Schwarzwaldbahn
Sie ist schön, kurvenreich und geizt nicht mit ihren Reizen. 250 Kilometer lang ist die Schienenstrecke der Schwarzwaldbahn von Karlsruhe bis Konstanz, bietet drei Stunden spektakuläre Aussichten und immer wieder Gelegenheit, die Fahrt zu unterbrechen: Bitte nehmen Sie Platz für eine Romantiktour mit Europas schönster Mittelgebirgsbahn an den Bodensee.
Zwar gibt es die Schwarzwaldbahn schon seit 135 Jahren, Panoramawagen rollen aber erst seit 2008 durch die 39 Tunnel. Im Stundentakt geht es durch Berg und Tal. Reisende, die ihre Tour am Wochenende beginnen, sollten früh zeitig zusteigen. Wenn die Sonne über die sanften Hügel des Badnerlands blinzelt, sind noch viele Plätze frei und die Fahrt im Lichtspiel des Morgens ist zum Hals verrenken schön. Dunkle Bergkämme kratzen am blauen Himmel, sattgrüne Täler breiten sich wie in Bilderbüchern vor dem Fenster aus, rauschende Wildbäche fliegen vorbei und stattliche Schwarzwaldhöfe zeigen ihre blumengeschmückten Balkons.
Ein erster Stopp – vielleicht in Hausach? Gleich gegenüber dem Bahnhof schnurrt dem Reisenden in einem umgebauten Supermarkt der Schwarzwaldexpress im Maßstab 1:87 entgegen. Auf 400 Quadratmetern hat Thomas Panzer die Landschaft und Originalstrecke der Schwarzwaldbahn nachgebaut. Europas größte Modellanlage nach realem Vorbild gestattet einen Blick auf ständig rund 40 fahrende Minizüge. „Hinter Hausach beginnt mit einem 40 Kilometer langen und 564 Meter hohen Aufstieg bis St. Georgen die eigentliche Kletterpartie der Bahn“, erklärt Panzer.
Und warum so viele Tunnel? Der Hobby-Eisenbahner lacht und erklärt: „Dafür gibt es weniger Brücken. Die Schwarzwaldbahn windet sich oft an Hängen entlang und klebt regelrecht am Berg. Darum konnten die Ingenieure 1873 auf Brücken verzichten.“ So hätten sie nicht nur die widerspenstige Landschaft des Schwarzwaldes überlistet, sondern schützten die Waggons auch vor Steinschlag und Lawinen.
Bis zum „Schwäbischen Meer“
Bevor es die Bahnlinie gab, seien die kleinen, versteckten Dörfer nur mit Kutschen und Pferdewagen erreichbar gewesen. So wie das Bauernörtchen Gutach. Heute können dort Besucher auf dem Vogtsbauernhof den harten Schwarzwaldalltag vor 400 Jahren nachvollziehen. Ein Bus bringt Ausflügler in 15 Minuten vom Bahnhof Hausach zu den imposanten Höfen des Freilichtmuseums.
„Hornberg“ zeigt der Monitor im Abteil an, als die Bahn hoch über den Hausdächern der Stadt über das einzige Viadukt zwei ausladenden Kehrschleifen entgegenfährt. Der Zug fährt Ringelreihen, was eben noch vorne war, ist jetzt hinten. In St. Georgen erreichen Fahrgäste 805 Meter über dem Meeresspiegel den Scheitelpunkt ihrer Reise. Ab hier geht es wieder abwärts – schnurstracks an den Bodensee oder bis zu einem anderen Tour-Höhepunkt, der „Engen“ heißt.
Die denkmalgeschützte Altstadt des museal anmutenden Städtchens mit seinen buckligen Gassen, beschaulichen Plätzen und schiefen bunten Häusern ist eines der schönsten und besterhaltenen Stadtensembles in Süddeutschland.
Zug um Zug nähert sich die Bahn jetzt ihrem Ziel. Endstation Konstanz. Der Bodensee, das „Schwäbische Meer“, glitzert und funkelt in der Mittagssonne, Schiffe nehmen Kurs auf Meersburg, Lindau und die Insel Mainau. Um der ehemaligen Bischofs- und Reichsstadt auf ihre mittelalterlichen Spuren zu kommen, nehmen regelmäßig ein „Mönch“ und die „Hure“ Imperia Besucher mit auf einen Stadtrundgang. Aus berufenem Ketzermund und mit Bänkelgesängen erfahren Gäste anrüchige Geschichten und Skurriles aus längst vergangener Zeit.
Manfred Lädtke