Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 0 ° Regenschauer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
Im Fredelsloher „Keramikum“ auf Zeitreise durch die Töpferkunst

Von der Steinzeit bis in den Weltraum Im Fredelsloher „Keramikum“ auf Zeitreise durch die Töpferkunst

Ton ist der Rohstoff, der die jahrhundertelange Töpfertradition in Fredelsloh begründet hat. Seit fast 1000 Jahren wird im Raum Fredelsloh abgebauter Ton verarbeitet.

Voriger Artikel
40. Eulenfest in Einbeck: Live-Musik auf vier Bühnen
Nächster Artikel
Welterberegion Wartburg Hainich: Geheimtipps von Kennern

Vielfalt aus dem Material Ton: Die Erzeugnisse spiegeln den Zeitgeist verschiedener Epochen.

Quelle: Hoffmann

Fredelsloh. Und noch heute gibt es im Ort eine kleine Fabrik und sechs Töpfereien, von denen noch immer einige mit dem heimischen rotbraunen Material arbeiten.

Im Ausstellungs- und Aktionshaus „Keramikum“ wird die herausragende Bedeutung der Keramik für die Zivilisationsgeschichte der Menschheit von der Steinzeit bis hin zum Katalysator und dem Spaceshuttle verdeutlicht. Daneben zeigt der örtliche Heimat- und Geschichtsverein, der als Träger das Haus 2011 eröffnete, auch eine Zeitreise durch die Geschichte der Fredelsloher Töpferkunst. „Wir forschen, sammeln und stellen aus“, erläutert der Vereinsvorsitzende Johannes Klett-Drechsel.

Die Vielfalt der Keramik in verschiedensten Kategorien zeigt das „Keramik-ABC“.  Neben Haushaltskeramik ist unter anderem auch technische Keramik ausgestellt. Hierunter finden sich etwa Zähne, Herzschrittmacher, ein Messsondenteil aus der Weltraumtechnik und Zündkerzen. „Ohne Keramik hätte das Auto nie fahren gelernt“, erklärt Klett-Drechsel.

Im Obergeschoss geht es in einem „großen Zug durch die Menschheitsgeschichte“ mit Beispielen von der Steinzeit bis in die Moderne. Vorbei an Exponaten verschiedener Kulturen und Epochen, an Fayence und Steingut, einem billigen Imitat des teureren Porzellan, das energieintensiv bei 1300 Grad gebrannt wird und hauchdünn gefertigt „eine Verwandtschaft des Tons zum Glas“ zeigt, führt der Rundgang auch durch die Fredelsloher Töpfertradition.

„In der Renaissance wurde die Welt bunt“

Im 11. Jahrhundert wurde in dem kleinen Ort zunächst grobe Hauskeramik für den Eigenbedarf hergestellt. Eine erste Hochphase der Töpferproduktion lag zwischen 1160/80 und 1320/40. Sehr begehrt, wurde die hochwertige Ware damals durch die Hanse weit entfernt gehandelt.

Im 14. Jahrhundert wandelte sich die Mode. Die typische rotbraune Farbe des Fredelsloher Tons, die durch den hohen Eisenoxid-Anteil entsteht, war nicht mehr gefragt. „In der Renaissance wurde die Welt bunt“, erklärt Klett-Drechsel. Nun war Tonware mit farbigen und – für die Handwerker giftigen – bleihaltigen Glasuren angesagt. Um 1900 hatten die Fredelsloher Töpfer gut damit zu tun, Vorratstöpfe, Schüsseln und anderes für Bauernküchen herzustellen. In ganz schlechten Zeiten hingegen wurde einfache Ware wie Drainagerohre hergestellt.

Blaue und grüne Glasuren trafen den Modegeschmack um das Jahr 1930. In der Nachkriegszeit baute schließlich eine ostdeutsche Fabrik eine neue Produktionsstätte auf, und die Fredelsloher Töpfer konnten in die Wirtschaftswunderzeit und die 1960-er Jahre mit ihren typischen Accessoires starten.

„Wissenskisten“ mit Bildschirmen ergänzen die Ausstellung. Beim Töpfern an Elektrodrehscheiben können sich Kinder im Gewölbekeller des Hauses ausprobieren. In der Experimentalwerkstatt mit drei Drehscheiben werden auch Töpfer-Seminare angeboten. Der Mittelalterbrandofen im Garten bietet zudem die Möglichkeit zur Experimentellen Archäologie. Hier wird regelmäßig Keramik wie vor 750 Jahren gebrannt.

Von Karola Hoffmann

Weitere Infos im Netz unter

keramik-um.de

toepferdorf-fredelsloh.de

 
Öffnungszeiten und Führungen

Im Oktober öffnet das Keramikum, Am Kapellenbrunnen 5, täglich von 13 bis 17 Uhr, im November und in der Adventszeit sonntags von 13 bis 17 Uhr, zudem jederzeit nach Anmeldung. Führungen beginnen sonntags um 14 Uhr.

Infos unter Telefon 0 55 55 /  3 93 00 67. Von Weihnachten bis Mitte März macht das Keramikum Winterferien.

Im Ort gibt es zudem sechs Töpfereien, die auch für Besucher geöffnet sind. Die romanische Klosterkirche St. Blasii und Marien gleich neben dem Keramikum ist im Oktober täglich von 11 bis 17 Uhr geöffnet, von November bis Weihnachten an den Wochenenden von 11 bis 16 Uhr. Führungen zu Kirche und Dorfgeschichte, durch das Keramikum sowie bei allen Töpfern bietet die örtliche Touristik-Info.

Weiteres unter Telefon 0 55 55 / 3 05.

Voriger Artikel
Nächster Artikel