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Island

„Der Vulkan hat immer das letzte Wort“

Von Sophie Hilgenstock

Mehr als Aschewolke und Finanzprobleme – Island bietet vor allem eine einzigartige Natur.
Geprägt von Vulkangestein: Der kärgliche Liebreiz der isländischen Landschaft begeistert auch Weitgereiste.

Geprägt von Vulkangestein: Der kärgliche Liebreiz der isländischen Landschaft begeistert auch Weitgereiste.

© iStockphoto.com/Zirafek

Reykjavík. Ein Sommer auf Island ist eine Reise ins Licht. 18 Stunden Helligkeit herrschen hier in dieser Zeit. Aber Island ist nicht nur hell, sondern vor allem schwarz. Schwarz wie Asche, schwarz wie Granit, wie kalte Lava oder auch Lakritz.

Island ist die größte Vulkaninsel der Erde, unübersehbar. Das Land ist eine zartbittere Schönheit: zerklüftete Lavawüsten vor samtigen Hügeln, schroffe Berghänge hinter dicht bewachsenen Lupinenfeldern. Und immer wieder sehen wir Vulkanasche: im Flussbett, am Straßenrand, am Strand.

Mal schlimmer, mal weniger schlimm

Unter jedem Berg Islands schlummert ein Vulkan, theoretisch gibt es also Tausende. Wirklich aktiv sind derzeit aber „nur“ 31. Durchschnittlich alle vier Jahre bricht einer von ihnen aus – mal schlimmer, mal weniger schlimm. „Der da drüben, Katla, ist jetzt wieder reif“, sagt Fremdenführer Smári Ríkardsson und zeigt auf eine Hügelkette in der Ferne. „Und daneben, Hekla, da rumpelt es auch schon.“ Jeden Tag könne es losgehen, sagt Ríkardsson.

Wie sehr das Leben der 310 000 Isländer von Vulkanen geprägt ist, erfährt man im Süden der Insel. Eine ehemalige Garage an der Nationalstraße 1, etwa zwei Stunden von Reykjavík entfernt, gilt seit Kurzem als Pilgerstätte für Vulkantouristen. Im Schatten des Eyjafjallajökull hat der Landwirt Ólafur Eggertsson ein Besucherzentrum errichtet, das mit einem Film, Schautafeln, Bildern und Souvenirs an den gewaltigen Vulkanausbruch im April 2010 erinnert, dessen Aschewolke europaweit zu Flugausfällen geführt hatte.

Eggertssons Farm liegt auf der anderen Straßenseite – sie ging damals in den Asche- und Wassermassen unter, die Familie musste für ein paar Tage evakuiert werden. Gut ein Jahr später erinnert wenig an den Ausbruch von E15 – so die einfache Variante des zungenbrecherischen Namens. Unterhalb von Eyjafjallajökull grasen Islandpferde, die Wiese ist saftig und die Gerste bald reif. „Zu viel Vulkanasche bedeutet Chaos, wohldosiert ist sie jedoch bester Dünger“, erklärt Eggertsson. Eines habe allerdings er im Leben mit E15 gelernt: „Der Vulkan hat immer das letzte Wort.“

Den Kontrast von Feuer und Eis erleben wir auf dem Gletscher Sólheimajökull. Am Ende einer holprigen Schotterpiste angekommen, sorgt sein Anblick für eine Überraschung: Der Gletscher ist nicht – wie üblich – schneeweiß, sondern nahezu pechschwarz: „Im Eis sind Reste von uralten Vulkanausbrüchen“, erklärt Gletscherexperte Àsgeir Stefànsson, während wir die kalte, schwarze Masse erklimmen. Sólheimajökull ist eine acht Kilometer lange Zunge des größeren Gletschers Mýrdalsjökull, unter dem der Vulkan Katla schläft – meistens zumindest. 1918 sei Katla mal aufgewacht, davor 1860, 1823 und 1755, und habe naturgemäß viel Asche versprüht, so der Gletscherexperte.

Elf Prozent Islands sind von Gletschern bedeckt. Auf dem Vatnajökull, dem größten Europas, wurden erfolgreiche Kinofilme wie „Batman Begins“ oder James Bonds „Stirb an einem anderen Tag“ gedreht. Eine Besonderheit sind die isländischen Gletscher aber soundso: „Sie sind wärmer als etwa in Grönland, sie rutschen weg, sie wandern“, sagt Stefànsson. Das schwarze Eis, auf dem wir uns bewegen, ist 200 Jahre alt, bis zu 200 Meter dick und macht einen stabilen Eindruck. Als wir den Rückweg antreten, müssen wir jedoch eine andere Route nehmen – die alte ist teilweise weggeschmolzen. „Ich sage ja, der Gletscher lebt“, ruft Stefànsson.

Lebendig ist es auch einige Kilometer weiter südwestlich im Geysirgebiet von Haukadalur. Vier bis fünf heiße Quelle liegen hier, unter anderem der Große Geysir, Namensgeber einer ganzen Art. Früher spritzte seine Fontäne 70 bis 80 Meter hoch, aber inzwischen lässt er nur noch höchst selten seinen Dampf ab. Dafür ist sein Nachbar, Strokkur, heute überaus rege: Alle sechs Minuten schießt seine Wassersäule in gut 30 Meter Höhe und verschwindet blitzschnell wieder im Boden. Dutzende Touristen stehen im Schwefelnebel um das kochend heiße Loch herum, in angespannter Stille, die Kameras gezückt, bereit für den perfekten Schuss.

Reykjavík – Zentrum der Insel

Nicht weit dieses Naturschauspiels liegt der wohl bekannteste Ort der Insel: die Hauptstadt Reykjavík. Die 120.000-Einwohner-Stadt ist das Zentrum der Insel – zwar nicht geografisch, dafür aber kulturell. Hier gibt es kuriose Museen, hübsche Holzhäuser, schmucke Boutiquen und ein niedliches Gefängnis.

Vom Hafen aus lässt sich in die Bucht hinausfahren, um Papageientaucher, Schweins- und Zwergwale zu beobachten. Letztere sind in Island zum Fang freigegeben und landen regelmäßig auf dem Teller, genauso wie ein weiteres Nationaltier, das Islandpferd, von dem es 130.000 Stück auf der Insel gibt.

Seit Mai rühmt sich die nördlichste Hauptstadt der Welt auch eines modernen Konzerthauses mit gut 3000 Sitzplätzen, an dem sich die Hamburger Elbphilharmonie ein Beispiel nehmen könnte. Die „Harpa“ mit ihrer spektakulären Glasfassade vom Künstler Olafur Eliasson ist Reykjavíks neue Attraktion und hat nur bescheidene 106 Millionen Euro gekostet. Wem nach so viel Natur und Kultur irgendwann der Sinn nach Feiern steht, ist in der isländischen Hauptstadt genau richtig. Reykjavík sei berühmt für sein Nachtleben, weiß Fremdenführer Smári Ríkardsson. Auch im Hellen.

Anreise
Per Flugzeug unter anderem mit Air Berlin ab zum Beispiel Hamburg und Berlin nach Reykjavík-Keflavik. Die Strecken werden jedoch nur im Sommer bedient.

Kosten
Eines der teuersten Reiseländer der Welt war durch die Finanzkrise Ende 2008 zum Schnäppchen geworden. Das hat sich mittlerweile aber wieder geändert: Die Preise sind zwar noch nicht auf dem alten hohen Niveau, der Krisentourismus aber ist vorbei. Vor allem, wer ein Auto mieten will, muss mit voller Urlaubskasse kalkulieren.

Weitere Informationen
Visit Iceland, David Johansson, Rauchstraße 1, 10787 Berlin,
Tel. (030) 50 50 42 00.
www.visiticeland.com

Sophie Hilgenstock

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