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Der goldene Boden ist verlegt
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Der goldene Boden ist verlegt

Kaum jemand will heute noch Fleischer oder Bäcker werden. Klassische Handwerksberufe sind beim potenziellen Nachwuchs nicht mehr gefragt; der Trend zur Ausbildung geht weiter zurück. Mittlerweile entscheiden sich 54 Prozent aller Schulabgänger für die Aufnahme eines Studiums. Stirbt das Handwerk langsam aus? Und welche Konsequenzen hätte das?

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Klassische Handwerksberufe wie Bäcker und Fleischer sind bei Jugendlichen kaum noch gefragt. Doch das soll sich ändern.

Quelle: Foto: www.amh-online.de

Besondere Herausforderungen erfordern manchmal besondere Maßnahmen. Als die Kreishandwerkerschaft Südniedersachsen im vergangenen Jahr mit einer provokanten Imagekampagne, frechen Sprüchen und zweideutigen Motiven an den Start ging, stieß sie nicht nur auf positive Resonanz. Gleichstellungsbeauftragte rebellierten, wollten in der unter dem Claim „handwerk37“ laufenden Kampagne frauenfeindliche Tendenzen erkannt haben. Und obwohl die Kreishandwerkerschaft diese Ansichten nicht teilte, ruderte sie teilweise zurück: Vier Kampagnen-Motive wurden überarbeitet oder sogar ausgetauscht. Die Zielgruppe nahm dies lediglich mit einem Achselzucken zur Kenntnis; ihr hatte die Kampagne nämlich schon in der ursprünglichen Form gefallen. Die Umfrage eines hessischen Radiosenders belegte dies recht eindrucksvoll und sorgte für Genugtuung beim Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Andreas Gliem. Auch wenn er das natürlich nie aussprechen würde. Aber: „Wir freuen uns, dass die Kampagne bei den jungen Leuten so gut angekommen ist. Das war ja schließlich unser Ziel“, resümierte er zufrieden. Und noch etwas wird er nicht leugnen können: Die medial verbreiteten Diskussionen über Sinn oder Unsinn der Kampagne haben für maximale Aufmerksamkeit gesorgt. Geschadet hat das dem Handwerk sicher nicht.

Bestärkt durch den Zuspruch der jugendlichen Zielgruppe geht dieser Tage nun eine neue Kampagne an den Start, die wieder dasselbe Ziel hat: Junge Menschen auf die Vorzüge handwerklicher Berufe aufmerksam zu machen. „Zukunft Handwerk - Die Ausbildungsoffensive 2016“ lautet diesmal das Motto. Die Initialzündung hierfür kam vom Göttinger Tageblatt. Die Verkaufsförderung der Mediengruppe hatte ein crossmediales Konzept entwickelt, von dem Gliem schnell angetan war: „Ein überzeugendes Konzept, das die Jugendlichen vor allem auch dort abholt, wo sie sind – beispielsweise im Internet.“ Welches Potenzial dahintersteckt, zeigen aktuelle Zahlen aus der Region: Allein in der Kreishandwerkerschaft Südniedersachsen sind rund 800 Innungsbetriebe organisiert, die Jahr für Jahr etwa 600 neue Lehrverträge abschließen. Da ist noch Luft nach oben, denn: „Manche Lehrstellen bleiben heute unbesetzt, einfach weil sich keine Bewerber dafür finden“, weiß Gliem.

„Zukunft Handwerk“ richtet sich deshalb vor allem an junge Menschen und ihre Eltern. Sie sollen zu einer Ausbildung im Handwerk ermuntert werden, um – langfristig und optimistisch gedacht – dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Oder anders formuliert: um ein nachhaltiges Ausbluten des Handwerks zu verhindern. Die Ausbildungsoffensive soll daher auch insgesamt den Wirtschaftszweig Handwerk in das Blickfeld junger Menschen rücken. Über unterschiedlichste Medienkanäle werden verschiedene Gewerke und Ausbildungsberufe vorgestellt sowie Entfaltungs- und Entwicklungsmöglichkeiten aufgezeigt, bis hin zum dualen Studium oder zum Meisterbrief. „Die Möglichkeiten, nach erfolgreicher Meisterprüfung in einem klassischen Handwerksberuf beispielsweise einen eigenen Betrieb zu übernehmen, waren wohl nie so gut wie heute“, betont Gliem. Er muss das auch so sagen, um möglichst viele potenzielle Adressaten für einen Handwerksberuf zu begeistern. Denn auch er weiß: „Wenn künftig immer weniger Leute ins Handwerk gehen, werden bei gleichbleibender Auftragslage die Wartezeiten für Kunden automatisch immer länger werden. Außerdem könnten auch die Preise steigen“, blickt Gliem in die Glaskugel. Der im Zusammenhang mit handwerklichen Jobs viel zitierte „goldene Boden“ scheint also nicht nur bereitet – er ist bereits fachmännisch verlegt. Man muss ihn jetzt nur noch betreten. „Handwerksbetriebe mit entsprechender fachlicher Qualifikation sind heute überall gefragt und gefordert. Das wird sich in Zukunft eher noch verstärken“, prognostiziert der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft.

Gute Gründe für die Ausbildungskampagne gibt es also reichlich. Nach dem Auftakt mit einer Ausbildungsmesse im Göttinger Einkaufszentrum „Kauf Park“ geht es ab Ende April in die Vollen: Innungsbetriebe bekommen dann die Chance, sich und ihr Unternehmen in einem passenden redaktionellen Umfeld zu präsentieren und sich somit bei etwaigen Bewerbern zu empfehlen. Denn: „Heutzutage bewerben sich nicht die Bewerber bei den Unternehmen, sondern die Unternehmen bei den Bewerbern.“ Dieses markante Zitat erhielt in der Powerpoint-Präsentation der Kampagne nicht ohne Grund eine eigene Seite.

Die Art und Weise, wie die Tageblatt-Mediengruppe und die Kreishandwerkerschaft Südniedersachsen die Ausbildungsoffensive aufstellen, erscheint ebenso innovativ wie effizient. Denn neben klassischen Zeitungsformaten wie Anzeigen, redaktioneller Berichterstattung oder Sonderveröffentlichungen in auflagenstarken Tages- und Anzeigenzeitungen wurde auch an das zielgruppenorientierte Stadtmagazin „Leben37“ gedacht, das der Kampagne in ihrer Mai-Ausgabe eine Titelgeschichte widmet – und natürlich an den Online-Bereich. Auf einer eigenen Microsite im Tageblatt-Portal (gturl.de/zukunft-handwerk) und auf einer Facebook-Themenseite finden die Handwerker von morgen fundierte Infos und weiterführende Angebote, so zum Beispiel auch eine direkte Vernetzung zur Internetseite von „handwerk37“. Enden wird die auf mehrere Monate angelegte Kampagne mit einer umfangreichen Sonderbeilage im Göttinger und Eichsfelder Tageblatt.

„Derartige Kampagnen sind natürlich auch für andere Wirtschaftszweige, ebenso für einzelne Unternehmen oder Institutionen denkbar. Die guten Erfolgsaussichten ergeben sich vor allem aus der enormen Reichweite, die wir über unterschiedlichste Kanäle in einem starken Verbund erzielen können“, sagt Heiko Weiland, Anzeigenleiter der Tageblatt-Mediengruppe. Wer sich für diese oder ähnliche Kampagnen interessiert, kann sich an die Verkaufsförderung des Verlages wenden. Ansprechpartnerin ist Marianne Seibel, Telefon 0551 / 901-207, E-Mail: m.seibel@goettinger-tageblatt.de. Von Markus Riese

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