Das alles gelang ihm als erstem Leiter der Göttinger Sternwarte, als diese noch in einem der Türme der Stadtmauer angesiedelt war. Sein Nachfolger Carl Friedrich Gauß nannte ihn damals Mayer immortalis – unsterblich also. Für Gauß selbst trifft das zu – Mayer starb am 20. Februar 1762. Ihn kennt 250 Jahre nach seinem Tod kaum mehr jemand.
Spurensuche im Thomas-Mayer-Weg in Weende. Die Regisseurin Sabine Willmann und ihr Filmteam drehen die Abschlusssequenz für ihren Dokumentarfilm über den Astronomen, der 1723 in Marbach geboren worden war und drei Tage nach seinem 39. Geburtstag an Typhus starb. Mit Andrea Kressin beginnt der Film in Marbach, und mit ihr endet er auch in Göttingen. Die dreifache Mutter aus Lengede hat eine Leidenschaft: Geocaching – digitale Schnitzeljagd. Unterhalb des Feldwegs sucht sie mit Hilfe eines Navigationsgerätes den Mayer-Mystery-Cache, eine Schatzdose mit Logbuch und Utensilien, die an Mayer erinnern. Unter anderem ein kleiner Globus. Kressin findet die durchsichtige Box hinter Steinen unter einem Felsen, holt sie heraus, macht sie auf, nimmt sich einen Globus, dreht ihn in Position, steckt ihn in die Tasche und legt dafür eine Streichholzschachtel mit einem kleinen Schiffchen in die Schatzkiste. Dann schreibt sie einen Eintrag ins Logbuch: „Sehr schöner abenteuerlicher Mystery-Cache. Hat sehr viel Spaß gemacht. Lelali.“ So lautet ihr Geocaching-Name.
„Schon ganz schön, Andrea“, lobt Regisseurin Willmann. Aber der Globus könnte besser zu sehen sein. Also, noch einmal. Und dann nochmal und nochmal. Es dauert seine Zeit, bis die Sequenz so gedreht ist, dass Willmann zufrieden ist.
Willmann ist Autorenfilmemacherin. Konzept und Drehbuch Buch stammen von ihr. „Der Film soll Mayers Leben und Werk bekannter machen“, sagt die Marbacherin. Das Interesse der Regisseurin an dem Wissenschaftler hat auch mit ihrer eigenen Biografie zu tun. Marbach ist Mayers Geburtsstadt. Dort gibt es den ersten und einzigen Thomas Mayer-Verein. Gemeinsam mit dem Verein ist die Idee entstanden, zum 250. Todestag des Astronomen eine Dokumentation zu drehen. Der Film ist aber auch vom Kulturreferat der Stadt Göttingen und von der Universität Göttingen gefördert worden. Unterstützung fand Willmann in Göttingen zudem bei Bernhard Weißbecker. Der Autor ist Mayer-Experte. Er hat 2010 mit „Die dunkle Seite des Mondes“ einen Roman verfasst, in dem der Wissenschaftler eine Rolle spielt. In Kürze soll auch eine Mayer-Biografie erscheinen. Aber noch aus einem anderen Grund besucht Weißbecker den Drehort. Er ist der Initiator des Mayer-Mystery-Caches. Die Schatzdose, die laut Logbuch bereits 50 Schatzsucher gefunden haben, hat der Weender selbst versteckt.
Auch Axel Wittmann hat es sich nicht nehmen lassen, die Dreharbeiten zu verfolgen. Zum dritten Mal drehte das Filmteam am Montag in Göttingen. Der Geschäftsführer der Göttinger Gauß-Gesellschaft kann detailliert erklären, wie Mayer das Längengradproblem löste.
Neben den Experten-Interviews und der Schatzsuche hat Willmann auch Spielfilmsequenzen eingebaut. Der Schauspieler Tammo Messow spielt Mayer in Kostüm und mit Perücke. Viele Aufnahmen sind im Studio entstanden. Für die Dreharbeiten hat Willmann einen Teil der Göttinger Sternwarte nachbauen lassen.
Die Uraufführung des 35-minütigen Films „Der gute Kopf“ ist für den 17. Februar in Esslingen geplant. In Göttingen soll er auch im Kino laufen. Ein Termin steht aber noch nicht fest.
Von Eida Koheil
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