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Winterquartier für Knollen, letzter Schnitt der Stauden

Späte Blüten, frühe Fröste Winterquartier für Knollen, letzter Schnitt der Stauden

Ein Spaziergang in einen Oktobergarten führt uns in eine herrlich bunte Welt, die noch einmal die strahlenden Farben der warmen Jahreszeit verschwendet, bevor der nahende Winter alles in eine farblos graue Szenerie verwandelt. Während die einheimische Flora sich auf wenige Dauerblüher wie Gänseblümchen und Greiskraut beschränkt, werden die Farben durch exotische Gehölze und Blüten fremdländischer Stauden inszeniert.

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Herbstchrysanthemen (Dendranthema Hybriden) sind ein guter Einsatz für verblühte Balkon- und Kübelpflanzen.

Quelle: Callauch

Göttingen. Wenn die Herbstastern aus Nordamerika endlich ihre roten, weißen und blauen Korbblüten erstrahlen lassen, setzt die mediterrane Spornblume bereits zur dritten Blüte in dieser Saison an, denn jedes Mal wurde sie nach der Blüte abgeschnitten und musste neu heranwachsen.

Immer noch ist sie ein Ziel für Tagfalter, die ihren langen Rüssel in den rosa Sporn dieses Baldriangewächses stecken, um Nektar zu schlürfen. Über zwei Meter hoch ist dieses Jahr das Sommerblumenbeet geworden, in das wir nach Radieschen im Frühling, Pflücksalat und Zwiebeln im Sommer erst spät Cosmea und Tagetes eingesät hatten.

Cosmea erfreut uns jetzt mit einer rosa Blütenwolke von beträchtlichen Ausmaßen in herrlichem Kontrast zum Gelb der Rauen Sonnenblume ( Helianthus rigidus). Da ist jedenfalls keine Pflege mehr nötig, kein Unkrautzupfen, alles wird vom Grün bedeckt, lediglich das Abschneiden der toten Stängel nach den ersten Frösten wird fällt noch an.

So lange wie möglich stehen lassen

Neben der Rauen Sonnenblume bringen auch die einjährige Helianthus annuus und die Kleinköpfige Helianthus microcephalus noch immer Sonnengelb in den Garten. Erstere bleibt solange wie möglich stehen, denn ihre Korbblüten werden gern von Vögeln aufgesucht. Die Achänen (Sonnenblumensamen) locken Distelfinken an, die man sonst kaum sehen würde, wenn man nicht Korbblütler wie Disteln und Sonnenblumen bis zur Fruchtreife im Garten stehen ließe.

Die Dahlien bleiben bis zu den ersten Frösten stehen und werden dann angeschnitten und die Knollen herausgenommen, in Plastikstiegen gepackt und im kühlen Keller überwintert. Bereits jetzt lässt ihre Blüte nach und bald ist die Farbe der Dahliensorte nicht mehr zu erkennen.

Wer Wert darauf legt, sollte daher jetzt mit Sorte und Farbe ein Etikett beschriften und an der Pflanze weit unten fixieren, so dass bei einer Frühlingspflanzung eine gezielte Farbzusammenstellung erfolgen kann.

Forsythie nicht radikal beschneiden

Ausladende Sommerflieder werden jetzt bis auf ein Viertel zurückgeschnitten und gehen so kompakt in den Winter. Ihre Blüten entwickeln sich sowieso an den diesjährigen Achsen vor der nächsten Blütenperiode im Sommer. Anders dagegen die Forsythie. Wer sie jetzt radikal herunter schneidet, entfernt dabei die angelegten Blütenknospen und wird im Frühling ohne das strahlende Gelb dieses wertvollen Zierstrauchs auskommen müssen.

Im Gartenteich blühen noch einzelne rote  Seerosen auf, aber die Blätter sind längst vergilbt und zerronnen. Vor der Kälte nimmt man die Pumpen heraus, ebenso schließt man den Außenwasserhahn und lässt ihn leerlaufen. Ein winterliches Zerplatzen gefüllter Wasserleitungen in einer Frostperiode ist alles andere als wünschenswert, besonders wenn bei Tauwetter niemand in der Nähe ist, und das Wasser stundenlang unbemerkt in den Garten fließen kann.

Unansehnliche Stauden werden jetzt mit der Akku-Heckenschere abgeschnitten, laubfärbende wie Storchschnäbel oder Entenschnabel-Felberich bis zum Vergilben im November stehen gelassen. Abgeblühte Balkon- und Terrassenkübel werden mit den überall erhältlichen, leider nicht ganz winterharten Herbstchrysanthemen aufgefrischt, die in milden Wintern erhalten bleiben und sogar noch nach den Herbstastern blühen.

Farben für den Winter

Während die oft wegen ihrer Herbstfärbung gepflanzten Roteichen enttäuschen und braun in den Winter gehen, sorgen Persischer Eisenbaum ( Parrotia persica), Chinesischer Hartriegel ( Cornus kousa), Tintenbeere (Aronia alle Sorten), Essigbaum ( Rhus typhina) und der Amberbaum ( Liquidambar styraciflua) stets für eine sichere Farbenpracht, egal ob es ein sonniger oder eher grauer Oktober wird.

Unübertrefflich bleibt aber die Nah- und Fernwirkung der Jungfernreben (Parthenocissus), die in allen Sorten rot wird und auch bei uns ganze Waldränder mit ihren farbenprächtigen Girlanden verschönern kann. Sie vermehrt sich behutsam im ganzen Garten und lässt noch einmal die Sommerträume elysischer Gefilde lebendig werden, in denen Sonnenwärme, laue Lüfte und strahlende Farben regieren.

Oktober ist eben auch schon die Zeit, vom nächsten Sommer zu träumen. Der Autor war bis September 2014 Kustos des Experimentellen Botanischen Gartens der Universität Göttingen.

Von Rolf Callauch

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