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Opulent, schwer, dunkel: Relaunch des Skandinavien-Designs

Immobilien Opulent, schwer, dunkel: Relaunch des Skandinavien-Designs

Skandinavisches Design steht für helle, leichte und puristische Möbel. Das könnte aber bald Geschichte sein! Eine neue Generation Designer erfindet den Stil neu - und bringt schwere, dunkle Möbel und Wohnaccessoires mit Materialien wie Eisen, Stahl und Marmor heraus.

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Die Zutaten für den neuen skandinavischen Stil sind nicht mehr helle Farben und leichte Materialien. Unternehmen wie Gubi setzen nun auf Dunkles und samtige Polsterstoffe (Sofa 4429 Euro). Foto: Gubi

Stockholm. Skandinavisches Möbeldesign ist weltberühmt und begehrt. Aber eine junge Generation von Gestaltern und Produzenten erfinden es noch einmal grundlegend neu. Denn der Markt für Möbel, Leuchten und Wohnaccessoires scheint gesättigt zu sein.

Und häufig gibt es nur noch Neuauflagen von Klassikern. Dass die Designindustrie dennoch nicht ganz ermattet ist, zeigen die Skandinavier. Nirgendwo sonst findet man derzeit so viele junge Unternehmen, die versuchen, mit neuen Konzepten den Markt für Wohnprodukte zu erobern.

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Akzente in Gold am Tischbein die Platte grüner Marmor: Das Unternehmen Handvärk arbeitet konträr zum üblichen hellen, leichten Stil Skandinaviens mit schweren und teuren Materialien (Tisch: 2061 Euro plus MwSt). Foto: Handvärk

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Anfang des Jahres hat sich Handvärk aus Dänemark gegründet. Inhaber Emil Thorup ist als Designer Autodidakt. Er war Teilnehmer der Casting-Show Pop Stars und war Sidekick in einer TV-Show. Aber schon von Kindheitstagen an hat sich Thorup auch für Design interessiert. Nur erfüllt sich der 31-Jährige den Traum von einer eigenen Möbelmarke.

Bei Thorups Möbeln bleibt nicht mehr viel übrig vom traditionellen Stil der Skandinavier. Die Nordeuropäer verwenden gerne helle Hölzer und stehen für eine schlichte, zeitlose Gestaltung. Thorup arbeitet konträr mit schweren, teuren Materialien wie Stahl, Eisen, Messing und Marmor. Die Farben sind dunkel, vor allem Schwarz dominiert. "Mein Stil ist international, nicht mehr typisch skandinavisch. Er funktioniert in Asien genauso wie in Europa oder den USA", erklärt Thorup. Er sagt sogar: "Ich möchte nicht als Vertreter des New Nordic Stils gesehen werden."

Jacob Gubi ist auch ein Vertreter, der weder an der mächtigen Tradition festhält noch auf der New-Nordic-Welle mitschwimmt. Sein Unternehmen ist seit 1967 in Familienbesitz, aber 2010 hat Gubi sich als Design-Marke komplett neu aufgestellt.

Der Hersteller arbeitet nun mit einer jungen Generation internationaler Designer zusammen, etwa Sebastian Herkner aus Deutschland oder das aus Mailand und Kopenhagen stammende Designerpaar Stine Gram und Enrico Fratesi. "Ich wollte eine Kollektion aufbauen, die keine kulturellen Grenzen kennt und sich durch eine Vielfalt an unterschiedlichen Einflüssen auszeichnet", erklärt Gubi das. Die Interieurs wirken mondän, setzen eine romantische Bohème-Welt in Szene. "Wir wollen emotionaler und luxuriöser sein, als man es sonst von den Skandinaviern gewohnt ist."

Dunkle Farben, edle Materialien wie Marmor und Messing, samtige Polsterstoffe - das sind also die Zutaten für den neuen Stil. "Wir wollen etwas Neues ausprobieren, einen luxuriösen Look etablieren", sagt auch Josefine Hedemann, Projektleiterin bei New Works. Das Unternehmen aus Kopenhagen gibt es seit 2015. Unter den Produkten befindet sich zum Beispiel ein Stuhl, gefertigt aus unterschiedlich gefärbten Betonelementen. Auch das steht für den neuen Stil: Die Skandinavier sind nicht mehr nur nüchtern-protestantisch, sondern leisten sich eine experimentelle, künstlerische Note.

Vor drei Jahren gegründet haben sich Friends & Founders. Das schwedisch-dänische Unternehmen nennt seine Kollektion "non-iconic" und wendet sich damit gegen den inflationär gewordenen Klassikerkult. Geometrische und architektonische Formen dominieren ihre Produkte. Es gibt etwa komplett schwarze Stühle aus kantigem Stahl. Die insgesamt raue, harte Anmutung erinnert manchmal an die Düsternis der Krimiserien, mit der die Skandinavier in den vergangenen Jahren ebenfalls sehr erfolgreich waren.

Auch Louise Roe aus Kopenhagen geht mit ihren Wohnaccessoires den Weg der neuen Generation. "Die Materialien sind beim Design vergleichbar mit den Zutaten beim Kochen", findet die Designerin. Roe nimmt für ihre Blumenvasen und Tischwaren Marmor und mundgeblasenes Glas. Beide Materialien verbindet man eher mit dem Design aus Italien - wo Roe in der Modebranche gearbeitet hat. Sie vergleicht den Entwurf einer Serie von Wohnaccessoires auch mit der Arbeit an einer Modekollektion.

Auch diese Einstellung steht für das neue Design aus Skandinavien. Es ist international und es hat keine Berührungsängste mit anderen Disziplinen wie Mode oder Kunst. Die junge Szene steht nicht mehr für einen Purismus, sondern für einen bunten Gestaltungsmix mit Zutaten aus der ganzen Welt.

dpa

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