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Pflege Anders wohnen im Alter

Selbstständig, selbst bestimmt, sozial eingebunden: Die Alternativen zum Pflegeheim

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Quelle: Ingo Bartussek - Fotolia.com

Senioren können immer mehr wählen, wie sie leben möchten: Neben dem klassischen Pflegeheim hat sich das Wohnen in den eigenen vier Wänden vereinfacht, es gibt betreute Wohngemeinschaften und organisierte Nachbarschaften. Wir geben einen Überblick.

Wie will ich wohnen, wenn ich alt bin? Die Antwort auf diese Frage gehört zu den wichtigsten Vorbereitungen auf das Alter. Die Wohnqualität habe entscheidend Einfluss auf die Lebensqualität, besonders bei Pflegebedarf, heißt es beim Niedersachsenbüro Neues Wohnen im Alter. Das Büro ist eine Beratungsstelle in Hannover, gefördert vom Landesministerium für Soziales und Gesundheit. Seine Aufgabe: Landkreise, Städte, Gemeinden und private Interessenten dabei zu unterstützen, Angebote und Projekte zu entwickeln, die Senioren ein längeres selbstständiges, selbst bestimmtes und sozial integriertes Wohnen ermöglichen.

Mit der Zeit verändern sich die Ansprüche ans Wohnen, aber die meisten Wohnungen und Häuser sind nicht darauf vorbereitet. Wer zu Hause bleiben möchte, wird irgendwann merken: Der Einstieg in die Badewanne ist zu hoch. Stufen lassen sich nicht mehr einfach überwinden. Der Balkon bleibt wegen der Schwelle ungenutzt. Dann wird es Zeit, gegenzusteuern – eine ebenerdige Dusche einzurichten, die Türen zu verbreitern oder den Kühlschrank höherzustellen, um alle Fächer zu erreichen. Wer die Treppe nicht mehr schafft, kann das Wohnzimmer zum Schlafzimmer werden zu lassen oder darüber nachdenken, einen Treppenlift einbauen zu lassen.

Unterstützung vor Ort

Praktische Hilfe bieten Wohnberater. „Wohnberatung unterstützt dabei, die Wohnsituation so zu gestalten, dass sie den Bedürfnissen und Fähigkeiten angepasst ist“, erklärt Diplom-Ingenieurin Andrea Beerli vom Niedersachsenbüro. Berater helfen bei der Entscheidungsfindung, informieren über Vor- und Nachteile der Wohnangebote vor Ort und vermitteln Umzugshilfen. „Sie kommen in die Wohnung und beraten dort über die Möglichkeiten der Wohnungsanpassung, über deren Finanzierung und unterstützen bei der Umsetzung der Maßnahmen“, sagt Andrea Beerli.

Von Vorteil ist es, wenn dabei unterschiedliche Berufsgruppen zusammenarbeiten, vom Architekten über den Sozialarbeiter bis zum Ergotherapeuten. In den vergangenen Jahren hat das Niedersachsenbüro 900 Wohnberater fortgebildet. Davon sind drei Viertel ehrenamtlich tätig. Wer sich ausbilden lassen möchte, muss in ein Netzwerk eingebunden sein und von hauptamtlichen Wohnberatern begleitet werden. Diese arbeiten in Seniorenservicebüros, Pflegestützpunkten oder bei Städten und Landkreisen. Die Anlaufstellen (siehe Infokasten) stellen auch Kontakt zu Ehrenamtlichen her. Wer sich einen Umbau nicht leisten kann, sollte sich bei seiner Stadt oder Gemeinde über geförderte Wohnungen für Senioren mit Wohnberechtigungsschein informieren.

Nicht im Heim und doch nicht allein

Menschen in einem gemeinschaftlichen Wohnprojekt verstehen sich im Idealfall als Gemeinschaft, die sich gegenseitig stützt. In ambulant betreuten WGs leben meist vier bis zehn Hilfs- und Pflegebedürftige. Sie alle haben ein eigenes Zimmer und sind Teil eines gemeinsamen Haushalts, mit der Wohnküche als Mittelpunkt.

Verantwortlich für die Wohnung sind die Bewohner selbst, eventuell auch ihre Angehörigen oder gesetzliche Betreuer, Dienstleistungsanbieter, Vermieter und begleitende Vereine. Ein Modell ist, dass sich die WG-Mitglieder oder ihre gesetzlichen Vertreter auf eine Betreuungskraft einigen. Diese ist für einen bestimmten Zeitraum Ansprechperson und für die Alltagsorganisation zuständig: Für wenige Stunden, den ganzen Tag oder auch nachts. Für diese Ansprechperson zahlen alle WG-Mitglieder eine feste Pauschale. Die Pflege übernimmt ein externer Dienst.

In einem anderen Modell werden ein oder zwei Pflegedienste festgelegt. Je nach Bedarf nehmen die Bewohner Leistungen entgegen. Sie zahlen dafür einen Teil der Kosten selbst. Es gibt auch Häuser mit eigenen Wohnungen, in denen Senioren über Gemeinschaftsräume miteinander Kontakt halten.

Ist die Wohnform WG aber nicht eher etwas für Enkel der Senioren? „Wir glauben, dass die Bereitschaft, in ambulant betreuten Wohngemeinschaften zu leben, ganz sicher zunehmen wird“, schätzen Andrea Beerli und ihre Kolleginnen vom Niedersachsenbüro. „Die jetzt älter werdenden Generationen wünschen sich zunehmend ein selbstbestimmtes Leben und eine individuelle Pflege bis ins hohe Alter. Begünstigend kommt hinzu, dass sie oft schon WG-Erfahrung haben, ihnen diese Wohnform nicht fremd ist.“ Außerdem seien ambulant betreute WGs auf dem Land, wo große Anbieter nicht mehr investieren, oft die einzige Möglichkeit, Pflegeplätze bereitzuhalten. „Die WGs bieten somit eine Möglichkeit, soziale Kontakte aufrechtzuerhalten und bis zuletzt im vertrauten Wohnumfeld leben zu können. Gleichzeitig können auch pflegebedürftige Personen, die in ihren Häusern wohnen bleiben, auf kurzem Wege versorgt werden“, sagt Andrea Beerli.

Seniorenzentren und Pflegeheime

Ein Seniorenzentrum ist die Bezeichnung für eine Einrichtung, die mehr anbietet als ein Alten- und Pflegeheim. Kurzzeitpflege ist dort möglich, bei Veranstaltungen öffnet sich das Haus oft für Veranstaltungen für Senioren aus der Umgebung. Ein Pflegeheim ist immer noch das klassische Obdach für Menschen im Alter, wenn häusliche Pflege nicht oder nicht mehr möglich ist.
Nach aktuellsten Zahlen aus dem Jahr 2011 gibt es in Niedersachsen knapp 1700 Pflegeheime. Davon befinden sich gut jedes Zweite in privater Trägerschaft, bei knapp 40 Prozent sind es freigemeinnützige Träger, wie die Arbeiterwohlfahrt und das Rote Kreuz. Nur 41 Heime haben einen öffentlichen Träger. Für die meisten ist bei der Auswahl wichtig zu wissen, wie groß das Heim und die Zimmer sind. Mit 85 Prozent hat ein Großteil der niedersächsischen Heime 100 oder weniger verfügbare Plätze. 60 Prozent der Heimbewohner lebt in einem Ein-Bett-Zimmer.

Wir im Quartier

Wohnviertel und kleine Ortschaften mit Nachbarschaftstreffpunkt sind ebenfalls im Kommen. Der Fokus liegt auf nachbarschaftliche Kontakte. Quartiers-Konzepte basieren darauf, dass sich Bürger, Kommunen, Wohnungsunternehmen oder Pflegedienste engagieren, um eine gute Nachbarschaft aufzubauen, in der auch Menschen mit Hilfebedarf eingebunden und besser betreut werden können.

Infos kompakt
Die wichtigsten Anlaufstellen zum Wohnen im Alter:
Niedersächsische Fachstelle für Wohnberatung:
Telefon 0511 16591085
Niedersachsenbüro Neues Wohnen im Alter:
Telefon 0511 16591080
Pflegestützpunkt Landkreis Göttingen:
Telefon 0551 525-909, -908
Seniorenberatung/Pflegestützpunkt, Stadt Göttingen:
Telefon 0551 400-2177
Freie Altenarbeit Göttingen e.V.:
Telefon 0551 43606
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