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Fellow am Lichtenberg-Kolleg: Der Theologe Patrice Veit

Zehn gute Monate und ein Wermutstropfen


Das neue Lichtenberg-Kolleg der Universität Göttingen hat den ersten Jahrgang von Gastwissenschaftlern, Fellows, verabschiedet. In der historischen Sternwarte waren neun renommierte Wissenschaftler zehn Monate bis Juli zu Gast.

Fellowship ein „spannendes Experiment“: Prof. Patrice Veit.

© Heller

Hier forschen sie mit Göttinger Kollegen. Fünf der neun Fellows stellt das Tageblatt in einer Serie vor. Folge 4: Patrice Veit, Theologieprofessor und Direktor am französischen Zentrum für wissenschaftliche Forschung (CNRS) in Paris.

Für Patrice Veit waren die zehn Monate am Lichtenberg-Kolleg bereits eine Rückkehr nach Göttingen. Er war zwischen 1992 und 1999 „Directeur de la Mission historique française en Allemagne“ am Max-Planck-Institut für Geschichte in Göttingen und ist heute Direktor des „Centre national de la recherche scientifique“ (CNRS) am „Centre de recherches interdisciplinaires sur l’Allemagne“ in Paris.

Während des Fellowships arbeitete er insbesondere mit Prof. Thomas Kaufmann, Lehrstuhlinhaber für Kirchengeschichte an der Universität Göttingen, zusammen. Ihr Forschungsprojekt „Religiöse Buchpraxis in der frühen Neuzeit im interkonfessionellen und transkulturellen Vergleich“ wird für insgesamt drei Jahre von Deutscher Forschungsgemeinschaft und der französischen Agence Nationale Recherche gefördert.

„Spannend sind für mich in diesem internationalen Projekt die ganz unterschiedlichen Forschungstraditionen in Frankreich und Deutschland.“ Frankreich verfolge eher einen theologischen Ansatz, während in Deutschland eine religionsanthropologische Richtung eingeschlagen werde.

Während des Fellowships habe er das gemeinsame Forschungsprojekt gut vorantreiben können. Regelmäßige persönliche Treffen mit Kaufmann sowie Sitzungen mit den Projektmitarbeitern seien sehr hilfreich gewesen.

„Wir haben in der Zeit zwei Tagungen organisiert, im November 2009 in Gotha und im Juni 2010 in Nancy. Eine dritte folgt im November 2010 in Göttingen am Lichtenberg-Kolleg.“ Auch die Arbeiten an einer umfangreichen Veröffentlichung seien gut vorangeschritten.

Zudem sei er im Beirat der Graduiertenschule für Geisteswissenschaften Göttingen (GSGG). Mit den dortigen Studenten habe es mehrere Roundtable-Gespräche mit verschiedenen Fellows des Lichtenberg-Kollegs gegeben.

Für Veit sind Forschungsaufenthalte wie das Lichtenberg-Fellowship nichts Außergewöhnliches. „Das CNRS bietet mir hier große Freiheiten, da ich keine sehr umfangreichen Lehrverpflichtungen habe. Im Wesentlichen betreue ich Doktoranden.“ So ist es auch nicht verwunderlich, dass sich an die Zeit in Göttingen im Herbst eine Zeit als Institutsleiter am deutsch-französischen Centre Marque Bloch in Berlin anschließt.

Patrice Veit hat das Lichtenberg-Fellowship im ersten Jahrgang als spannendes Experiment erlebt. „Ich fand es sehr interessant, neue Kollegen in Göttingen kennen zu lernen. Mit vielen werde ich weiterhin in wissenschaftlichem Kontakt bleiben.“ Ein großes Kompliment gehe auch an die Mitarbeiter des Lichtenberg-Kollegs, die wirklich alles dafür getan hätten, dass man gut habe arbeiten können.

Insgesamt werde er die zehn Monate in sehr guter Erinnerung behalten. Nur einen Wermutstropfen gab es für den Theologen: Das Max- Planck-Institut für Geschichte fehle sehr. „Ich kann seine Schließung nur bedauern. Es bildete einen Fokus für die historische Forschung und hat – auch aus Sicht anderer französischer Kollegen – viel bewegt.“

  Mission historique
  Von 1977 bis 2009 war die „Mission historique française“ in Göttingen am inzwischen geschlossenen Max-Planck-Institut für Geschichte. Mit dem Umzug an die Universität Frankfurt kam der neue Name „Institut Français d‘Histoire en Allemagne“. Es forscht zur deutschsprachigen Kultur im historischen Kontext und zum deutsch-französischen Verhältnis.

Von Heike Jordan

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