Forschungsergebnisse der vergangenen Jahre zeigen, dass die Wechselwirkungen zwischen Herz und Psyche bei Entstehung, Bewältigung und Verlauf von Herz-Kreislauferkrankungen eine wichtige Rolle spielen. Inzwischen wird von vielen ärztlichen Behandlungsleitlinien empfohlen, psychische Faktoren bei Herzpatienten zu beachten.
Das Herzzentrum der Universitätsmedizin Göttingen versorgt psychisch belastete Herzpatienten bereits seit mehreren Jahren über eine Spezialsprechstunde für Psychokardiologie mit einem ambulanten Gruppenangebot. Häufig sind aber die Herzerkrankung, die begleitenden körperlichen Symptome oder die psychische Beeinträchtigung so stark ausgeprägt, dass eine ambulante Behandlung nicht mehr ausreicht oder nicht regelmäßig aufgesucht werden kann. Die Wartezeit auf Behandlungsplätze bei niedergelassenen Therapeuten beträgt meist mehrere Monate. Eine in schweren oder akuten Fällen notwendige stationäre psychokardiologische Behandlung wird in Deutschland bislang nur kaum angeboten.
In der psychokardiologischen Station werden Patienten mit psychischen Erkrankungen und zugleich Herzkreislauferkrankungen mit einem „ganzheitlichen“ Behandlungsangebot „für Herz und Seele“ behandelt. Herzkreislauferkrankungen können Verengungen der Herzkranzgefäße, Herzinfarkt, Herzschwäche oder schwer einstellbarem Bluthochdruck sein. „Auf unserer Station können wir psychisch erkrankte Herzpatienten mit allen technischen Mitteln des Herzzentrums Göttingen behandeln. Zugleich führen wir eine intensive psychosomatische Diagnostik und Behandlung durch“, sagt Herrmann-Lingen.
Die Patienten erhalten ein umfangreiches Angebot aus therapeutischen Einzel- und Gruppengesprächen, Kunsttherapie und Entspannungsübungen. Mit besonderen Untersuchungsmethoden kann die Anfälligkeit des Herz-Kreislaufsystems für Stressbelastun-gen erfasst und gezielt bei der Behandlung berücksichtigt werden. Eine wichtige Rolle spielen auch körpertherapeutische Angebote zur allgemeinen körperlichen Aktivierung, zur Verbesserung der Körperwahrnehmung und für ein auf die konkrete Krankheitssituation abgestimmtes körperliches Training.
„Über die Verbindung der körperlichen und psychotherapeutischen Behandlung können die Patienten wieder Vertrauen zu sich selbst und zu ihrem Körper finden. Durch die Krankheit und durch die Herzbeschwerden ist dieses Vertrauen oft nachhaltig beeinträch-tigt. Unsere gezielten Angebote können die Lebensqualität trotz Herzerkrankung wieder deutlich verbessern und die Stressanfälligkeit des Herzens senken“, sagt Dr. Christina Kleiber, Oberärztin der Abteilung Psychosomatische Medizin und Psychotherapie.
Auch Patienten mit anderen Inneren Erkrankungen (komplizierter Diabetes oder ent-zündliche Darmerkrankungen) und mit psychischer Begleitproblematik sowie Patienten mit funktionellen Erkrankungen (etwa Herzneurose, Reizdarm, chronische Schmerzsyndrome) werden auf der neuen Station 2024 behandelt.
Die Behandlung wird bei Überweisung durch den behandelnden Arzt von den Krankenkassen übernommen. Eine Aufnahme von Patienten ist nach Terminvereinbarung in der Regel kurzfristig, innerhalb weniger Tage möglich. Zuvor findet in den meisten Fällen eine ambulante Voruntersuchung statt. Bei diesem Termin besteht auch die Möglichkeit, sich bei einem der Stationstherapeuten detailliert zu informieren. Die Anmeldung erfolgt über das Sekretariat der Abteilung Psychosomatische Medizin, Telefon 0551/ 39 6707.
chb/umg
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