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Birma

Auf der goldenen Straße von Mandalay

Von Mirjana Cvjetkovic

Geschätzte vier Millionen Pagoden durchziehen Birma – mehr als jedes andere buddhistische Land auf der Welt. Besonders lohnt ein Besuch der Kultstätten in der Millionenstadt Mandalay.
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Ein junger Mönch besucht die Shwedagon-Pagode in Mandalay.

© Cvjetkovic

Dumpf und laut hallen die Hammerschläge durch die Straße von Mandalay im Herzen Birmas, dem heutigen Myanmar. Immer und immer wieder hämmern die Goldschläger der Manufaktur King Galon auf kleine Goldplättchen. Wumm, wumm, wumm – gehämmert wird, bis das Werk so dünn ist, dass es zu zerreißen droht – erst dann ist es perfekt. Die harte Arbeit scheint den Männern nichts anzuhaben, sie strahlen Stolz aus, denn mit den kleinen Goldfolien werden Pagoden im ganzen Land beklebt. Dafür einen Beitrag zu leisten gilt in Mandalay als Privileg.

Die südostasiatische Millionenstadt oder vielmehr die Straße dorthin ist schon viel besungen worden, etwa von Frank Sinatra, den Eagles oder Robbie Williams. Doch was verbirgt sich hinter dem berühmten Weg in die letzte Königsstadt? Zunächst fällt auf, er ist nicht befestigt, sondern flüssig: Die „Road to Mandalay“ ist eine Wasserstraße, ein Stück des 2170 Kilometer langen Irra-waddy. Auf dem Fluss werden die größten Schätze des südostasiatischen Landes transportiert: Edelsteine, Rubine, Jade und Silber, vor allem aber Gold.

Im Sommer siedeln Familien an den Ufern des Flusses. Sie suchen Edelmetalle, leben vom Handel und vom Fischfang. Erst in den Regenmonaten, wenn der Wasserstand des Irrawaddy wieder anschwillt, bauen sie ihre profanen Hütten ab und gehen zurück in ihr Heimatdorf. Die meisten leben vom Ackerbau oder von den zwei Dollar, die ein Goldschläger am Tag verdient.

Die Zahl der sakralen Bauwerke im Land scheint unendlich: Birma ist mit Pagoden gespickt wie kein anderes buddhistisches Land auf der Welt. Vier Millionen sollen es insgesamt sein. Für Gläubige bedeutet der Bau einer Pagode den Weg ins Nirwana, also den Ausbruch aus dem Kreis der Wiedergeburt. Der allerheiligste Bau ist die Shwedagon-Pagode: Die herausragende Glocke der majestätischen Kultstätte bedecken 60 Tonnen Gold. Die Pagode liegt am Theingottara-Hügel in der Stadt Rangun auf einer 60 000 Quadratmeter großen Plattform und gilt als Weltzentrum des Buddhismus. Gläubige laufen auf schwarz-weißen Marmorplatten im Uhrzeigersinn (Buddhisten gehen mit der Zeit) um die Pagode. Sie meditieren, versinken in ihren Gebeten oder legen an kleinen Tempeln Opfergaben nieder.

Viele kommen mehrmals am Tag hierher, häufig sind es Mönche: 500 000 leben in Birma. Mit ihren feuerroten oder safrangelben Gewändern und kahl rasierten Köpfen stechen sie aus der Masse hervor. In den frühen Morgenstunden ziehen sie von Haus zu Haus und sammeln Speisen für den Tag. Die 200 000 Nonnen, traditionell in zartrosafarbener Aufmachung und mit ebenso kahlen Häuptern, dürfen hingegen nur um Geld bitten – kochen müssen die Frauen selbst.

Vor etwa 2500 Jahren soll die Pagode, die das Stadtbild der vier Millionen Einwohner zählenden Metropole prägt, erbaut worden sein. Ursprünglich hatte sie nur einen Zweck: Hier sollten acht Haare des großen Meisters Buddha aufbewahrt werden. Eine Legende besagt, dass zwei Geschäftsleute aus Birma ihn in Indien trafen. Buddha saß unter einem Baum und hatte eine Erleuchtung. Die beiden Männer waren fasziniert und wollten seine Weisheiten mit in ihre Heimat nehmen. Als Beweis für das Treffen riss Buddha sich acht seiner Haare aus und gab sie ihnen. Der Geschichte nach liegen Buddhas Strähnen seither tief unter der Shwedagon-Pagode in einem Boot auf einem unterirdischen See.

Der Inle-See weit im Landesinnern ist hingegen überirdisch: Der Süßwassersee ist 22 Kilometer lang und etwa zehn Kilometer breit. Von ihm gehen zu 37 Dörfern Kanäle ab. Die heimischen Fischer, die Inthas, haben eine spezielle Rudertechnik entwickelt, um sich fortzubewegen. Mit einem Bein umklammern sie das Ruder, das sie in das Gewässer eintauchen, um das Boot voranzutreiben. Auf diese Weise haben die Einbeinruderer oder „Söhne des Sees“, wie Inthas auch genannt werden, die Hände frei: etwa fürs Fischen oder das Einfangen der Netze.

Mittlerweile sind rund um den Inle gut 100 000 Menschen zu Hause. Sie wohnen in Stelzendörfern, die nur über Wasserstraßen verbunden sind. Die Bewohner leben vom Fischfang, immerhin tummeln sich im See bis zu 20 Fischarten. Arbeitgeber sind hier aber auch kleine Zigarrenfabriken, Seidenwebereien und Manufakturen für Süßwaren.

Auch Mönche haben sich an dem See niedergelassen, leben etwa im Nga-Phe-Kyang-Kloster, auch bekannt als das Kloster der springenden Katzen. Die Klosterbrüder dressieren Dutzende Tiere und lassen sie auf Kommando durch Reifen springen. Wenn die Katzen pausieren, meditieren die Mönche in einer der Pagoden. Ihren eindrucksvollen Glanz verdanken die goldenen Kuppeln, die rund um den See funkeln, wiederum den Goldschlägern aus dem 700 Kilometer entfernten Mandalay.

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