Für das Institut für Rechtsgeschichte, Rechtsphilosophie und Rechtsvergleichung bedeute die Einrichtung eines so genannten Wissenshauses, in dem die besten Exponate von 30 wissenschaftlichen Sammlungen der Universität gezeigt werden sollen, wieder einen Umzug. Das Institut ist seit dem Jahr 2005 im Auditorium an der Weender Landstraße. Nun ist der Umzug auf den Campus im Gespräch.
Vorgesehen ist nach Angaben von Universitätspräsidentin Prof. Ulrike Beisiegel eine Erweiterung des Juridicums Richtung Goßlerstraße. Dort können alle vier Abteilungen der Rechtsgeschichte untergebracht werden. Damit, so Beisiegel, wolle die Universität den Juristen die bestmögliche Alternative bieten.
„Die Mitarbeiter der Fakultät sind irritiert und über die Pläne nicht erfreut“, erklärte hingegen der Dekan der Juristischen Fakultät, Prof. Andreas Spickhoff, gegenüber dem Tageblatt. Sie seien verärgert, weil sie in den Entscheidungsprozess des Präsidiums nicht einbezogen und ihre Argumente nicht gehört worden seien.
Die Vertreter der Rechtsgeschichte wollen das Audimax aus mehreren Gründen nicht verlassen. Das Konzept, alle vier Rechtsinstitute unter einem Dach zu vereinen, sei in dem neuen Anbau nicht zu verwirklichen, da die neuen Räume kaum den jetzt zur Verfügung stehenden Platz von etwa 1300 Quadratmetern bieten werden, sagte Prof. Eva Schumann, Leiterin des Instituts für Rechtsgeschichte. Das Institut für Allgemeine Staatslehre und Politische Wissenschaften von Prof. Werner Heun müsste zweimal umziehen. Seine jetzigen Räume in der Goßlerstraße 11 muss er 2012 verlassen. Wo sein Institut dann untergebracht werde, weiß er nicht. „Ich warte auf den Verkündungstermin“, so Heun resigniert. Denn bisher war ihm der Einzug ins Auditorium zugesagt worden.
Der Auszug aus dem Auditorium sei mit erheblichen Kosten und einem immensen Zeitaufwand zum Nachteil der Lehre verbunden, kritisierte Schumann. „Die Universität hat im Auditorium unter anderem 70 000 Euro für Wände und Regalsysteme investiert, die so nicht mehr zu verwenden seien“, sagte sie. Zudem seien die in Aussicht gestellten neuen Räume wenig repräsentativ.
Auch die Studierenden rechnen mit Einschränkungen. Nach Auskunft von Konstantin Thielecke, Mitglied der Studienkommission, befürchten sie unter anderem, dass Bibliotheksflächen und Arbeitsplätze verringert werden.
Dekan Spickhoff betonte nachdrücklich, dass die Exzellenzinitiative von Bund und Ländern für die Universität und die Stadt sehr wichtig sei. Allerdings hielten die Rechtswissenschaftler die Räume des Auditoriums für völlig ungeeignet für ein Museum der geplanten Größenordnung. Sie fordern, die Eignung der Zoologie am Bahnhof oder des ehemaligen Gefängnisses am Waageplatz zu prüfen, so Spickhoff.
Beisiegel lehnt beide Gebäude als ungeeignet für die Unterbringung von Museen ab. Die Kosten, um das Gefängnis mit lauter kleinen Zellen zu einem Ausstellungshaus umzubauen, seien immens. Die Zoologie sei zwar ein spannendes Haus, aber von der Bausubstanz her ungeeignet.
Beisiegel kann gut verstehen, dass die Rechtswissenschaftler aus dem schönen Haus nicht ausziehen möchten. Die grundsätzliche Eignung des Gebäudes für ein Museum stellt die Präsidentin nicht in Frage. Das Konzept sei mit Bau-Fachleuten von Universität und Stadt und mit Museumsexperten aufgestellt worden. Ergebnis: Das Auditorium ist für das Vorhaben passend und die günstigste Variante, was nicht gleichbedeutend mit der billigsten sei.
In dieser Woche sollen die Pläne nach Auskunft von Beisiegel mit den Juristen besprochen werden. Fest stehe allerdings noch nichts, betonte die Universitätspräsidentin. Alles hängt davon ab, ob die Georgia Augusta erfolgreich im Wettbewerb Exzellenzinitiative sein wird. Dann sollen mit den finanziellen Mitteln aus der Exzellenzinitiative die Sammlungen der Universität angemessen präsentiert werden. Erhält die Universität im Herbst 2012 ein zweites Mal den Zuschlag, steht der Umzug dem Institut für Rechtsgeschichte frühestens im Herbst 2013 bevor.
Von Eida Koheil
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