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Göttinger Universitätsklinikum

Pankreas: Einziges Kompetenzzentrum im Land

Von Britta Bielefeld

Diagnose: „Sie haben eine Wucherung an der Bauchspeicheldrüse“. Das ist etwas, was kein Patient hören möchte. Bauchspeicheldrüsenkrebs verläuft fast immer tödlich. Jörg Maleja hat diesen Satz von wenigen Wochen von Ärzten in Kassel gehört, dort rieten sie dem 46-Jährigen zu einer Behandlung in Göttingen.

Gute Nachrichten: José Hinz (li.) und Michael Ghadimi erklären Patientin Kerstin Sickfeld, dass sie keinen Krebs hat.

© Hinzmann

Im Universitätsklinikum gibt es das „Kompetenzzentrum chirurgische Erkrankungen der Pankreas“ (Bauchspeicheldrüse) – das einzige im Land Niedersachsen.

„Ich habe jetzt schon wieder eine Bratwurst gegessen“, sagt Maleja. Die Strapazen der vergangenen Wochen sieht man dem Mann aus Fritzlar kaum noch an. Das wichtigste aber: Nach der Operation wurde klar, seine Bauchspeicheldrüse war tumorfrei, ein Pankreasstein hatte sein Organ angegriffen. „Bei 90 Prozent der Patienten bestätigt sich leider, dass es sich um einen Tumor handelt“, sagt Michael Ghadimi, Professor für Chirurgie und Spezialist für Pankreas-Operationen. Mehr als 100 davon verzeichnet die Abteilung Allgemeinchirurgie jedes Jahr. Auch diese Erfahrung sei ein Kriterium für die Anerkennung als Kompetenzzentrum, sagt Ghadimi.

Maleja musste sich einer Entfernung des Pankreaskopfes unterziehen. „Eine Pankreasoperation ist eine der drei großen Operationen unserer Abteilung“, so der leitende Oberarzt des Zentrums. Ein aufwendiger, drei bis vier Stunden dauernder Eingriff, der viele Risiken birgt. Wer die Anerkennung zum Zentrum schafft, darf maximal acht Prozent der Patienten durch Komplikationen verlieren. „Bei uns liegt der Wert unter zwei Prozent“, so Ghadimi.

Nach einer erfolgreichen Operation ist die Behandlung der Patienten noch lange nicht zu Ende. Die Ärzte im Pankreaszentrum legen Wert auf interdisziplinäre Zusammenarbeit im Haus. Dafür, dass die Schmerzen nach einer Operation erträglich sind, sind die Anästhesisten wie José Hinz verantwortlich. Das, was der Narkosearzt „perioperatives Management“ nennt, ist eine Art Rundum-Paket in der Versorgung. Von der Intensivstation bis zur Entlassung. „Nur ein Patient, der keine Schmerzen hat, kommt schnell wieder auf die Beine“, sagt der Oberarzt.

Viele Patienten, die Bauchspeicheldrüsenkrebs haben, werden ebenfalls von den Ärzten weiter behandelt. Auch wenn die Erkrankung meist tödlich verläuft, geht es darum, die Lebensqualität für die verbleibende Zeit möglichst aufrecht zu erhalten. Das Zentrum arbeitet eng mit der Palliativstation, wo unheilbar Erkrankte versorgt werden, zusammen.

Von Hinz’ Schmerztherapie profitiert auch Kerstin Sickfeld. Sie ist mit dem Verdacht auf einen Pankreastumor aus Alfeld ins Klinikum überwiesen worden. Vor wenigen Tagen hat sie sich der Entfernung des Pankreaskopfes unterzogen. Sie wirkt ganz munter, hat noch einen Periduralkatheter für die Schmerzmittel im Rücken.

Ohne die Operation, so erklärt Ghadimi, gibt es keine gesicherte Diagnose. Erst wenn Teile des Organs entfernt wurden, können die Ärzte sagen, ob es sich um den aggressiven Krebs oder eine andere Krankheit handelt. Ghadimi hat auch für die 48-jährige Alfelderin eine gute Nachricht: Kein Krebs. Auch sie gehört zu den Patienten, die die schwere Operation gut überstanden haben. Denn: Im Oktober, so sagt sie noch im Krankenhausbett, will sie schon wieder in den Urlaub fahren.

Zentrum Pankreas
Das Kompetenzzentrum für Pankreaschirurgie gehört zur Abteilung Allgemein- und Viszeralchirurgie des Universitätsklinikums Göttingen. Leiter der Abteilung ist Prof. Heinz Becker, der gemeinsam mit Prof. Michael Ghadimi auch das Zentrum leitet. Jedes Jahr werden dort bis zu 110 Pankreasresektionen ausgeführt. Die Chirurgen arbeiten eng mit der Anästhesie, der Schmerztherapie und der Radiologie zusammen. Die Bauchspeicheldrüse, lateinisch das Pankreas, ist die wichtigste Verdauungsdrüse des Menschen. Sie produziert den Bauchspeichel, der in den Darm abgegeben wird und Verdauungsenzyme enthält. Außerdem produziert sie Hormone und Insulin. Sie liegt zwischen Milz, Magen, Leber und Wirbelsäule und ist 70 bis 100 Gramm schwer. Ein Symptom für schwere Pankreaserkrankungen ist eine Gelbsucht.
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