Göttingen.
Im Mittelpunkt stehen bei Fleischmanns Studien weniger Übersetzungswörterbücher als rein russische Wörterbücher, vergleichbar dem Duden und ähnlichen Werken im Deutschen. Hier zeigen sich sprachliche Entwicklungen, neue Wörter und Bedeutungsebenen besonders deutlich.
Mit zahlreichen Beispielen belegte Fleischmann die Aspekte, die den Sprachgebrauch des russischen Premierministers prägen. Darunter finden sich jargonhafte, lässige Wörter ebenso wie ein starker Rückgriff auf den religiösen Wortschatz. Häufig gehen diese sprachlichen Mittel einher mit einer entsprechende Selbstinszenierung des 1952 in Sankt Petersburg geborenen Putins.
Ein weiterer typischer Teil in der Sprache des Juristen Putin, der von 2000 bis 2008 Präsident der russischen Föderation war, anschließend Premierminister wurde und derzeit wieder Präsidentschaftskandidat ist, seien die „Fortschritts-Adjektive“, so Fleischmann. „Er will mit Adjektiven beeindrucken, die Fortschritt bedeuten“, beschreibt der Referent den Stil. Dass die Worte so oder zumindest in dieser Bedeutung nicht in aktuellen russischen Wörterbüchern auftauchen, scheint dabei akzeptiert oder sogar bewusst in Kauf genommen zu sein. Verstanden werden die sprachlichen Neugestaltungen auf jeden Fall.
Neben diesen noch nicht oder nur begrenzt in Wörterbüchern zu findenden Wort- und Sinnschöpfungen Putins finden sich auch Rückgriffe auf längst verloren geglaubte und aus den Wörterbüchern als veraltet gestrichene Begriffe. Gerade bei der religiösen Sprache beobachtete Fleischmann einen aktiven Umgang Putins mit Begriffen, die – vor allem vor dem Hintergrund sowjetischer Jahre – in Wörterbüchern mit Distanz beschrieben werden, etwa der Begriff „des Höchsten“ für Gott. Die politischen Entwicklungen in Russland versprechen für die nächsten Jahre weiteres Material zur Analyse, wozu auch mögliche Veränderungen in der Sprache Putins zählen können.
Von Isabel Trzeciok
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