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Leben im Schimmelhaus: Vorwürfe zurückgewiesen

Bovenden Leben im Schimmelhaus: Vorwürfe zurückgewiesen

Im Fall der Räumungsklage, mit der eine Bovender Großfamilie konfrontiert ist, steht am Montag die Verhandlung vor dem Göttinger Amtsgericht an. Unterdessen haben Gemeinde und Landkreis den Vorwurf zurückgewiesen, sie hätten nicht geholfen, obwohl sechs Kinder in dem Schimmel-Haus leben.

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Quelle: Pförtner/Archiv

Bovenden/Göttingen. Im Dezember berichteten Sat1-Frühstücksfernsehen und das Tageblatt über die Bovender Patchworkfamilie von Manuela Winter und Tobias Bergmann. Mit ihren sechs Kindern im Alter von drei bis elf Jahren leben sie seit nunmehr dreieinhalb Jahren in einem Mietshaus am Kiefernweg in Bovenden. Bald zeigten sich Mängel wie Schimmel und eine defekte Heizung. Auf ihre Hinweise habe der Vermieter nicht reagiert, sagt Manuela Winter, daher hätten sie die Miete gemindert. Wegen der nunmehr aufgelaufenen Mietschulden hatte der Immobilienbesitzer der Familie zunächst eine Kündigung, dann die Räumungsklage geschickt. Damit befasst sich nun am Montag das Amtsgericht Göttingen. Ihre bisherigen Versuche, eine neue Bleibe zu finden, scheiterten bislang, sagt Winter. Es sei nicht einfach, mit acht Personen eine bezahlbare Unterkunft zu finden.

Unterdessen gibt es Vorwürfe, Gemeinde oder Landkreis hätten helfen müssen, zumal die Gesundheit vor allem der Kinder in dem von Schimmel belasteten Haus gefährdet sein könnte. Der Landkreis stellte auf Tageblatt-Anfrage klar, dass es „einzig und allein die freie Entscheidung der Betroffenen“ sei, „wo und wie sie“ wohnen. Es habe Unterstützungsangebote an die Familie gegeben, etwa durch Hinweise auf bestehende Wohnungsangebote, wie Landkreissprecher Ulrich Lottmann sagt.

Bovendens Bürgermeister Thomas Brandes (SPD) bedauert, dass die Familie nicht selbst bei der Gemeinde um Unterstützung gebeten habe. Erst nachdem der Fall durch die Medien öffentlich geworden war, habe er davon erfahren. „Wir sondieren die Lage“, sagt Brandes, obwohl der Flecken „keine Verpflichtung“ habe, für die Familie eine Bleibe zu finden. Das wäre erst im Falle einer Zwangsräumung der Fall, erklärt Brandes.

Auf die Frage, ob das Jugendamt wegen möglicher Gesundheitsgefahr hätte tätig werden müssen, teilt der Landkreissprecher mit, dass grundsätzlich die Eltern die Verantwortung für das Wohl ihrer Kinder tragen würden. Lottmann weiter: „Dem Jugendamt liegen von dritter Seite keinerlei Meldungen vor, die ein Eingreifen des Jugendamtes erforderlich machen würden. Gleichwohl hat das Jugendamt von sich aus der Familie Unterstützung angeboten und sie auch besucht.“ Es sei vereinbart worden, dass sich die Eltern melden, sollte Unterstützung notwendig sein, so Lottmann weiter. Das sei nicht erfolgt.

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Von Redakteur Britta Eichner-Ramm

Der Wochenrückblick vom 26. November bis 2. Dezember 2016