Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Grundsatzfrage: Weiches Wasser ja oder nein?

Möglichkeiten der Trinkwasserenthärtung Grundsatzfrage: Weiches Wasser ja oder nein?

Vor rund zehn Jahren hatten die Bovender die Wahl zwischen eigenem, harten Trinkwasser oder dem Bezug von Harzwasser. Seinerzeit fiel das Votum klar für eigenes Wasser aus. Jetzt wird wieder diskutiert. Diesmal wird auch über eine Enthärtung nachgedacht. Entschieden ist noch nichts.

Voriger Artikel
Frühjahrsputz in der Feldmark
Nächster Artikel
Integration nicht auf Flüchtlinge beschränken

André Bode, Rohrmeister der Gemeindewerke Bovenden, im Hochbehälter Osterberg.

Quelle: Heller

Bovenden. Diskussionen über das Thema Trinkwasser werden häufig emotional geführt, so die Erfahrung Bovendens Bürgermeister Thomas Brandes (SPD). Wichtig sei, dass alle Optionen geprüft werden. Bei der Bürgerbefragung vor rund zehn Jahren habe es lediglich zwei Varianten gegeben: das Wasser aus den eigenen Quellen zu behalten, obwohl es zum Teil über 20 Grad deutscher Härte (° dH) hat, oder mit dem Bezug von Harzwasser die Trinkwasserversorgung in fremde Hände zu geben. Rund 60 Prozent der Bürger entschieden sich für das Bovender Wasser.

Nanofiltration

Unter Nanofiltration versteht man eine Variante der physikalischen Enthärtung von Wasser. Dabei wird das Wasser mit Druck durch Membrane beziehungsweise feine Filter geleitet. Dadurch lässt sich eine Reduzierung des durchschnittlichen Härtegrades auf zwölf Grad deutscher Härte erreichen. In den Membranen bleibt das herausgefilterte Konzentrat der zurückgehaltenen Inhaltsstoffe zurück. Dieses wird je nach Zusammensetzung und behördlicher Auflagen entweder direkt in einen Vorfluter abgeleitet oder aber muss zuvor separat behandelt werden.

Inzwischen gibt es aber Möglichkeiten, das eigene Wasser zu enthärten. Daher hatten Politik und Aufsichtsrat den Gemeindewerken den Auftrag erteilt, die verschiedenen Optionen darzulegen. Laut Auskunft von Frank Berlin, Geschäftsführer der Gemeindewerke Bovenden, scheiden zwei von vier potenziellen Varianten, weicheres Wasser zu bekommen, aus. Zum einen reichten die Kapazitäten der Harz-Wasserwerke nicht, um Bovenden zu beliefern. Zum anderen scheide die Vermischung eigenen Wassers mit Harzwasser aus, weil der Bau einer Mischstation viel zu teuer wäre.

Realisierbar wäre der Komplettbezug des Trinkwassers von den Stadtwerken Göttingen, oder aber der Bau einer Nanofiltrationsanlage für die physikalische Enthärtung des eigenen Wassers auf etwa zwölf ° dH.

Im Falle des Komplettbezugs von den Stadtwerken Göttingen bekämen die Bovender weiches Wasser mit sechs ° dH, es wären relativ geringe Investitionskosten nötig und die Belieferung wäre schnell umsetzbar, so die Vorteile. Nachteil wäre die Abhängigkeit vom Vorlieferanten.

Bei der Enthärtung selbstgeförderten Wassers durch Nanofiltration ließe sich mittelhartes Wasser mit zwölf ° dH erreichen, Bovenden bliebe unabhängig und die Wertschöpfung bliebe bei den Gemeindewerken. Nachteile: es wären hohe Investitionskosten - Berlin spricht von „mindestens zwei Millionen Euro“ - nötig, die Ableitung des Konzentrats als Abfallprodukt der Nanofiltration in die Leine müsste genehmigt werden, und schließlich sei eine einfache Rückkehr zum Status quo nicht möglich. Bei einer durchschnittlichen Abnahmemenge würde der Wasserpreis um etwa 50 Euro pro Jahr steigen.Eine Empfehlung mag weder der Bürgermeister noch der Gemeindewerke-Geschäftsführer geben. Zunächst müsse ein Grundsatzbeschluss gefasst werden, ob der Flecken Bovenden weiches Wasser haben möchte oder nicht. Erst im zweiten Schritt geht es um die Wahl der Variante, so Berlin. Brandes kann sich eine erneute Bürgerbefragung vorstellen. Er stellt auch klar, dass das Bovender Wasser von guter Qualität sei.

Erfahrungen in Rosdorf und Friedland

Seit 2012 betreibt der Wasserverband Leine-Süd eine Nanofiltrationsanlage im Bereich Tiefenbrunn bei Rosdorf, eine zweite Anlage wird noch auf Friedländer Gebiet gebaut.

Trinkwasser

Die Gemeindewerke Bovenden versorgen sämtliche Ortsteile des Fleckens Bovenden mit Trinkwasser. Dieses stammt aus drei Brunnen und einer Quellfassung. Gefördert werden jährlich fast 700000 Kubikmeter. Das Leitungsnetz hat eine Länge von zirka 125 Kilometern, etwa 4500 Abnehmer (Zähler) gibt es. Es gibt drei Druckerhöhungsstationen und neun Wasserhochbehälter. Das Bovender Trinkwassers gilt zurzeit mit mehr als 20 Grad deutscher Härte als hart, entspricht aber von seiner Qualität den Anforderungen laut Trinkwasserverordnung. Es wird ständig kontrolliert.

Eine offizielle Anfrage nach den Erfahrungen des Wasserverbands Leine-Süd mit der Wasserenthärtung durch Nanofiltration habe es nicht gegeben, sagt der Geschäftsführer der Gemeindewerke Bovenden, Frank Berlin. Der Auftrag dazu müsse aus der Politik kommen, so sein Argument. Das Tageblatt hat mit den Bürgermeistern von Rosdorf, Sören Steinberg (SPD), und Friedland, Andreas Friedrichs (SPD), über das Thema gesprochen. Friedland und Rosdorf bilden zusammen mit Neu-Eichenberg den Wasserverband Leine-Süd.

Friedrichs betont, dass die Situation mit Bovenden nicht unbedingt vergleichbar sei. Es komme auf die genaue Analyse des vorhandenen Wassers an, sagt Verbandsvorsteher Friedrichs. „Was steckt man rein, was kommt raus und welchem Härtegrad möchte man erzielen?“, nennt er drei Aspekte. Und vor allem auf die Wasserchemie komme es an. Das habe sich nach den Erfahrungen mit der Nanofiltrationsanlage in Rosdorf gezeigt, die 2012 in Betrieb ging. Dort war ursprünglich geplant, das Konzentrat, was nach der Filtration übrig bleibt, über einen Vorfluter in die Leine zu leiten. Dafür habe die untere Naturschutzbehörde aber keine Genehmigung erteilt, so dass das Konzentrat über den Schmutzwasserkanal zur Kläranlage geleitet werden müsse. „Das verursacht Folgekosten, die nicht ohne sind“, meint Friedrichs. Er schätzt diese auf bis zu 50000 Euro pro Jahr. Das müsse auf den Gebührenzahler umgelegt werden.

Aus den Erfahrungen in Rosdorf habe man gelernt und werde vor Bau der Friedländer Anlage das Wasser genau analysieren, so der Friedländer Bürgermeister. Gebaut werde die Anlage aber auf jeden Fall, denn dafür gebe es einen Bürgerentscheid.

Rosdorfs Bürgermeister Steinberg spricht davon, dass die Anlage in Tiefenbrunn bisher keine größeren technischen Probleme bereitet habe. Auch er betont, dass es überall andere Voraussetzungen gebe.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Der Wochenrückblick vom 3. bis 9. Dezember 2016