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Von Pflegestufen zu Pflegegraden

Zweites Pflegestärkungsgesetz Von Pflegestufen zu Pflegegraden

Mit dem Zweiten Pflegestärkungsgesetz (PSG II) wird ab 2017 der Pflegebedürftigkeitsbegriff umfassender beschrieben und hierzu ein neues Begut­achtungsinstrument eingeführt. Die bisherige Ungleichbehandlung von Pflegebedürf­tigen mit körperlichen Einschränkungen einerseits und Pflegebedürftigen mit kogniti­ven und psychischen Einschränkungen – insbesondere Demenzkranken – andererseits fällt weg.

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Quelle: Attila Barabas/istockphoto.com/akz-o

Künftig steht bei der Begutachtung der individuelle Unterstützungsbedarf, also die Selbständigkeit jedes Einzelnen, im Mittelpunkt. Entscheidend ist dann, wie selbstständig ein pflegebedürftiger Mensch ohne Hilfe und Unterstützung anderer sein Leben führen kann oder welche Fähigkeiten er noch hat. Es wird keine Rolle mehr spielen, ob körperliche oder geistige Beeinträchtigungen zur Pflegebedürftigkeit füh­ren. Mit dem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff sollen individuelle Situationen Pflegebedürftiger und die individuelle Situation ihrer Angehörigen stärker be­rücksichtigt und auch Menschen mit Demenz ein besserer Zugang zur Pflege ermöglicht werden als bisher. Denn: Menschen mit Demenz sind zwar vielfach körperlich noch in der Lage, bestimmte Dinge zu machen, haben aber oftmals vergessen, wie die einzelnen Handlungen in welcher Abfolge ausgeführt wer­den. Sie brauchen daher rund um die Uhr Anleitung und Betreuung durch andere. Das neue Instrument zur Begutachtung schließt nun kognitive und kommunikative Fähigkeiten sowie Verhaltensauffälligkeiten mit ein.

Elf Jahre, zwei Expertenbeiräte, zwei Modellprojekte und drei Bundesregierungen hat es gebraucht, um Pflegebedürftigkeit neu zu definieren.

Elf Jahre, zwei Expertenbeiräte, zwei Modellprojekte und drei Bundesregierungen hat es gebraucht, um Pflegebedürftigkeit neu zu definieren.

Quelle: AOK Mediendienst

Kein „Minuten zählen“ mehr

Um der individuellen Pflegebedürftigkeit besser gerecht zu werden, wird die Schwere der Pflegebedürftigkeit in fünf Pflegegraden statt in den bisherigen drei Pflegestufen abgebildet. Die bisherigen Pflegestufen orientierten sich am Zeitaufwand. Maßstab der neuen Pflegegrade hingegen ist der Grad der Selbstständigkeit. Je höher der Pflegegrad, desto höher ist der Unterstützungs­bedarf. Mit dem neuen Instrument fällt also das Zählen von Minuten, die zur Pflege nötig sind, durch den Gutachter weg. Versicherte, die bereits Leistungen aus der Pflegeversicherung beziehen, werden ohne neue Antragstellung und ohne erneute Begutachtung automatisch nach gesetzlich vorgegebenen Re­geln in den entsprechenden Pflegegrad übergeleitet.

Von den aktuell mehr als 2,6 Millionen Leistungsempfängern in der SPV sind fast doppelt so viel Frauen (1,7 Millionen) wie Männer (0,97 Millionen). 1,91 Millionen Menschen werden ambulant gepflegt, 0,76 Millionen stationär. Künftig verteilen sich die Pflegebedürftigen nicht mehr auf drei Pflegestufen, sondern auf fünf Pflegegrade.

Von den aktuell mehr als 2,6 Millionen Leistungsempfängern in der SPV sind fast doppelt so viel Frauen (1,7 Millionen) wie Männer (0,97 Millionen). 1,91 Millionen Menschen werden ambulant gepflegt, 0,76 Millionen stationär. Künftig verteilen sich die Pflegebedürftigen nicht mehr auf drei Pflegestufen, sondern auf fünf Pflegegrade.

Quelle: AOK Mediendienst

Bei der Überleitung gelten folgende Grundregeln:

  • Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen steigen von der bisherigen Pflegestufe um eine Stufe höher; zum Beispiel von Pflegestufe 1 in Pflegegrad 2.
  • Menschen mit beeinträchtigter Alltagskompetenz steigen von der bisherigen Pflegestufe zwei Stufen höher; zum Beispiel von Pflegestufe 1 in Pflegegrad 3. r/bif/Birgit Freudenthal

Keine wiederholte Begutachtung

Zum Jahresende informieren die Pflegekassen alle bisherigen Empfänger von Pflegeleistungen über ihren Pflegegrad. Der Gesetzgeber will, dass durch die Reform niemand schlechter gestellt wird als zuvor. Bestandsschutzregelungen stellen daher sicher, dass niemand durch die Umstellung Nachteile hat. Zahl­reiche Pflegebedürftige, besondersdiejenigen mit eingeschränkter Alltags­kompetenz, profitieren von höheren Leistungen.

Pflegebedürftige, die bis Ende 2016 bereits in eine Pflegestufe eingeteilt sind, benötigen 2017 keine neue Begutachtung. Sie werden automatisch in die neuen Pflegegrade eingeteilt oder „übergeleitet“. Menschen mit ausschließlich körperlichen Einschränkungen rutschen in den nächst höheren Pflegegrad. Aus Pflegestufe 1 wird zum Beispiel Pflegegrad 2. Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz, zum Beispiel bei Demenz – sie fielen bislang in die sogenannte Pflegestufe 0 – kommen in den übernächsten Pflegegrad. Befürchtungen, durch die neue Regelung schlechter gestellt zu sein als zuvor, sind unbegründet. Alle, die bereits Leistungen erhalten, beziehen diese mindestens im gleichen Umfang weiter. Viele Betroffene erhalten sogar mehr Unterstützung.

Neben den Pflegekassen und den Pflegestützpunkten vor Ort gibt es bei der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD) ebenfalls Informationenberaten – unabhängig und kostenlos im gesetzlichen Auftrag unter 0800/0117722 und auf www.patientenberatung.de.

Was ändert sich bei der Beratung Pflegebedürftiger und ihrer Angehöriger?

Viele Pflegebedürftige schöpfen die Angebote der Pflegeversicherung nicht aus. Die Pflegeberatung soll die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen besser dabei unterstützen, die ihnen zustehenden Leistungen für die Pflegebedüftigen und die Entlastung der pflegenden Angehörigen besser zu nutzen. Die Pflegeberatung unterstützt dabei, aus den verschiedenen Angeboten die für sie am besten passenden Leistungen nach ihren Bedarfen und Wünschen zusammen zu stellen. Die Pflegeberatung erstellt bei Bedarf und auf Wunsch der Anspruchsberechtigten auch einen individuellen Versorgungsplan.

  • Die Pflegekassen teilen jedem Anspruchsberechtigten auf Pflegeberatung mit, welche Person für ihre Beratung persönlich zuständig ist. Dieser Pflegeberater oder diese Pflegeberaterin ist verantwortlich für die Erst- und alle Folgeberatungen.Anspruchsberechtigte auf Pflegeberatung können sich künftig mit allen Fragen an ihre persönliche Beratungsperson wenden.
  • Die Pflegekassen bietet Antragstellern auf Leistungen von sich aus eine persönliche Pflegeberatung an. Es muss ein Termin für die Pflegeberatung angeboten werden, der nicht mehr als zwei Wochen an der Antragstellung liegt. Ausgenommen davon sind nur einmalige oder monatliche Anträge auf Kostenerstattung.
  • Auch die Angehörige und nahestehende Personen erhalten erstmals einen eigenständigen Anspruch auf Pflegeberatung, wenn die Pflegebedürftigen zustimmen. Damit erhalten die Angehörigen mehr Unterstützung für die Organisation der Pflege.
  • Die verschiedenen Beratungsangebote vor Ort für Pflegebedürftige sollen besser aufeinander abgestimmt werden. Die örtlichen Beratungsstellen sollen besser zusammenarbeiten. Die Einzelheiten werden in Verträgen der Landesverbände der Pflegekassen mit den zuständigen Stellen der Länder geregelt.
  • Die Pflegekassen werden verpflichtet, einen Überblick über die regional verfügbare Pflege- und Unterstützungsangebote einschließlich der Kosten im Internet zu veröffentlichen und dabei benutzerfreundliche Suchmöglichkeiten vorzusehen.

Quelle: Bundesgesundheitsministerium

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