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Bovender SPD feiert 125-jähriges Bestehen

Sigmar Gabriel beim Festakt Bovender SPD feiert 125-jähriges Bestehen

„Seit vielen Jahren ist der Ortsverein aktiv an der Gestaltung der Gemeinde beteiligt.“ So heißt es zumindest auf der Internetseite des SPD-Ortsvereins Bovenden. „Viele Jahre“ dürfte aber wohl einer leichten Untertreibung nahekommen: Am Freitag, 30. Oktober, feiert der Ortsverein sein 125-jähriges Bestehen.

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Hoher besuch: Sigmar Gabriel beim Festakt zum 125-jähriges Bestehen der SPD Bovenden.

Quelle: dpa

Bovenden. Im Herbst 1890 gründeten Bovender den SPD-Wahlverein, den Vorläufer der heutigen Parteiorganisation, im Ort.

Die Gründung des Wahlvereins markierte dabei aber nicht den Ursprung der Arbeiterbewegung in Göttingen. Bereits 1882 wurde der Arbeitergesangsverein „Troubadour“ gegründet — eine Tarnung für die Symphatisanten der Sozialdemokratie.

Notwendig waren solche Tarnorganisationen, weil 1871 das sogenannte Sozialistengesetz im Deutschen Reich erlassen wurde. Das von Reichskanzler Otto von Bismarck initiierte Gesetz wandte sich „gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie“, wie es im offiziellen Titel des Gesetzes hieß. Durch das Gesetz wurden Versammlungen der Sozialistischen Arbeiterpartei, die 1890 in SPD umbenannt wurde, sowie sozialdemokratische Zeitungen, aber auch Gewerkschaften verboten.

Der immer stärker werdenden Arbeiterbewegung sollte der Wind aus den Segeln genommen werden — ohne Erfolg. Die Sozialdemokraten organisierten sich in Untergrund und Exil und erreichten bei der Reichstagswahl 1893, der ersten Wahl nachdem das Sozialistengesetz wieder abgeschafft worden war, aus dem Stand 23,3 Prozent der Stimmen und wurden damit stärkste Fraktion im Reichstag.

Eisenwalzwerk, 1872–1875

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Der SPD-Wahlverein in Bovenden, in dem sich vor allem Arbeiter aus der Zigarrenfabrik Löwenthal organisierten, hatte da bereits die Arbeit aufgenommen. Die Tarnvereine, neben dem Gesangsverein organisierten sich die Arbeiter auch in Turn- und Radfahrvereinen, wurden währenddessen der „unpolitische Arm“ der noch jungen Parteiorganisation.

In der Folgezeit traten viele neue Mitglieder der Partei bei, es entstanden neue Untergruppen. So wurde 1920 die Arbeiterjugend gegründet, 1924 eine Ortsgruppe des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, das sich zu Zeiten der Weimarer Republik gegen rechte und nationalistische Kampfbünde wie SA und Stahlhelm stellte.

Die SPD, die während des Nationalsozialismus verboten war, blieb nach dem Zweiten Weltkrieg in Bovenden zunächst politisch erfolglos. Erst in den 60er-Jahren gelang es, mit Herbert Wohlfahrt erstmals den Bürgermeister zu stellen.
Seitdem prägte die SPD Bovenden kommunalpolitisch.

Bei dem Festakt am Freitag wolle man aber vor allem in die Vergangenheit blicken, sagt Ortsvereinsvorsitzender Jörg Ahlborn. „Wir wollen hier nicht die aktuelle Situation der SPD diskutieren.“

Die Möglichkeit dazu hätten die Bovender Genossen aber: Der Parteivorsitzende Sigmar Gabriel persönlich hat sich für den Festakt angekündigt — 125-Jahr-Feiern sind eben selbst in der bewegten Geschichte der Sozialdemokratie etwas Besonderes.

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