Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
"Weiches Wasser - Gut für Bovenden?"

Information und Diskussion im Bürgerhaus "Weiches Wasser - Gut für Bovenden?"

„Wollen wir in Bovenden weiches Wasser oder nicht?“. Diese Frage wird derzeit im Flecken diskutiert. Die Bovender SPD hat dazu eine Informationsveranstaltung mit drei Experten organisiert. Gut 160 Bürger waren ins Bürgerhaus gekommen. Ängste seien ausgeräumt worden, so Das Fazit der Veranstalter.

Voriger Artikel
Berührt und überschlagen
Nächster Artikel
50 Jahre Kindergarten

Trinkwasser-Hochbehälter Osterberg oberhalb von Bovenden.

Quelle: Heller

Wasserleitungsnetz

Bovenden. 124 Kilometer lang ist das Wasserleitungsnetz der Gemeindewerke Bovenden

❱ Drei Brunnen und eine Quellfassung fördern jährlich etwa 650 000 Kubikmeter
❱ Drei Druckerhöhungsstationen und neun Wasserhochbehälter gibt es
❱ 20 Grad deutscher Härte hat das Bovender Wasser

Anders als 2008, als bei einer Bürgerbefragung die Bovender die Wahl hatten zwischen eigenem, harten Trinkwasser und dem Bezug von Harzwasser, gibt es inzwischen neue technische Möglichkeiten, den Härtegrad des Wassers zu reduzieren, ohne die Wasserrechte aus der Hand zu geben. Deshalb werde die Diskussion über das Bovender Trinkwasser zurzeit erneut geführt, erläuterte SPD-Fraktionsvorsitzender Thorsten Heinze vor „fast einem Fünftel der Bovender Einwohner“.

Wie funktioniert die Nanofiltration?

Unter Nanofiltration versteht man eine Variante der physikalischen Enthärtung von Wasser. Dabei wird das Wasser mit Druck durch Membrane beziehungsweise feine Filter geleitet. Dadurch lässt sich eine Reduzierung des durchschnittlichen Härtegrades erreichen.

Im Anschluss an den Filtrationsprozess wird dem Wasser CO2 zugegeben, um es wieder zu entsäuern. In den Membranen bleibt das herausgefilterte Konzentrat der zurückgehaltenen Inhaltsstoffe zurück. Dieses wird je nach Zusammensetzung oder behördlicher Auflagen entweder direkt in den Vorfluter abgeleitet oder muss zuvor separat behandelt werden. be

Der gute Besuch im Bürgerhaus zeige, dass das Thema die Bovender bewege. Heinze bilanzierte schließlich, dass es den Experten gelungen sei, einige Ängste zu nehmen. Möglichst schnell will jetzt die SPD im Gemeinderat einen Antrag stellen. Ziel: Möglichst zügig soll die Verwaltung weitere Informationsveranstaltungen planen und eine erneute Bürgerbefragung starten. Mit dem Votum der Bovender könne dann der Gemeinderat einen entsprechenden Beschluss fassen.

Zunächst stellt sich die Frage, ob die Bovender weiches Wasser wollen oder nicht. Falls ja, gibt es zwei Alternativen, um von derzeit über 20 Grad deutscher Härte (° dH) auf etwa sechs beziehungsweise zwölf ° dH zu kommen: der Bezug von Trinkwasser von den Stadtwerken Göttingen oder aber der Bau einer eigenen Nanofiltrationsanlage.

Welche Stoffe sind im Spiel?

Um Korrosionsschäden an Rohrleitungen und Hausanschlüssen zu vermeiden, werden dem Wasser Hilfs- und Zusatzstoffe zugefügt. In Rosdorf wird zum Beispiel Natriumpolyphosphat verwendet. Die Stadtwerke Göttingen geben für die Erhaltung der Schutzschichten in den Rohren zeitlich begrenzt Phosphate zu.

Möglich sind auch Phosphor- und/oder Silikatverbindungen. Die Rosdorfer Nanofiltrationsanlage wird einmal jährlich mit Zitronensäure gespült, um Belagbildung auf den Membranen zu verhindern. Das Spülwasser wird mit Lauge neutralisiert und entsorgt. Dem Harzwasser wird Chlor zugesetzt. Wenn es in Göttingen ankommt, ist das Chlor aber kaum mehr messbar. be

In beiden Fällen blieben die Wasserrechte erhalten und die eigenen Brunnen weiterhin nutzbar, erklärte Heinze einleitend. Anhand der kalkulierten Kosten der beiden Varianten sei in beiden Fällen mit einer Preiserhöhung um etwa 40 Cent je Kubikmeter (50 Euro pro Jahr) zu rechnen.

Über die Erfahrungen mit der Nanofiltration in Rosdorf berichtete Michael Zech vom Ingenieurbüro Rinne und Partner aus Rosdorf. In Rosdorf wie in Bovenden gebe es Parallelen, sagte er. Rosdorf hatte etwa 23 ° dH, die Bovender Werte seien ähnlich.

Beide Gemeinden hätten auch einen vergleichbaren jährlichen Wasserbedarf von etwa 700 000 Kubikmetern. Zech erläuterte die Funktionsweise der Rosdorfer Nanofiltrationsanlage und sagte, dass diese ohne Probleme laufe. Ralf Kömen von der AWIA Umwelt GmbH in Göttingen informierte über die Zugabe von Stoffen, um zum Beispiel die Rohrleitungen vor Korrosion zu schützen. Auch die Chlorung von Wasser wurde angesprochen. Grundsätzlich gebe es beim Lebensmittel Wasser strenge Vorgaben über die zulässigen Stoffe und Mengen, die zugeführt werden dürfen.

Wird dem Körper Calcium fehlen?

❱ Der Calciumgehalt des Bovender Wassers liegt zwischen 120 und 136 Milligramm pro Liter. Der Calciumgehalt des Göttinger MIschwassers beträgt 35 bis 41 Milligramm.
❱ Empfohlener Tagesbedarf an Calcium für einen Erwachsenen: etwa 1000 Milligramm.
❱ 200 Milliliter 1,5-prozentige Milch haben 250 Milligramm Calcium, zwei Scheiben Emmentaler Käse liegen bei 612 Milligramm Calcium, 200 Gramm Broccoli enthalten 220 Milligramm Calcium und zwei Esslöffel Kräuter haben zwischen 300 und 400 Milligramm Calcium. be

Sven Dörnte von den Stadtwerken Göttingen teilte mit, wie sich das Göttinger Wasser zusammensetzt: 80 Prozent Harzwasser und 20 Prozent eigenes Göttinger Wasser. Eine Belieferung Bovendens sei ohne Umbau der Anlagetechnik möglich, da es schon eine Übergabestation im Bereich Weende gibt. So müssten nur zwei Schieber geöffnet werden, „und schon haben sie das Wasser“, sagte er.

Download

Im Zuge der Informationsveranstaltung haben drei Experten Präsentationen zum Thema gezeigt, die Sie hier als PDF herunterladen können.

 

Argumente und Erfahrungen

Facebook-Beiträge und Fragen aus der Diskussionsrunde im Bovender Bürgerhaus

Bovenden. Weiches Wasser ja oder nein? Die Frage bewegt die Menschen. Hier einige Auszüge aus einer Facebook-Diskussion sowie Fragen und Antworten aus der Informationsveranstaltung am Montagabend.
„Hier in Bovenden ist es schon schön, bis aufs harte Wasser“ – ähnlich wie Facebook-Nutzer Frank S. sehen viele die Situation. Micha E. beispielsweise schreibt vom „Entkalken in Dauerschleife“, und für einen anderen Facebook-Nutzer ist „das mit dem Kalk hier total nervig und doll“.

„Man benötigt bei hartem Wasser grundsätzlich mehr Wasch- und Putzmittel. Kaffeemaschine und Wasserkocher müssen spätestens alle zwei Wochen entkalkt werden, die Waschmaschine jedes Vierteljahr, der Geschirrspüler nimmt mehr Salz. Ganz zu schweigen von der Zeit, die man mit der Entkalkung verbringt“, schildert Petra B. ihre Erfahrungen. Und Hartmut E. schreibt: „...hast du schon mal den Warmwasserboiler an deiner Heizung nach einem Jahr gesehen? ... Die Firma die braucht nen ganzen Tag, um den Kalk abzuklopfen.“ Malte B. kommt in der Facebook-Diskussion zum Thema weiches Wasser zu dem Ergebnis: „Rein vom wirtschaftlichen Aspekt kann man objektiv gar nicht dagegen sein, alles andere ist definitiv immer teurer! Geht ja weiter, Reinigungsmittel (Kalkflecken) weniger Waschpulver und und und...“

Aber es gibt auch Skeptiker und Menschen, denen der Härtegrad des Wassers nicht so wichtig scheint. „Mich stört es nicht wenn ich mal ne Kalkflocke im Teewasser habe“, meint etwa Björn R. auf Facebook.
Immer wieder wurde bei der Diskussion am Montagabend im Bürgerhaus die Frage nach den kalkulierten Wasserpreisen gestellt. Sowohl in der Bezugsvariante von den Stadtwerken Göttingen als auch bei der Alternative Nanofiltration wird von Mehrkosten in Höhe von etwa 40 Cent je Kubikmeter beziehungsweise 50 Euro pro Jahr ausgegangen. Dabei seien alle Kosten – von der Investition bis hin zu Folgekosten – einbezogen worden, so wurde versichert.

Nachfragen kamen auch zu den Spülungen, die das Korrodieren der Rohrleitungen verhindern sollen. Beim Wasserverband Leine-Süd, der die Nanofiltrationsanlage Tiefenbrunn bei Rosdorf betreibt, wird etwa durch Zugabe von Natriumpolyphosphat gespült. Das aber seit Inbetriebnahme der Anlage vor vier Jahren bisher erst einmal, wie Michael Zech sagte. Zeitlich begrenzt, etwa sechs Monate lang, wird von den Stadtwerken Göttingen Phosphat zugegeben, um die Schutzschichten in den Rohrleitungen zu erhalten.

Phosphat werde auch für die Härtestabilisierung genutzt, erklärte Ralf Kömen. Die empfohlene Tagesmenge liege bei etwa 700 Milligramm. Phosphor ist laut Kömen in vielen Lebensmitteln enthalten. Für eine Tagesration müsste man beispielsweise 390 Gramm Schweinebraten, 760 Gramm Joghurt (3,5 Prozent Fett) oder 1400 Gramm Kohlrabi verzehren.

Eine Zuhörerin äußerte schließlich noch die Sorge, dass das „Oberflächenwasser“ aus der Sösetalsperre mit viel Aufwand aufbereitet und behandelt werden müsse. Dem widersprachen die Experten Dörnte und Kömen. Das Harzwasser durchlaufe eine Sandfilteranlage. Zudem werde die Wasserqualität engmaschig kontrolliert. be

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Von Redakteur Britta Eichner-Ramm

Tanzende Schneeflocken im "Kauf Park"