verbreitung von Erregern besonders fatal“, betont Manns. Dort werden aufgrund des oft unnötig hohen Medikamentenverbrauchs Keime regelrecht herangezüchtet, die dann gegen Antibiotika und Virostatika resistent seien. Das Krankenhaus drohe vom Helfer zum Täter zu werden. Neue Medikamente seien oft zehnmal so teuer wie die alten. Diese Entwicklung trage zu den steigenden Kosten im Gesundheitssystem bei.

„In Deutschland hat die Eindämmung von Infektionskrankheiten maßgeblich zur gestiegenen Lebenserwartung der Menschen von knapp 30 Jahren um 1580 auf heute mehr als 80 Jahre beigetragen“, stellt Manns klar. In der Bundesrepublik sterben derzeit die meisten Menschen an Tumoren oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Weltweit gesehen werde jedoch ein Viertel, eventuell sogar ein Drittel aller Todesfälle durch Infekte verursacht. Die größte Hilfe für die bedrohten Menschen sei weniger die medizinische Behandlung, als verbesserte Hygiene. Insbesondere der Zugang zu sauberem Wasser senke die Zahl der Infektionen drastisch, betont Manns. In Westeuropa habe der Bau der Kanalisation ab Mitte des 19. Jahrhunderts dazu beigetragen, dass es hier zu keinen Choleraepidemien mehr komme.

„Die Medizin wird jedoch mit immer neuen Krankheiten konfrontiert“, warnt Manns. Als Beispiel aus jüngster Zeit nennt er Ehec. Am 14./15. Mai seien in diesem Jahr die ersten Fälle in der Region Hamburg aufgetreten. Ein scheinbar harmloser Durchfall habe innerhalb von fünf Tagen bei einem Drittel der Patienten zum Tod durch Nierenversagen geführt. Wissenschaftler unter Leitung des Robert-Koch-Instituts erkannten jedoch innerhalb kürzester Zeit den Übertragungsweg, identifizierten den Erreger und entschlüsselten sein Genom. So, erklärt Manns, haben sie die Krankheit in den Griff bekommen.

Manns, seit 2003 ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, sprach während der 7. Göttinger Akademiewoche. Das Thema der am Donnerstag zu Ende gehenden Vortragsreihe: „Gesundheitsforschung – Was ist die Gesundheit wert?“
„60 Jahre alt und doch 40 Jahre jung: Kann man dem Alter davonlaufen?“: Unter diesem Titel hält Prof. Johannes Martin Halle, München, den letzten Vortrag der 7. Göttinger Akademiewoche am Donnerstag, 15. September, um 18.15 Uhr im Alten Rathaus, Markt 9, in Göttingen.

Von Michael Caspar

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