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Kroatien

So schmeckt Istrien


Geschmackvolles Istrien – die kroatische Halbinsel sucht ihren Weg zwischen Tradition und Moderne.
Nicht nur wegen seiner historischen Städte wie Rovinj ist Istrien eine beliebte Urlaubsregion Kroatiens – auch Gourmets kommen auf ihre Kosten.

Nicht nur wegen seiner historischen Städte wie Rovinj ist Istrien eine beliebte Urlaubsregion Kroatiens – auch Gourmets kommen auf ihre Kosten.

© Haslinger

Die Fischer von Rovinj haben ihre Schutzpatronin auch bei schwerer See gut im Blick – und umgekehrt die Schutzheilige die Fischer: Ganz oben auf der Spitze des Glockenturms hält die kupferne Euphemia Ausschau. Unten in der Kathedrale ruhen die Gebeine der Märtyrerin in ihrem steinernen Sarkophag.

Während der Christenverfolgung Anfang des 4. Jahrhunderts gab Euphemia ihr Leben in einer römischen Löwenarena, heute behütet sie Istriens wohl schönste Stadt auf dem vom Meer umspülten Hügel. Die Euphemia zu Ehren erbaute Kathedrale ganz oben auf dem Berg ist von weit weg gut auszumachen – sogar von der neuen Autobahn, die die kroatische Halbinsel vom Norden bis Pula an der Südspitze durchkreuzt.

Euphemias Campanile sieht nicht zufällig so venezianisch aus: Tatsächlich gehörte Istrien in seiner wechselvollen Geschichte über Jahrhunderte zur Dogen-Republik. Aus den Steinbrüchen der Halbinsel wurden auch die Quader für die Palazzi in der Lagunenstadt herausgebrochen. Über den verbliebenen Stadttoren Rovinjs prangt noch immer der venezianische Löwe.

Später geriet Istrien unter die Herrschaft der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie, von Italien und schließlich von Titos Jugoslawien. Istrien blickt auf viele historische Zäsuren zurück. Die nächste dürfte anstehen, wenn Beitrittskandidat Kroatien Aufnahme in der Europäischen Union findet. Istriens Tourismus bereitet sich bereits darauf vor. Es gilt, anspruchsvollen Wünschen von Gästen zu genügen, ohne dabei die Eigenständigkeit aufzugeben.

Man will es besser machen als manch anderer Mittelmeer-Anrainer. Das fängt schon beim Fischfang an. Wen man auch fragt in den Häfen von Novigrad, Porec oder Rovinj, jeder beteuert, dass noch viel leckeres Meeresgetier im Wasser schwimme. Tatsächlich gibt es in Rovinj bis heute eine Fischfabrik, die auch von Touristen besichtigt werden kann.

„Bei uns gibt’s nur lokalen Fang“

Gastwirte, die auf sich halten, bestellen bei Fischern ihres Vertrauens: „Bei uns gibt’s nur lokalen Fang“, sagt Tjitske Dekic vom Restaurant Monte in Rovinj. Mit Schrimps, Makrelen, Thunfisch oder Meeresspinnen zaubern sie und ihr Mann Danijel ihre Menüs. Verirrt sich doch mal eine ortsfremde Kabeljau-Creme auf dem Teller, dann deshalb, weil Danijel in der Küche in seiner Kreativität kaum zu stoppen ist. Drei Kochmützen hat der österreichische Restaurantführer Gault Millau dem Restaurant knapp unterhalb der Kathedrale in diesem Jahr verliehen.

Kulinarisch hat die Halbinsel einiges zu bieten, auch überraschende Begegnungen: Im Fischrestaurant von Sergio Jugovac in Novigrad taucht plötzlich ein Dealer am Nachbartisch auf. Jedenfalls sieht der Mann so aus, wie man sich einen Dealer vorstellt, ein bisschen hektisch und heimlichtuerisch. Er greift sich in die Jackentasche und holt ein Taschentuch heraus. Darin eingewickelt sind zwei Handvoll aromatische Knollen. Der Mann ist ein Trüffelsucher und hier mit einem Kunden verabredet. In Minutenschnelle geht der Handel über die Bühne, schon kann man sich wieder dem eigenen Essen zuwenden: Die Seezunge, gefangen sozusagen vor der Haustür, wird gerade serviert.

Seit dem politischen Umbruch Ende der achtziger Jahre hat Istrien auch seine Landwirtschaft wiederentdeckt – notgedrungen: Das Personal in den einst staatsbetriebenen Hotels suchte dringend neue Beschäftigung und fand sie im Oliven- und Weinbau. Die ehrgeizigen kroatischen Winzer haben inzwischen ausgesuchte Spezialitäten im Angebot. Marino Markežic etwa lässt auf seinem Gut Kabola Wein in Amphoren gären, wie es schon vor Tausenden Jahren im Mittelmeerraum üblich war.

So steht man auf dem Weingut Kabola, hält ein Glas kühlen, weißen Malvasier in der Hand und blickt über das frische Grün hinunter zur Küste. Hier im Hinterland ist von touristischem Trubel nichts zu spüren. 7000 Betten stehen für müde Wanderer auf dem Lande bereit. Auch Fahrradfahrer sind willkommen, demnächst auf einer besonders schönen Strecke: Die Trasse der ehemaligen K.-u.-k.- Schmalspurbahn „Parenzana“, auf der einst Istriens Olivenöl für den Wiener Kaiserhof bis nach Triest gebracht wurde, soll zum Radweg ausgebaut werden. Noch muss sich aufs Mountainbike schwingen, wer etwa die Etappe hinauf zum Künstlerdorf Grožnjan bewältigen will.

Auch der Bauboom an den Küsten, wo mancher Hotelklotz aus sozialistischen Zeiten notdürftig aufgehübscht wurde, soll gestoppt werden. Mindestens einen Kilometer Abstand müssen Neubauten zum Wasser künftig wahren. Privatstrände sind gar nicht erlaubt.

Ob Istrien der Übergang zum sanften Tourismus gelingt, wenn gleichzeitig Zigtausende von Campern im Sommer über die Küste hereinbrechen? Noch gibt es viele Orte, deren Ursprünglichkeit unantastbar scheint. Einer davon ist die Konoba Astarea im Dorf Brtonigla im Norden. Dort steht Nino Kernjus schwitzend am offenen Holzfeuer. Mit einem Metallhaken schiebt er heiße Glut über einer metallenen Haube. Darunter gart ein fünf Kilo schwerer Wolfsbarsch zusammen mit Kartoffeln und Gemüse. So haben schon Kernjus’ Vorfahren ihre Speisen zubereitet – bis hin zum Apfelstrudel als Dessert. Und so schmeckt Istrien bis heute.

Stefan Stosch

Anreise
Beispielsweise mit Lufthansa über München nach Triest und dann eine gute Stunde weiter mit dem Auto.

Weitere Informationen
Tourismusverband der Region Istrien, HR-52440 Porec, Pionirska 1.
www.istra.hr/de

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