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Vorstellung

Ji Xianlin „Zehn Jahre Deutschland“


Die autobiografische Schilderung des chinesischen Gelehrten Prof. Ji Xianlin (1911 - 2009) „Zehn Jahre Deutschland“ wurde am vergangenen Donnerstag in Berlin erstmals in der deutschen Übersetzung vorgestellt. Am Montag dieser Woche folgte die Präsentation im Göttinger Alten Rathaus. Das Buch beschreibt den Studienaufenthalt des Indologen in Göttingen in den Jahren 1935 bis 1945.

Ji Xianlins Buch prägte Deutschlandbild vieler Chinesen: Doktorand Liu Daoqian, Roswitha Brinkmann, Moderatorin Annemarie Stoltenberg, und Prof. Li Kuiliu (v.l.) im Gespräch.

© Theodoro da Silva

„Das Buch besticht immer wieder mit seiner liebenswürdigen Schilderung des ganz normalen Alltagslebens in extremen Zeiten“, erklärt die Göttinger Sinologin Roswitha Brinkmann, Direktorin der Auslandsrepräsentanz der Göttinger Universität in Nanjing. Sie hat die Autobiografie gemeinsam mit Prof. Li Kuiliu, Universität Peking sowie dem Göttinger Doktoranden Liu Daoqian übersetzt.

Ji Xianlin war 1935 als einer der ersten Stipendiaten des Deutschen Akademischen Austauschdienstes nach Göttingen gekommen, um Sanskrit zu studieren. Ganz offen schreibt er über sein Heimweh, als klar wurde, dass er nicht wie geplant nach zwei Jahren nach China zurückkehren konnte, da dort inzwischen der Krieg ausgebrochen ist. Ebenso schildert er in berührender Weise den Umgang mit seinen Vermietern. Er sei ein typischer Deutscher gewesen, verschwiegen und ehrlich. Sie war gutherzig wie eine Mutter zu ihm.

Gleichzeitig fühlt Ji Xianlin eine enorme Verpflichtung als Repräsentant seines Landes. Würde er als Student scheitern, bedeutete dies nicht nur einen Gesichtsverlust für ihn, sondern auch für China. Auch andere sehr ernsthafte Töne sind zu finden. „Ji Xianlin differenzierte klar in Deutsche und Nazis“, betont Li Kuiliu. Er habe den einzelnen Menschen in seinem Umfeld gesehen. Als Gast Deutschlands habe er die politischen Verhältnisse zwar nicht gutgeheißen, aber hingenommen. Andererseits habe er als Ausländer aus einem weit entfernten Land offenbar auch einen Sonderstatus gehabt.

Mit diesen sehr aufrichtigen und differenzierten Schilderungen prägte Ji Xianlin das Deutschlandbild unzähliger Chinesen. Als er sein Buch in den 80er Jahren herausbrachte, stieg die Zahl chinesischer Studierender in Göttingen spürbar an. „Noch heute“, so Brinkmann, „kommen viele chinesische Studenten Jis wegen an die Georgia Augusta.“

Ji Xianlin verstarb am 1. Juni dieses Jahres unter großer Anteilnahme der chinesischen Öffentlichkeit. 1980 war er noch einmal in Göttingen gewesen und hatte seinen Doktorvater Prof. Ernst Waldschmidt am Institut für Indologie besucht.

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