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Kampfmittelbeseitigung im Wald bei Lenglern

Mehr als 70 Bomben Kampfmittelbeseitigung im Wald bei Lenglern

Wenn Michael Jensch mir der Sonde über den ausgebaggerten Waldboden fährt, schnarrt es lautstark. Immer, wenn das Geräusch besonders penetrant wird, verbirgt sich Metall in der Erde. Jensch arbeitet für eine Spezialfirma. Sein Job: Kampfmittelbeseitigung im Bereich der ehemaligen Munitionsanstalt (Muna).

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Munitionssuche im Wald bei Lenglern.

Quelle: Heller

Lenglern. Mehr als 70 Bomben haben die Spezialisten in den vergangenen drei Wochen dort bereits aus dem Boden geholt. Das erklärt Holger Kiehl vom Ingenieurbüro Döring. „Es handelt sich dabei um so genannte SD1-Bomben“, so Jörg Laes vom Kampfmittelbeseitigungsdienst.

Vor allem Metallsplitter

„Die Bomben hatten allerdings alle keine Zünder“, so sein Kollege Dirk Müller. Zudem holen die Mitarbeiter der Räumungsfirma vor allem Metallsplitter aus dem Boden „In dieser Woche waren es 700 Kilo Munitionssplitter, die hier gefunden wurden.“

Die Untersuchungen beantragt hat das Landesforstamt, erklärt dessen Pressesprecher Martin Rudolph. Das etwa 6,5 Hektar große Gebiet zwischen Lenglern und Parensen ist im Besitz des Landes. Im Wald an Muna Lenglern ist nach Ende des zweiten Weltkriegs bergeweise Munition vernichtet worden. „Die Bestände wurden hier im Wald gesprengt und vernichtet, davon zeugen auch zahlreiche Sprengtrichter“, so Müller. Vor allem aber ist der Boden voll mit Munitionsschrott und Munition.

„Störkörperbesitigung“ nennen die Fachleute ihre Arbeit. Und die ist nicht ganz ungefährlich. Gearbeitet wird in zwei Schritten. Zunächst werden die Rückeschneisen, die bereits im Wald angelegt sind, mit dem Metalldetektor abgesucht. Überall wo er anschlägt, graben Jensch und Kollegen erst einmal mit dem Spaten. Ist es zu viel Munition oder liegt sie zu tief, dann rollt der Bagger. „Das Fahrzeug ist mit Spezialglas und Stahl vor einer Explosion geschützt“, sagt Olaf Seidel von der Räumungsfirma.

Bislang keine Explosion

Während sich die Jenschs voran arbeiten – täglich 360 Quadratmeter – rolle ein blauer Lastwagen an. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst holt den Munitionschrott ab, er wird in Munster entsorgt „Es kann immer sein, dass noch Sprengstoff darunter ist“, so Müller.

Der Grund für die rund drei Monate dauernden Arbeiten: „Die Landesforsten müssen irgendwann an die Bäume ran“, so Forstmann Michael Lücke. Wenn später Holz mit dem schweren Harvester geerntet werden soll, müssen die Schneisen frei von Sprengstoff sein. SD1-Bomben, so Müller, werden normalerweise mit einem Druckzünder gesprengt, sie enthalten 80 Gramm Sprengstoff. Auch Reste der größeren SD2-Bombe wurden aus dem Boden geholt. Explodiert ist bislang aber keine.

Munitionsanlage (Muna) Lenglern

Im Zweiten Weltkrieg wurden auf dem Areal der Munitionsanlage (Muna) Lenglern  Bomben für die Wehrmacht produziert. Der Bereich zählt zu den ehemaligen Waffenschmieden Hitlers. Hier wurde Munition für die Luftwaffe produziert. Nach Kriegsende waren die Alliierten vor Ort, von den 60er Jahren an zog die Bundeswehr ein. Erst 1995 wurde die militärische Fläche stillgelegt. Ein Teil der Luftwaffen-Hinterlassenschaft ruht immer noch in der Erde. Mit der Altlast befassen sich derzeit unter anderem der Niedersächsische Kampfmittelbeseitigungsdienst, das Staatliche Baumanagement Südniedersachsen und die Niedersächsischen Landesforsten Nach 1945 wurden die Produktionsbestände auf dem Areal in die Luft gesprengt, die Überreste befinden sich bis heute im Boden. Im Jahr 2000 wurden bereits Kampfmittel dort geräumt. Damals fanden die Experten 2542 Splitterbomben. bib/kk

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