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Pflegeformen für jeden Bedarf

Pflege Pflegeformen für jeden Bedarf

Von Kurzzeit- bis zur Verhinderungspflege: Was Sie beachten sollten.

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Ambulat: Die Pflege zu Hause ermöglicht Bedürftigen ein Leben in ihrer gewohnten Umgebung.

Quelle: Foto: Peter Maszlen - Fotolia.com

Kurzzeitpflege

Sind Pflegebedürftige nur begrenzte Zeit auf vollstationäre Pflege angewiesen, erhalten sie Kurzzeitpflege. Die Leistung der Pflegeversicherung unterscheidet sich vom Betrag nicht nach Pflegestufen, sondern steht davon unabhängig allen Pflegebedürftigen in gleicher Höhe zur Verfügung. Sie beträgt für bis zu vier Wochen pro Jahr maximal 1550 Euro. Während der Kurzzeitpflege wird für höchstens vier Wochen die Hälfte des bisher bezogenen Pflegegeldes weitergezahlt. Außerdem ist die Kurzzeitpflege auch in stationären Vorsorge- oder Rehaeinrichtungen möglich, die keine Zulassung zur pflegerischen Versorgung nach SGB XI haben, wenn der pflegende Angehörige in dieser Einrichtung oder in der Nähe eine an einer Vorsorge- oder Rehamaßnahme teilnimmt.

Pflegebedürftige Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis 25 Jahren sollen in Einrichtungen versorgt werden können, die auf ihre besonderen Bedürfnisse ausgerichtet sind. Deshalb können sie Kurzzeitpflege auch in geeigneten Einrichtungen in Anspruch nehmen, die nicht durch einen Versorgungsvertrag mit den Pflegekassen zur Kurzzeitpflege zugelassen sind. Beispiele sind Einrichtungen der Hilfe für behinderte Menschen oder ähnlich geeigneten Versorgungsstätten.

Langzeitpflege

Unter Langzeitpflege versteht man Leistungen der Pflege, die über einen Zeitraum von vier Wochen hinausgehen. Das Alter des Pflegebedürftigen ist davon unabhängig.

Langzeitpflege kann Rehabilitation, häusliche Pflege, soziale Betreuung, Unterbringung sowie Transport, Mahlzeiten und Hilfe bei der Bewältigung des Alltags umfassen. Zum Einsatz kommen, je nach Art und Umfang der Pflegebedürftigkeit, Fachpersonal und Assistenten. Ist trotz Kurzzeit- und Verhinderungspflege häusliche oder teilstationäre Pflege nicht möglich oder nicht ausreichend, bleibt für Pflegebedürftigen nur die Aufnahme in eine vollstationäre Einrichtung.

Bei häuslicher Langzeitpflege haben die Angehörigen Anspruch auf Beihilfen. Dazu gehören das Pflegegeld, Sachleistungen und Ansprüche wie Rentenbeiträge, Unfallversicherung und Schulungskurse. Besuche des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen sind gesetzlich vorgeschrieben. Pflegeversicherer müssen kostenlose Kurse für Angehörige und Freiwillige anbieten.

Tages- und Nachtpflege

Tages- und Nachtpflege in einer Pflegeeinrichtung fällt unter die teilstationäre Versorgung. Dabei übernimmt die Kasse die Kosten für die Pflege, die soziale Betreuung und die medizinische Behandlungspflege. Hol- und Bringdienste der Einrichtungen sind darin inklusive, nicht aber Verpflegungskosten. Gewährt wird teilstationäre Pflege, wenn die häusliche Pflege nicht in ausreichendem Umfang sichergestellt werden kann, ergänzt oder gestärkt werden sollte. In der Regel nehmen Pflegebedürftige Tagespflege in Anspruch, wenn deren Angehörige berufstätig sind.

Für teilstationäre Tages- und Nachtpflege zahlen die Kassen für Versicherte der Pflegestufe I bis zu 450 Euro, der Stufe II 1100 Euro und der Pflegestufe III 1550 Euro monatlich. Tages- und Nachtpflege sind mit ambulanten Pflegesachleistungen und/oder dem Pflegegeld kombinierbar. Der höchstmögliche Gesamtanspruch besteht aus dem eineinhalbfachen des  Pflegesachleistungsbetrags, der für die jeweilige Pflegestufe gilt. Wer zum Beispiel in der Tages- und Nachtpflege den Leistungsanspruch zu 50 Prozent ausschöpft, hat daneben einen vollen Anspruch auf Pflegegeld oder ambulante Pflegesachleistungen. Dieser erhöht sich allerdings nicht für die, die weniger als die Hälfte davon für die Tages- und Nachtpflege verwenden.

Verhinderungspflege

Macht die private Pflegeperson Urlaub oder ist krank, übernimmt die Pflegeversicherung die nachgewiesenen Kosten einer Ersatzpflege. Die Grenze liegt bei sechs Wochen im Jahr. Auch Versicherte in der Pflegestufe 0 mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz können Leistungen dieser Verhinderungspflege erhalten. Ein Anspruch besteht jedoch erst, wenn die Pflegeperson den Bedürftigen mindestens sechs Monate zu Hause gepflegt hat.

Übt die Verhinderungspflege eine erwerbsmäßig tätige Person oder ein ambulanter Pflegedienst aus, beläuft sich die Leistung auf bis zu 1612 Euro im Jahr. Dieselbe Summe gilt bei Ersatzpflege durch entferntere Verwandte, mit denen der Pflegebedürftigen nicht bis zum zweiten Grad verwandt oder verschwägert ist, oder durch Nachbarn.

Leistet ein naher, nicht erwerbsmäßig tätiger Angehörige die Ersatzpflege, dürfen die Aufwendungen der Kasse den eineinhalbfachen Betrag des Pflegegeldes der Pflegestufe nicht überschreiten. Sind dabei notwendige Aufwendungen wie Fahrkosten oder Verdienstausfall nachweisbar, erhöht sich die Leistung auf bis zu insgesamt 1612 Euro. Seit diesem Jahr können, ergänzend zum Leistungsbetrag für die Verhinderungspflege, bis zu 50 Prozent des Kurzzeitpflegebetrags genutzt werden. Das sind bis zu 806 Euro im Jahr. Dieser Erhöhungsbetrag wird auf den Leistungsbetrag für eine Kurzzeitpflege angerechnet. Damit stehen bis zu 2418 Euro im Jahr für Verhinderungspflege zur Verfügung. Während der Verhinderungspflege wird bis zu vier Wochen im Jahr die Hälfte des bisher bezogenen Pflegegeldes weitergezahlt.

Ambulante Pflege

Die Pflege zu Hause ermöglicht Bedürftigen ein Leben in ihrer gewohnten Umgebung. Die Pflegeversicherung berücksichtigt diesen Wunsch vieler mit zahlreichen Hilfen. Auch Pflegebedürftige und Personen, die eine auf Dauer erheblich eingeschränkte Alltagskompetenz haben, deren Bedarf an Grundpflege und hauswirtschaftlicher Versorgung aber (noch) nicht in der Pflegestufe I sind, dürfen Hilfe von Pflegediensten oder Pflegegeld in Anspruch nehmen.

Möglich ist ebenfalls eine Kombination aus beidem. Sie können über die Verwendung des Pflegegeldes grundsätzlich frei entscheiden und das Pflegegeld an Personen, die sie versorgen, als Anerkennung weitergeben. Die Höhe der Leistungen unterscheidet sich nach der Pflegestufe. Zusätzlich erhalten psychisch Erkrankte, geistig Behinderte oder demenziell Erkrankte mit sehr eingeschränkter Alltagskompetenz den Betreuungsbetrag für zusätzliche Betreuungsleistungen.

Berufstätige pflegende Angehörige erhalten dazu durch die Pflegezeit und Familienpflegezeit eine Förderung. Ambulant betreute Wohngruppen fördert die Pflegeversicherung besonders. Bei der Anpassung des Wohnumfelds unterstützt der Gesetzgeber die Versicherten durch Zuschüsse. Auch die Kosten für Pflegehilfsmittel kann die Versicherung übernehmen.

Von Andreas Stolte

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