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„Unser Kreuz hat keine Haken“

Protest gegen rechtes Gedankengut „Unser Kreuz hat keine Haken“

Transparente, Schilder und fröhliche Gespräche – Friedensgottesdienst sowie Stadtrundgang des Bündnisses „Vielfalt statt Einfalt Adelebsen“ haben über 80 Bürger aus Adelebsen und den Nachbarortschaften, aber auch aus Duderstadt, zusammengebracht. Sie zeigten Kante gegen Rechts.

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Quelle: Peter Heller

Adelebsen. „Wie wollen keine Rechten in Adelebsen“, sagt Holger Frase, Bürgermeister des Fleckens Adelebsen, deutlich. Bisher habe man mit den vergangenen Gegendemonstration gegen den als rechts geltenden „Freundeskreis Thüringen/Niedersachsen“ immer reagiert – auf dessen Kundgebungen und sogenannte Mahnwachen.

Mit der ersten eigenen Demonstration wolle man nun ein Zeichen setzen, so Frase. Angesichts der Urlaubszeit fiel die Beteiligung jedoch schwächer aus als bei den früheren Demos, zu denen jeweils über 150 Teilnehmer kamen. Dennoch war die Stimmung gut. Ein zweites Mal Nationalsozialismus zu verhindern, sei ihre Motivation, bei allen Demonstrationen im Ort mitzumachen, sagt eine Adelebsenerin. „Das muss man schon in den Anfängen kleinhalten.“

„Unser Kreuz hat keine Haken“ stand auf einem Transparent mit dem Motto einer Initiative der evangelischen Landeskirche, „Menschenrechte statt rechte Menschen“ und „Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt“ war auf Schildern zu lesen, während die Demonstranten von der St. Martini Kirche zum Rathaus zogen. Dort ging es bei Musik und Gegrilltem gemütlich weiter. Auch zwei syrische Flüchtlinge nahmen teil; sie hätten in Deutschland noch keine Negativerfahrungen mit gegen sie gerichteter Gewalt gemacht, stattdessen aber viel Hilfe erfahren.

Auffällig allerdings war, dass kaum Jugendliche erschienen waren, sondern eher ein „gesetzterer“ Teilnehmerkreis Flagge zeigte. Bei einigen Jugendlichen im Ort sei festzustellen, dass die Werbung des „Freundeskreises“ hängen bleibt, sagt Michael von Minden, der sich im Bündnis engagiert. „Es ist ein Merkmal der Mitglieder des „Freundeskreises“, dass sie ruhig und brav auftreten und sagen, dass sie Deutschland erhalten wollen. Das verfängt ein Stück weit.“ Daher werde das Bündnis zukünftig auch auf Infoveranstaltungen tiefergehend die Geschichte der Rechtsbewegung und ihrer Verbrechen darstellen, um zu veranschaulichen, dass der „Freundeskreis“ sich zwar harmlos darstelle, aber das Gedankengut nicht harmlos sei.

Dass Frieden und Mitmenschlichkeit bewusste Akte sind, verdeutlichte der Barteroder Pastor Wolfgang Loos während des Gottesdienstes, indem er die Anwesenden aufforderte, dem Nachbarn mit den Worten „Friede sei mit dir“ die Hand zu geben. „Wir spüren, das sind wertvolle Augenblicke, Worte, die uns nahe gehen“, so Loos.

Trotz der Unruhe, die der „Freundeskreis“ nach Adelebsen gebracht hat, hat er aber auch neue Freundschaften entstehen lassen sowie Gruppen und Vereine aus dem Ort näher zusammengebracht und Bürger mobilisiert. Am Sonntag, 17. Juli, ist deren nächste Aktion gegen Rechts geplant, ein „bunter Nachmittag“.

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