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Bovender Ortsteile: Spanbeck bis 2000 Anlaufstelle für Pferdezüchter

Serie Bovender Ortsteile: Spanbeck bis 2000 Anlaufstelle für Pferdezüchter

Rund 14 350 Menschen leben im Flecken Bovenden. Die 1000-jährige Burg Plesse ist das Wahrzeichen der Gemeinde. Wie lebt es sich in den acht Bovender Ortsteilen, und was zeichnet sie aus? Heute: Spanbeck, der Ort im Grünen.

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Klaus-Dieter Stümpel, Margitta Kolle und Jürgen Becker am Thie.

Quelle: Hinzmann

Spanbeck. So klein es mit 334 Einwohnern auch ist: Spanbeck genießt überregionalen Ruhm. Zumindest in Pferdezüchterkreisen ist der Ortsteil gut bekannt. Wurden doch bis zum Jahr 2000 Hannoveraner- und Kaltblutstuten dort beschält. „Die Deckstation für Hengste aus dem Landesgestüt Celle war gleich nebenan“, sagt Ortsbürgermeister Klaus-Dieter Stümpel (SPD) und deutet vom Thie aus auf die ehemalige Gaststätte Müller, die 1980 geschlossen wurde. Poststelle und Deckstation waren dort noch lange Jahre untergebracht. Vor allem letztgenannte Funktion führte zu einem stetigen Besucherstrom, „die Straßen waren immer vollgeparkt“, erinnert sich Ortsheimatpfleger Jürgen Becker.

 
Die Zeiten der vielen auswärtigen Besucher sind vorbei. Und auch der Landwirtschaft, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts ortsbildprägend war. Gab es zwischen 1920 und 1960 30 Vollerwerbs- und 15 Nebenwerwerbs-Bauernhöfe, seien es heute nur noch ein Nebenerwerbs- und ein Hobby-Landwirt, sagt Becker. Außerdem gebe es nur einen Imker, Raumausstatter und Dekorateur als letzte Gewerbetreibende in einem Ort, der bis in die 1960er-Jahre hinein zahlreiche Handwerker und kleine Betriebe beherbergt hatte. Heute wird Spanbeck von fahrenden Händlern und dem Voksbank-Bus angefahren.

 
Dennoch läuft das Dorf nicht Gefahr, zu überaltern. Abgerissene Scheunen bescherten dem Ort Baulücken, die sich schnell wieder schlossen. Leerstände in älteren Häusern gibt es laut Stümpel nicht. Das Baugebiet „Hinter den Höfen“ sei zu drei Vierteln belegt. Ein privates Projekt mit 29 Bauplätzen allerdings vermarkte sich „eher schleppend“, sagt der Ortsbürgermeister.

 
Was schätzen Spanbecker an ihrem Dorf? „Die Ruhe“, sagt Becker – zu verdanken „den Altvorderen“, die sich 1860 aus Furcht vor Plünderungen der Franzosen dagegen entschieden hätten, dass die Hauptverbindungsstraße Nörten-Ebergötzen durch den Ort gebaut wurde. Die vielen Angebote der aktiven Vereine – darunter TSV, Boßelteam, SG Spanbeck/Billingshausen und die Dorfinitiative „Gemeinsam für Spanbeck“ – sowie die Anbindung an den Kernort Bovenden durch das Anruflinientaxi (ALT), „es wäre schön, wenn das mehr Leute nutzen würden“, betont Stümpel. Wünsche an den Flecken Bovenden hat der Ortsbürgermeister wenige, „die Kooperation mit der Verwaltung und den Gremien ist gut“. Becker allerdings fällt ein konkreter Bedarf ein, „ein neues Feuerwehrauto, das alte stammt von 1988“.

 

Gemeinsam für Spanbeck

 

Was gefällt Spanbeckern an ihrem Wohnort? „Die tolle Dorfgemeinschaft“, sagt Margitta Kolle, seit 52 Jahren – ihr Lebensalter – Spanbeckerin, seit einem Jahr Dorfmoderatorin und Vorsitzende des Vereins „Gemeinsam für Spanbeck“. Diese Gemeinschaft wollen die Vereinsmitglieder fördern, unterschiedliche Projekte für das Dorf entwickeln und viele Menschen darin einbinden.

 
Begonnen hat die Initiative nach ersten Aktivitäten im Jahr der 725-Jahr-Feier vor sechs Jahren im Jahr 2010 mit dem ersten Winterwald, einem Treffpunkt an vier Wochenenden kurz vor Weihnachten, der jährlich viele Menschen auch aus umliegenden Orten in den Bovender Ortsteil lockt. Die Überschüsse fließen in dörfliche Projekte. Im Zuge der erfolgreichen Teilnahme an dem Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ wurde schließlich ein Trägerverein gegründet. Fest installiert ist seitdem auch ein Bürgertreff, der an jedem letzten Freitag im Monat stattfindet.

 
„Wir müssen selbst aktiv werden, damit etwas passiert“, sagt Kolle. Geht es nach den Vereinsmitgliedern, soll in Spanbeck noch eine Menge passieren: Filmabende, Bücherzelle, Lesezirkel und Kulturangebote sind in Planung.

 

Vor 731 Jahren „Spadenbeke“
Als „Spadenbeke“ wurde Spanbeck im Jahr 1284 erstmals erwähnt – in einer Urkunde über den Verkauf der Güter Helmolds von Plesse an Gottschalk von Plesse. 1571 stirbt der letzte Edelherr zu Plesse, das Lehen erlischt, und Spanbeck fällt an Hessen. Es existieren 27 Häuser im Ort und etwa 135 Einwohner. Den ersten Schulunterricht gibt es ab 1655, der erste Lehrer wird Heinrich Kolle. 1726 werden in Spanbeck 40 Häuser und 210 Einwohner registriert. Nach einige Jahren Zugehörigkeit zum Königreich Westfalen (Napoleon) wird Spanbeck dem Königreich Hannover zugeschlagen. 1866 wird es nach dem Sieg Preußens über Hannover bei Langensalza preußisch. 1874 werden 73 Häuser und 356 Einwohner gezählt. Bis 1900 war der Ort Wohnsitz der Scharfrichter des Amtes Bovenden. Und verfügte um 1928 herum sogar über ein Freibad – erbaut in der Wechselwiese.
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