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Sterben, Tod, Bestattung und Trauer: Sepulkralmuseum in Kassel

Gegen das „Tabu des Todes“ Sterben, Tod, Bestattung und Trauer: Sepulkralmuseum in Kassel

Einhundert Jahre ist es her, dass die Menschen in Europa mit einer bis dahin nicht vorstellbaren Dimension des Tötens, Sterbens und Leides konfrontiert wurden.

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Technik-Museum Kassel: 300-jährige Technik- und Industriegeschichte

Stilvoll auf die letzte Reise: Rindinger Kutsche, 19. Jahrhundert.

Quelle: Museum für Sepulkralkultur Kassel

Kassel. Während Millionen Soldaten auf den Schlachtfeldern den Tod fanden, starben allein in Deutschland hunderttausende Zivilisten an Hunger und Krankheit.Die Mitte November im Museum für Sepulkralkultur in Kassel eröffnete Sonderausstellung „Die Verwandlung: Sterben und Trauer 1914 bis 1918“ widmet sich dem Thema bis 10. Mai 2015. Die Schau veranschaulicht, wie man zwischen 1914 und 1918 in Deutschland „mit den grauenhaften Erfahrungen dieser Zeit umging, wie man offiziell und privat“ wie auch unter Künstlern auf diese Katastrophe reagierte und versuchte, das Trauma zu bewältigen.

Sterben und Tod, Trauern und Gedenken sind die zentralen Themen des 1992 eröffneten Museums. Der Begriff Sepulkralkultur, der sich vom lateinischen „sepulcrum“ ableitet und Grab, Grabstätte bedeutet, wird dabei thematisch weit gespannt. Alle kulturellen Formen, die sich rund um die „letzten Dinge“ entwickelt haben, werden berücksichtigt: Bestattungsriten und -bräuche, Särge und Gräber, außerdem Werke zeitgenössischer Künstler. Religiöses und Rituale treffen hier auf Volkskunst, Handwerk und Design.

Einzigartig in Deutschland, zeigt das Museum ein breites Spektrum an sepulkralen Objekten wie Totenhemden, Särge, Kutschen, Trauertrachten und bildliche Darstellungen. Die Besucher erwartet die Begegnung mit der reichen Tradition der Sterbe-, Bestattungs- und Trauerkultur in Mitteleuropa vom ausgehenden Mittelalter bis in die Gegenwart.

Seit dem Frühjahr ist die Dauerpräsentation, die historische und aktuelle Ausstellungsstücke zu den Themen „Tod und Bestattung“ sowie „Friedhof und Grabmal“ zeigt, erweitert. Neu dazu gekommen ist der Bereich „Religionen und ihre Bestattungsriten in Deutschland“, gesellschaftlichen Veränderungen geschuldet: So habe das Thema Beisetzung von Migranten auf deutschen Friedhöfen in den vergangenen Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen.

Wie gingen die Menschen früher mit dem Sterben um und welchen Stellenwert hat es in der heutigen Gesellschaft? Die Dauerausstellung und ständig wechselnde Sonderausstellungen des Museums für Sepulkralkultur zielen darauf ab, die Besucher anzuregen, sich mit Sterben, Tod und Trauer auseinanderzusetzen. Die Ausstellungsmacher wollen die seit dem 20. Jahrhundert „fortgeschrittene Tabuisierung des Todes aufbrechen und eine offene Diskussion ermöglichen“.

Von Karola Hoffmann

Weitere Infos im Netz unter sepulkralmuseum.de
 
Führungen und Programm

Geöffnet ist das Museum für Sepulkralkultur in Kassel, Weinbergstraße 25-27, am Dienstag sowie Donnerstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr, Mittwoch 10 bis 20 Uhr.

Führungen finden jeden Mittwoch um 18 Uhr statt. Neben einem Führungs- und Bildungsprogramm für alle Besuchergruppen und Kulturveranstaltungen gibt es auch ein umfangreiches Kinder- und Jugendprogramm.

Infos unter Telefon 05 61 / 91 89 30, E-Mail: info@sepulkralmuseum.de.

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