Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 4 ° wolkig

Navigation:
Technisch bleibt alles offen

Ärger über ausweichende Antworten Technisch bleibt alles offen

Wie schwer sich Volkswagen tut, im Abgasskandal mit seinen Kunden umzugehen, zeigt ein Fall in Bovenden. Seit Oktober wartet der Besitzer eines VW Tiguan auf verlässliche Angaben darüber, ob der Wagen nach der notwendigen Umrüstung die beim Kauf zugesicherten Eigenschaften behält.

Voriger Artikel
Drei doppelte Espresso bitte
Nächster Artikel
Frühjahrsputz in der Feldmark
Quelle: dpa (Symbolbild)

Bovenden/Wolfsburg. Anfang September vergangenen Jahres hatte der Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, den Tiguan als Neuwagen gekauft. Fünf Wochen später informierte ihn VW, dass der darin eingebaute Dieselmotor vom Typ EA 189 „von einer Software betroffen ist, die Stickoxidwerte im Prüfstandlauf optimiert“ und kündigte „notwendige Maßnahmen“ an.

Der VW-Kunde wandte sich an die VW-Kundenbetreuung und bat um Auskunft darüber, „ob mir alle beim Kauf zugesicherten Daten (z.B. technische Daten, Leistung, Drehmoment, Schadstoffklasse, Benzinverbrauch, Motorhaltbarkeit usw.) nach der technischen Änderung durch VW erhalten bleiben“.

Bis zur Antwort dauerte es bis zur zweiten Januarwoche. Die enthielt nur die Absichtserklärung, es sei „unser Ziel, dass die Maßnahmen (die Nachrüstung – Red.) keinen nachhaltigen Einfluss auf Verbrauch und Fahrleistung haben werden“.

Der Bovender VW-Besitzer fasste nach. Doch in der Antwort von VW gab es wieder keine Antwort – stattdessen nur die Ankündigung, die ersten Fahrzeuge würden „ab Januar auf den erforderlichen technischen Stand gebracht“. Dabei handelte es sich allerdings um den Pritschenwagen Amarok, nicht um den Tiguan.

Nach den für ihn enttäuschenden Antworten von VW wandte sich der Tiguan-Fahrer an das Kraftfahrtbundesamt. Das aber bestätigte nur den groben Fahrplan für die Nachrüstung der einzelnen Motortypen. Antwort auf die Kernfrage, ob die technischen Eigenschaften seines Autos danach erhalten blieben, bekam er hier wieder nicht.

Auch gegenüber dem Tageblatt hält sich Volkswagen bedeckt: „Es ist unser Ziel“, heißt es in der Antwort der VW-Pressestelle, „durch die Umsetzung der technische Maßnahmen in den Fahrzeuge weder die Verbrauchswerte, die Leistungsdaten noch die CO2- oder Geräuschemissionen zu verändern. Für den Amarok, das erste Fahrzeug mit dem wir gestartet sind, hat uns das KBA dies bestätigt.“

Aus diesen vagen Auskünften zieht der Bovender Tiguan-Besitzer jetzt Konsequenzen: Kurz vor der Umrüstung wird er seinen Wagen auf einen Leistungsprüfstand stellen – und kurz danach auch.

Kommentar: Warten auf den Prüfstand

Beruhigend ist das Auskunftsverhalten von Volkswagen gegenüber seinen Kunden nicht gerade. Diese Antworten legen den Schluss nahe, dass VW selbst nicht weiß, wie sich die Nachrüstung auf Leistung, Verbrauch, Schadstoffausstoß und andere technische Daten auswirkt.

Solche Daten aber waren bei vielen Kunden zumindest mit ausschlaggebend für den Kauf. Und außerdem stellt sich die Frage, wie es sein kann, dass VW die betroffenen Motoren über Jahre erst aufwändig entwickelt, um dann festzustellen, dass sich die geforderten technischen Daten nur mit Schummel-Software erreichen lassen, nach dem Auffliegen der Trickserei aber in wenigen Wochen eine Lösung präsentieren kann, die auf einer veränderten Software und einem Plastikstück im Ansaugtrakt besteht.

Vielleicht wird erst der Leistungsprüfstand nach der Umrüstung die vielen offenen Fragen beantworten können.

Von Matthias Heinzel

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Streit um Boni
Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) im Landtag in Hannover.

Das Land Niedersachsen als wichtiger VW-Anteilseigner stellt sich demonstrativ hinter Arbeitnehmervertretung und VW-Spitze. Bei den überschwänglichen Worten der Landesregierung lässt aber die knappe, sperrige Würdigung der Arbeit von Markenvorstand Diess aufhorchen.

mehr
Weihnachtsdeko in Göttingen und Umgebung