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„Wir werden immer wachsam sein müssen“

Zweites Frühlingsfest in Güntersen „Wir werden immer wachsam sein müssen“

Rund 350 Menschen sind am Sonntag zum zweiten Frühlingsfest gegen Rechts nach Güntersen gekommen. Den Auftakt bildete ein interreligiöser Gottesdienst in der St.-Martini-Kirche. Anschließend gab es ein interkulturelles Buffet im Gasthaus Kesten – begleitet von der Klezmer-Band „KlezPO“.

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Gruppenbild v.l.: Wigbert Schwarze, Wolfgang Loos, Jacqueline Jürgenliemk, Klaus-Achim Sürmann, Fatih Samasti, Mustafa Keskin, Friedrich Selter

Quelle: sg

Güntersen. Die St.-Martini-Kirche in Güntersen war voll besetzt: Pastor Wolfgang Loos schätzte, dass etwa 250 Menschen, hauptsächlich aus Güntersen, beim zweiten interreligiösen Gottesdienst anwesend waren. 2015 wurde der Ort dadurch bekannt, dass er sich geschlossen gegen einen Aufmarsch von Rechtsextremisten zum Gedenken an Horst Wessel wehrte. Statt einer Gegendemonstration gab es ein buntes Frühlingsfest mit vielfältigen Aktionen und großem Einzugsbereich.

„Im Vergleich zum letzten Jahr hat die Veranstaltung einen ganz anderen Charakter“, betont Ortsbürgermeister Norbert Hasselmann. „2015 hatten wir eine ernsthafte Bedrohungssituation, der wir etwas entgegensetzen mussten. Dieses Jahr stehen der Erinnerungscharakter im Vordergrund sowie eine Antwort auf die aktuelle Bedrohung von Flüchtlingen durch Rechtsextreme.“

Einen großen Anteil am Zeichen gegen Rechts hatten die unterschiedlichen religiösen Gemeinden aus Göttingen: Vertreter von Jüdischer Gemeinde, Türkisch-Islamischer Ditib-Gemeinde, Katholischer Pfarrgemeinde St. Godehard sowie dem Evangelisch-lutherischen Kirchenkreis sprachen gemeinsam in der Güntersener Kirche. Die Attacken auf Neuankömmlinge „stehen niemandem zu, sie entspringen einer egoistischen Grundhaltung und sind zutiefst unwürdig“, hieß es.

„Dieser Gottesdienst ist wichtig und in seiner Bedeutung einmalig. Das können wir stolz sagen“, betonte Dechant Wigbert Schwarze von der Katholischen Pfarrgemeinde St. Godehard. Und das nicht nur als Signal nach außen: Superintendent Friedrich Selter machte deutlich, dass man Verständnis für die anderen Religionen erfahre, indem man gemeinsam handele – und nicht am runden Tisch. „Wichtig ist nicht so sehr der Ort, wo man das Gebet spricht, sondern an wen man das Gebet richtet. Das ist Gott, der uns alle verbindet“, so Mustafa Keskin von der Ditib-Gemeinde.

Um die Hells Angels und Rechtsextremisten sei es in Güntersen zwar ruhig geworden, doch habe es immer wieder kleinere Versuche eines Rechtsextremen gegeben, das Dorf in Aufregung zu versetzen, berichtete Hasselmann. „Wir werden immer wachsam sein müssen, sind aber gelassen.“ Das ist auch Pastor Wolfgang Loos bewusst, der erst nach dem Frühlingsfest im Mai 2015 nach Güntersen kam: „Ich bin stolz, in einer Gemeinde sein zu können, die solche Zeichen setzt.“

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