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Lenglern: zweitgrößte Ortschaft des Fleckens

Bovender Ortsteile Lenglern: zweitgrößte Ortschaft des Fleckens

Rund 14 350 Menschen leben im Flecken Bovenden. Die 1000-jährige Burg Plesse ist das Wahrzeichen der Gemeinde. Wie lebt es sich in den acht Bovender Ortsteilen, und was zeichnet sie aus? Heute: Lenglern, zweitgrößte Ortschaft des Fleckens und älter als die Plesse – 2016 wird Lenglern 1050 Jahre alt.

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„Wir sind Lenglern“ steht auf den Tafeln an den Ortseingängen, hier mit Ortsbürgermeisterin Marianne Stietenroth und Ortsheimatpfleger Bernd Mattner.

Quelle: Heller

Lenglern. „Wer nicht aus beruflichen Gründen wegzieht, bleibt hier“, sagt Lenglerns Ortsbürgermeisterin Marianne Stietenroth (SPD). „Den demografischen Wandel spüren wir Gott sei Dank nicht.“ Im Ort gebe es kaum Leerstände, sagt Stietenroth. Und wenn einmal eine Immobilie auf den Markt komme, finde sich meist schnell ein Käufer. Zur Einwohnerstruktur meint die Ortsbürgermeisterin, dass etwa 50 Prozent der Lenglerner älter als 45 Jahre, davon 24 Prozent älter als 65 Jahre alt seien. Altengerechtes Wohnen in Lenglern anzusiedeln sei bislang nicht gelungen, berichtet die Ortsbürgermeisterin. Zwar habe es einen Interessenten gegeben, der aber wieder abgesprungen sei. „Die Leute wollen in ihrem Zuhause bleiben, so lange es geht“, meint die Stietenroth.

 
Sie ist sich mit Bernd Mattner, Vorsitzender des örtlichen Kultur- und Heimatvereins, außerdem einig, dass Lenglern aufgrund seiner Infrastruktur auch für junge Familien interessant sei. Es gibt eine Kita und die Grundschule mit einer Außenstelle in Harste. Im Sommer seien 25 Kinder aus Lenglern eingeschult worden, berichtet die Ortsbürgermeisterin. Mit Bus, Anrufsammeltaxi und Bahn sind Göttingen und Bovenden schnell zu erreichen, denn, so schränkt Stietenroth ein: „Wir haben leider keine Einkaufsmöglichkeiten.“ Immerhin: der rollende Supermarkt kommt regelmäßig nach Lenglern, außerdem gibt es einen Bäcker und eine Gaststätte, Apotheke, Frisör, Poststelle sind vorhanden, dazu die Filiale der Sparkasse Göttingen. Dass die Volksbank ihre Filiale in Lenglern schließen wird, stößt den Einwohnern sauer auf, und so hat der Ortsrat gerade erst eine Resolution für den Erhalt der Filiale beschlossen. Lenglern habe zudem eine gute ärztliche Versorgung, unter anderem gibt es den Gesundheitspark und das Krankenhaus als zweiten Standort des Evangelischen Krankenhauses Weende. „Das ist nicht das Schlechteste“, betont Stietenroth. Was Lenglern außerdem lebenswert macht, sei auch das rege Vereinsleben, sagen Stietenroth und Mattner. Etwa 60 Prozent der Einwohner seien Mitglied in einem oder mehreren Vereinen. Ein Koordinierungsausschuss der Vereinsvertreter stimmt die Termine ab und hat den Slogan geprägt: „Wir sind Lenglern“. Der findet sich auch auf den neuen Hinweisschildern an den Ortseingängen.

 

Willi Fricke

Willi Fricke

Quelle: EF

„Liebens- und lebenswert“

 

Lenglern ist liebens- und lebenswert“, sagt Willi Fricke. Der 66-Jährige wohnt sein Leben lang in Lenglern, hier steht auch sein Elternhaus, das inzwischen einer seiner erwachsenen Söhne bewohnt. Einzig während der Bundeswehrzeit hielt sich der frühere Mitarbeiter der Gemeindewerke Bovenden längere Zeit auswärts auf. An seinem Wohnort schätzt Fricke, dass es eine gute Infrastruktur gebe – zwei Buslinien, und auch der Bahnhaltepunkt sei ja reaktiviert worden. „Man ist schnell in Göttingen, und wenn man will auch in Bovenden.“ Allerdings, so sagt er, habe es in seiner Kindheit weit mehr Möglichkeiten zum Einkaufen gegeben: „Da gab es vier Schlachter, drei Bäcker und vier Gaststätten“, zählt er auf.
Immerhin, eine der Gaststätten gibt es heute noch. Und auch das Dorfgemeinschaftshaus. Fricke wünscht sich, dass dieses erhalten bleibt. Er glaubt nicht, dass der Plan der Gemeinde, die Dorfgemeinschaftshäuser an Vereine zu übertragen, in Lenglern funktioniere. „Die haben alle ihre eigenen Vereinsheime“, meint Fricke, der in den 80er-Jahren zwölf Jahre lang Ortsbrandmeister war. Zudem ist er Mitglied im Sportverein und im Gesangverein Concordia 1847. In letzterem sei er mit Beitritt zweitjüngstes Mitglied gewesen. „Das ist heute noch so“, sagt er mit Blick auf die Nachwuchssorgen der Sänger. Gut sei, dass Lenglern durch Ausweisung der Baugebiete für Familien attraktiv sei und damit dem Bevölkerungsabgang entgegenwirken konnte. Was laut Fricke noch fehlt, sei der Bau eines Radweges von Lenglern nach Bovenden.

 

Lieblingsort

Bei den Kommunalwahlen 2011 hat sich folgende Sitzverteilung im Ortsrat ergeben: Die SPD zählt neun Vertreter, die CDU hat zwei Sitze und die Grünen einen. Ortsbürgermeisterin ist Marianne Stietenroth (SPD). Ihr Lieblingsort in Lenglern ist der Naturteich im Wald, „weil man da völlig in der Natur ist und schön abspannen kann“. Hier zu sein sei „wie Urlaub“, sagt sie, „und das nur acht Kilometer von Göttingen entfernt.“

 

Mit königlichem Geschenk „Eintritt in die Geschichte“

 

Am 17. Juli 966 trat Lenglern in die Geschichte ein. So ähnlich formuliert es die Festschrift, die zum 1050-jährigen Bestehen des zweitgrößten Ortsteils im Flecken Bovenden herausgegeben wurde. 1050 Jahre Lenglern – das wird im Jahr 2016 mit einer Reihe von Veranstaltungen gefeiert, einen Festakt soll es im Rahmen der Kirmes im September geben.

 
Die erste urkundliche Erwähnung Lenglerns, so heißt es in der Festschrift, geht auf eine Schenkung von Kaiser Otto dem Großen an das Stift Enger in Westfalen zurück. Das hatte Ottos Mutter, Königin Mathilde, gegründet. Das Geschenk: vier Hufe (120 Morgen) Land aus dem Besitz der Königin. Eine dieser Hufe lag in „Lenglere“, dem heutigen Lenglern. Der Ortsname hängt, so erfährt der Leser der Festschrift weiter, mit der damaligen Beschaffenheit des Geländes zusammen: „Lange Weide“, woraus „Langer Wald“ wurde, was auf den Ursprung des Ortes Lenglern am „Oberen Holz“ deuten könnte.

 
Besiedelt war die Gegend um Lenglern schon viel früher, wie aus archäologischen Funden geschlossen wird. So hätten sich steinzeitliche Bauern, die sogenannten Bandkeramiker, etwa 4000 bis 3000 Jahre vor Christi dort niedergelassen. Ein Bronzering in der ehemaligen Munitionsanstalt und Gräberim Oberen Holz und Wellenbusch zeugen von Besiedlung in der Bronzezeit. Gefunden wurden außerdem Tongefäße im Bereich zwischen Eisenbahn und Krankenhausgelände. Sie stammen aus der früheren Eisenzeit. Und als Anfang der 60er-Jahre die Kanalisation gebaut wurde, wurden Reihengräber am Graseweg gefunden, die den Lenglerner Bewohnern aus dem 7. und 8. Jahrhundert zugeordnet werden.

 
Die Ortschaft entwickelte sich, wuchs, und erlebte freudige wie auch tragische Ereignisse. 1550 lebten 149 Erwachsene in 52 Haushalten in Lenglern, Tillys Soldaten steckten 1627 Lenglern in Brand und plünderten in Haus und Hof. 1780 zählte die Ortschaft 476 Einwohner, 1823 wurde Lenglern selbstständige Gemeinde im Landkreis Göttingen. Im August 1910 wurde die Bahnstrecke Göttingen – Bodenfelde eröffnet. Als 1945 die Amerikaner auf Lenglern vorrückten, wurden auf Anordnung der Besatzungsmacht die Bunker der Munitionsanstalt gesprengt. 1966 zählte Lenglern 1195 Einwohner, 1990 waren es 2163 und zum Jahresbeginn 2015 hatte Lenglern 2228 Einwohner. be

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