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Aula am Wilhelmsplatz

Theologe Ringleben über Kierkegaards Gebot der Nächstenliebe

Von Angela Brünjes

Was endgültig bleibt, das ist Liebe“: Einen Vers aus dem Korintherbrief hat Prof. Joachim Ringleben seiner Abschiedsvorlesung über „Logos und Agape. Kierkegaards Auslegung des Gebots der Nächstenliebe“ vorangestellt.Was endgültig bleibt, das ist Liebe“: Einen Vers aus dem Korintherbrief hat Prof. Joachim Ringleben seiner Abschiedsvorlesung über „Logos und Agape. Kierkegaards Auslegung des Gebots der Nächstenliebe“ vorangestellt.

In der vollbesetzten Aula am Wilhelmsplatz stellte der Theologe am Donnerstag, 8. Juli, seine Auslegung von Søren Kierkegaards (1813-1855) Auffassung der Nächstenliebe in „Der Liebe Tun“ von 1847 dar.

Dabei erläuterte Ringleben mit Beispielen und Argumenten aus Philologie, Philosophie und Theologie den Vernunftaspekt mit dem griechischen Begriff Logos und mit Agape für Nächstenliebe. Diese möchte Kierkegaard als etwas Vernünftiges zeigen. Dass er dafür den Begriff „der Selbstverdoppelung des Liebenden“ aufbiete, so Ringleben, liege in der Auffassung begründet, dass „Gott sozusagen immer mit geliebt wird“. Insofern belohnt die Nächstenliebe den Menschen vielfach. Die Liebe zu Gott und dem Nächsten ergebe in Kierkegaards Gebot auch die Liebe zu sich selbst. Und die sei nicht zu verwechseln mit Selbstliebe, die Kierkegaard so sehe: „Sobald die Liebe bei sich selbst verweilt, ist sie aus ihrem Element heraus.“ Vielmehr sei die Selbstliebe ein Aspekt der Nächstenliebe: Im Sinne von „über andere urteilen bedeutet sie auch, sich selbst offenbar werden“. Und so sei Martin Luthers Auslegung, „die Liebe Gottes findet nicht vor, sondern schafft das Geliebte“ bei Kierkegaard „den nicht liebenswerten Gegenstand liebenswert finden“. Ringlebens Fazit: „Der Mensch kann Gott mehr lieben als sich selbst und den Nächsten lieben wie sich selbst.“

Prof. Jan Hermelink, Dekan der Theologischen Fakultät, würdigte die Verdienste von Ringleben in Fakultät und Universität. „Rede, dass ich dich sehe“ sei der Titel der Antrittsvorlesung von Ringleben im Januar 1985 gewesen. Seitdem habe er „fundamentale, sinnliche und exzentrische Theologie“ gelehrt und gelebt. Als Prediger an der Universitätskirche, als Mitglied der Akademie der Wissenschaften und Herausgeber der „Göttingischen Gelehrten Anzeigen“ sowie als Autor des „gewichtigen Werkes“ „Jesus“, das vor zwei Jahren erschien. Derzeit arbeitet der 1945 geborene Theologe Ringleben an einem Werk über „Luthers Sprachdenken“. Ringlebens „lokale und zugleich interdisziplinäre Arbeit“ unterstreiche das Amt des Abtes von Bursfelde, das Ringleben im Jahr 2000 verliehen wurde. Dieses Amt wird er weiterhin ausüben: „Noch viele Jahre“, erklärte Ringleben nach seiner mit viel Applaus bedachten Abschiedsvorlesung.

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