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Die Nieren, unterschätztes Organsystem

Oft ist keine primäre Nierenerkrankung verantwortlich Die Nieren, unterschätztes Organsystem

Die Wissenschaft beziehungsweise Lehre der Nierenerkrankungen bezeichnet man als Nephrologie. Landläufig verbindet man die Nephrologie fälschlicherweise in erster Linie mit „Dialyse“, wobei eine Dialysebehandlung beziehungsweise ein Nierenersatzverfahren erst die letzte therapeutische Option einer Nierenerkrankung darstellt.

Dr. Malte Heeg

Quelle: Mischke

Göttingen. Die eigentliche Herausforderung des „Nephrologen“ liegt aber in der frühen Erkennung und Behandlung von Nierenerkrankungen, sodass ein Nierenersatzverfahren vermieden oder doch zumindest herausgezögert werden kann.

Lange symptomlos

Leider bleiben Erkrankungen der Niere oft lange symptomlos, sodass sie im frühen Stadium nur durch gezielte Suche oder als Zufallsbefund festgestellt werden. Oft ist für die Entstehung einer Nierenschwäche gar keine primäre Nierenerkrankung verantwortlich, sondern es handelt sich oft um sekundäre Schäden, welche z.B. durch einen Bluthochdruck oder einen Diabetes mellitus ausgelöst werden. Zur Prävention und zum rechtzeitigen Erkennen dieser Nierenerkrankungen können Sie als Patient beitragen. So ist ein gesunder und aktiver Lebenswandel mit regelmäßiger Bewegung, Verzicht auf Tabakkonsum und die Vermeidung von Übergewicht ein sehr wichtiger Faktor. Zudem sollten sie gelegentlich ihren Blutdruck und ihren Blutzucker kontrollieren lassen. Falls notwendig ist eine frühe, gegebenenfalls auch medikamentöse Therapie sinnvoll. Wenn einer oder mehrere der folgenden Punkte für sie zutrifft ist eine regelmäßige Kontrolle der Nierenfunktion beim Hausarzt sinnvoll: 1. Sind sie älter als 60 Jahre 2. Bei ihnen ist bereits ein arterieller Bluthochdruck oder ein Diabetes mellitus bekannt. 3. Ein Familienangehöriger ersten Grades leidet an einem Nierenversagen.

Verlangsamung der Erkrankung

Dabei sollte nicht nur auf den Nierengiftwert, das Kreatinin geschaut werden. Dieses steigt leider oft erst an, wenn bereits ein erheblicher Teil der Nierenfunktion geschädigt ist. Vielmehr sollte auch auf winzigste Eiweißausscheidungen im Urin geachtet werden, da diese der erste Hinweis einer Nierenschädigung sein können.

Sollte ihr Hausarzt Hinweise auf das Vorliegen einer Nierenerkrankung haben, ist eine frühe nierenfachärztliche Vorstellung angezeigt. Diese ist insbesondere wichtig, da zur Verlangsamung der Erkrankung auf viele, komplex verzahnte Einzelheiten geachtet werden muss. So müssen einerseits alle Faktoren die die Nieren schädigen optimal eingestellt werden, andererseits müssen auch die vielen Funktionen der Nieren überwacht und gegebenenfalls unterstützt werden. Die Nieren sind nämlich nicht „nur“ für die Entgiftung und Wasserausscheidung zuständig sondern regeln den Knochenstoffwechsel, die Blutsalze, die Bildung der roten Blutkörperchen und den Säurehaushalt des Körpers.

Von Dr. Malte Heeg

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