Zu Beginn macht Starck auf die vielen Aspekte des diesjährigen Themas der Akademiewoche „Gesundheitsforschung – Was ist die Gesundheit wert?“ aufmerksam: wissenschaftliche, ethische, juristische und ökonomische. Bürgermeister Wilhelm Gerhardy weißt auf die Bedeutung einer genaueren ökonomischen Betrachtung hin. Das Gesundheitswesen werde meist „mit der Neigung lediglich aktuelle Aspekte wahrzunehmen“, wie Kosten, thematisiert.
Unter der Überschrift „Die Allokation der stets knappen Ressourcen im Gesundheitswesen aus volkswirtschaftlicher Sicht“ spricht Prof. Klaus-Dirk Henke, Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliche Finanzen und Gesundheitsökonomie am Institut für Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftsrecht der Technischen Universität Berlin, anschließend über die verschiedenen Perspektiven, die bei der Ressourcenverteilung im Gesundheitswesen eine Rolle spielen.
Die Makroperspektive betrachte die volkswirtschaftlichen Mittel und ihre Verwendung. Derzeit werden zehn bis elf Prozent des Bruttoinlandprodukts für das Gesundheitswesen ausgegeben. „Eine optimale Quote ist wissenschaftlich allerdings nicht zu ermitteln“, erklärt Henke.
Die Mikroperspektive erfolge aus Sicht des Patienten. Der Patient entscheide über seine individuelle Nachfrage nach Versicherungsschutz, seine individuelle Krankheitsversorgung und seine persönlichen Konsumausgaben zur Prävention und Gesundheitsförderung, wie Sport, Fitness und Ernährung. „Letzteres ist ein wachsender Markt. Das ist Ihre Nachfrage, die das beeinflusst“, erklärt er. Die Gesamtperspektive ergebe sich aus der Makro- und der Mikroperspektive. Ziel dieser sei es, (Volks-)Krankheiten zu reduzieren und Mortalität, Arbeitsunfähigkeit und Invalidität zu vermeiden.
Anschließend geht der Wissenschaftler auf die aktuelle Lage ein und erläutert Rahmenbedingungen für ein zukunftsfähiges Gesundheitssystem. In Deutschland bestehe eine Klassengesellschaft im Gesundheitswesen: „Die Schichtenspezifität ist ungeheuerlich“, erklärt er. Für ein zukunftsfähiges Gesundheitssystems sei eine staatliche Versicherungsaufsicht, die einen einheitlichen Rechtsrahmen für alle Krankenversicherungen bildet, nötig, erklärt der Ökonom, der Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesministerium für Finanzen ist. Der Staat müsse verlässliche Handlungsfreiräume, in dem Wettbewerb und Vielfalt Platz haben, schaffen. Außerdem fordert Henke „mehr aktive Teilhabe und mehr Transparenz“ für Patienten für ein „Neues Verständnis von Gesundheit.“
Von Noreen Hirschfeld
Goettinger-Tageblatt.de Anmeldung