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Gelbbauchunke, Nieme und Hutewald

50 Jahre Naturpark Münden, Teil 2 Gelbbauchunke, Nieme und Hutewald

Der Naturpark Münden bietet eine vielfältige Landschaft und vielfältige Angebote. In diesem Jahr feiert er sein 50-jähriges Bestehen und ist damit einer der ältesten Naturparks der Bundesrepublik. Das Tageblatt stellt in einer kleinen Serie Angebote und Arbeit des Naturparks vor. Heute geht es um die Naturschutzprojekte.

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Die Nieme zwischen Löwenhagen und Bursfelde: Die Renaturierung des Baches ist ein Schwerpunkt-Projekt im Naturpark.

Quelle: Heller

Eine zentrale Aufgabe des Naturparks Münden ist, die besondere Landschaft mit seiner Artenvielfalt zu schützen. Auf dem 45000 Hektar großen Gelände sind 66 Prozent der Fläche als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Im Naturpark kommt zum Beispiel eine der seltensten und gefährdetsten Amphibienarten in Niedersachsen vor: die Gelbbauchunke.

Vier Naturschutzgebiete schützen den Lebensraum von besonders sensiblen Tier- und Pflanzenarten. In diesen Gebieten haben nach Angaben des Naturparks Tiere und Pflanzen Vorrang. Zehn Gebiete wurden zudem  vom Land Niedersachsen als Schutzgebiete gemäß Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie festgelegt.

Vor allem die großen und teilweise lichten Buchenmischwälder mit den Bachtälern sind für das Vorkommen von sehr seltenen Tier- und Pflanzenarten von Bedeutung. So findet der scheue Schwarzstorch im Naturpark noch Lebensräume zum Brüten. Auch seltene Vogelarten wie Eisvogel, Wasseramsel oder Schafstelze können Besucher mit Glück und bei vorsichtigem Verhalten beobachten. Kleine Moore wie das Hühnerfeld und die Trockenbiotope auf der Dransfelder Hochfläche bergen seltene Pflanzenarten. Um diese Vielfalt zu erhalten und weiter zu entwickeln, werden im Naturpark einige Projekte umgesetzt.

Eines dieser Projekte ist die Renaturierung der Nieme. Mehrere 100000 Euro sind bereits in das Projekt geflossen. Die Nieme ist ein größerer Mittelgebirgsbach, der bei Varlosen entspringt und 14 Kilometer später bei Bursfelde in die Weser mündet. Die Nieme hat auf der ganzen Fließstrecke ein hohes Gefälle. Bachforelle, Groppe und Bachschmerle sind typische Fischarten.

Seit 1997 bemühen sich Naturpark, Landkreis Göttingen und Naturschutzverbände um die Renaturierung der Nieme und ihrer Quellbäche. Im Bereich des Nieme-Oberlaufs wurden Grundstücke erworben und Ackerflächen in extensives Grünland und bepflanzte Gewässerrandstreifen umgewandelt. Im Bereich des Unterlaufs der Nieme wurden die großen Sohlabstürze mit einer Stufe von mehr als einem Meter durch Sohlgleiten ersetzt und über 40 Bauwerke entfernt. Dadurch wurde die ökologische Durchgängigkeit in weiten Abschnitten der Nieme wieder hergestellt. 2006 wurde auch der Mündungsbereich der Nieme wieder in einem natürlichen Verlauf an die Weser angeschlossen, so dass seitdem Fische und andere Fließgewässerarten ohne Hindernisse von der Weser in die Nieme hinauf und hinab wandern können.

Ein weiteres Projekt ist das Naturschutzgebiet Hühnerfeld, das sich auf einer Hochfläche mitten im Kaufunger Wald befindet. Hier hat sich ein Übergangsmoor entwickelt. Früher wurden die Flächen als Weiden genutzt. Um die Artenvielfalt auf moorigem Standort wenigstens teilweise zu erhalten, kaufte der Landkreis Göttingen Flächen im Hühnerfeld auf und stellte das Gebiet 1968 unter Naturschutz. Seit 1993 lässt der Kreis das Hühnerfeld mit Islandpferden und seit 2005 zusätzlich mit einer Herde Mutterkühe extensiv beweiden. Dadurch werden die Flächen offen gehalten.

Schottische Hochlandrinder

Heute sind noch ungefähr 50 Hektar solch offener Flächen erhalten. Typische Pflanzenarten der Moore wie Torfmoose, Rundblättriger Sonnentau, Rosmarinheide und Schmalblättriges Wollgras gedeihen in den nassen Bereichen. In den trockeneren Bereichen sind Borstgrasrasen mit stark gefährdeten Arten wie Arnika und Quendel-Kreuzblümchen zu finden.

Schließlich gibt es im Naturpark auch ein Hutewald-Projekt mit Rindern. Der Begriff „Hutewald“ leitet sich von „hüten“ ab, denn vom Mittelalter bis in das 19. Jahrhundert hinein diente der Wald auch als Weide für das Vieh. Kühe und Schafe wurden das ganze Jahr über auf die Waldweide getrieben, Schweine im Herbst zur Zeit der Eichelmast. Dadurch entstanden bizarre, lichte Waldformen mit tief verzweigten Eichen und Buchen, denn ein gerade gewachsener „Hochstamm“ hatte bei dem Verbiss keine Chance. In der Bodenvegetation breiteten sich Heidelbeere, Besenheide und Borstgras aus. Die Geschichte des Waldes, vor allem auch die kulturhistorische Nutzung im Bramwald, können Besucher auf dem 1,7 Kilometer langen Waldgeschichtspfad bei Bursfelde erwandern.

Bei Ellershausen wurde zudem durch ein Projekt vom Niedersächsischen Forstamt Münden, der Biologischen Schutzgemeinschaft Göttingen und dem Naturpark Münden auf einer Fläche von fast vier Hektar der Rest eines ehemaligen Hutewaldes wieder belebt. Bis zu 260 Jahre alte Eichen stehen auf dieser Fläche, die bis 1870 als Hutewald genutzt wurde. Durch die Wiederaufnahme der Beweidung mit Schottischen Hochlandrindern soll die historische Nutzung des Waldes gezeigt werden und der Charakter eines lichten Eichenwaldes mit besonderer Bodenvegetation erhalten bleiben. 

Jörn Barke

Gelbbauchunke

Die Gelbbauchunke ist eine Amphibienart, die früher Flussauen besiedelte, in denen durch die Dynamik des Wassers, Hochwasser und Erosion immer neue Kleingewässer entstehen. Durch Ausbau und Begradigung der Flüsse sind diese Lebensräume in Mitteleuropa sehr selten geworden. Stattdessen ist die Gelbbauchunke auf Ton- und Kiesgruben ausgewichen. Durch Bodenbewegungen beim Kiesabbau werden immer wieder vegetationsfreie Flächen geschaffen, die sich zeitweise mit Wasser füllen. Ein solches Kiesabbaugebiet befindet sich im Naturpark Münden an der Weser: die Ballertasche. In Niedersachsen gibt nur noch sechs Standorte, an denen die Gelbbauchunke vorkommt.

Vertragsschutz

Vertragsnaturschutz bedeutet, dass Landwirte auf vertraglicher Basis mit dem Kreis Göttingen wertvolle Lebensräume pflegen und extensiv bewirtschaften. Im Naturpark Münden betrifft dies eine Fläche von 160 Hektar. Ohne menschliche Nutzung wäre Mitteleuropa fast vollständig bewaldet. Durch die Landwirtschaft haben sich andere Lebensräume entwickelt, die bei geringem Nutzungsgrad artenreich sind. Im Naturpark zählen dazu feuchte Wiesen und Weiden in Bachniederungen und Hutungen in Hochflächen, die mit Schafen, Ziegen, Schweinen oder Rindern beweidet werden. 

Termine

Der Naturpark Münden veranstaltet regelmäßig Exkursionen und Wanderungen. In diesem Jahr wird zudem das 50-jährige Bestehen mit mehreren Veranstaltungen gefeiert. Am Freitag, 15. Mai, dem Gründungsdatum, ist eine Auftaktveranstaltung zum Jubiläum in der Rathaushalle Hann. Münden vorgesehen. Am Sonnabend, 21. Juni, wird es eine Sternwanderung zum Gaußturm geben. Die fünf Startorte sind Varmissen, Dransfeld, Jühnde, Scheden und Bühren. Ein Naturparkfest ist schließlich am Sonntag, 9. August, geplant. Treffpunkt ist das Klostergut Hilwartshausen an der B 80. Das Fest beginnt um 10 Uhr mit einem Gottesdienst. 

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