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Reyershausen punktet mit Arbeitsplätzen und Ratsburgbad

Bovender Ortsteile Reyershausen punktet mit Arbeitsplätzen und Ratsburgbad

Rund 14 350 Menschen leben im Flecken Bovenden. Die 1000-jährige Burg Plesse ist das Wahrzeichen der Gemeinde. Wie lebt es sich in den acht Bovender Ortsteilen, und was zeichnet sie aus? Heute: das frühere Bergbaudorf Reyershausen.

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Genießen vom Friedhof aus den Blick auf Reyershausen: Ursula Wedemeyer (links), Uwe Bartram und Ilona Dettmar.

Quelle: Hinzmann

Reyershausen. „Wir sind eines der wenigen Dörfer, das viele Arbeitsplätze hat“, sagt Ortsbürgermeisterin Ilona Dettmar (CDU). Zusammen mit ihrem Stellvertreter Uwe Bartram, der zugleich Vorsitzender des Sportvereins Tuspo Jahn Reyershausen, zählt sie mehr als zehn örtliche Firmen auf. In puncto Läden aber sehe es „traurig aus“. Die Schlachterei habe vor gut einem Jahr geschlossen, Bäcker, zwei Lebensmittelgeschäfte, Drogerie, Tankstelle und zwei Gaststätten gebe es auch nicht mehr. Dennoch könnten die Einwohner im Ort einkaufen, so die Bürgermeisterin, denn sowohl der rollende Supermarkt als auch der Bäcker aus Ebergötzen kämen regelmäßig. Das sei vor allem für die älteren Menschen gut, die nicht mehr so mobil sind, bestätigt Ursula Wedemeyer. Die 81-Jährige lebt seit ihrer Geburt in Reyershausen. Mit dem Bus zu fahren, komme für sie nicht in Frage, betont Wedemeyer. Lieber lasse sie sich von ihren Kindern chauffieren.

Reyershausen ist über den öffentlichen Personennahverkehr an Bovenden angebunden, meist seien die Busse aber leer, so die Beobachtung von Wedemeyer, Bartram und Dettmar, vermutlich weil heute jeder ein Auto habe. Es gibt außerdem das von der Gemeinde mitfinanzierte Anrufsammeltaxi. Dettmar befürchtet aber, „dass es nicht so gut genutzt wird“.

Die jüngeren Einwohner würden mit dem Auto in wenigen Minuten in Bovenden oder Nörten zum Einkaufen und zur Arbeit nach Göttingen fahren, berichten die drei Reyershäuser weiter. Die Nähe zu Göttingen nennt Dettmar als Pluspunkt für Reyershausen. „Die Mieten in der Stadt sind vielen zu teuer“, sagt sie.

Reyershausen habe zwar in den letzten zehn bis 15 Jahren kontinuierlich Einwohner verloren – zurzeit sind es 924 –, dennoch ist der Ortsbürgermeisterin nicht bange. Viele alleinstehende Ältere wollten zwar nicht vermieten, Leerstände gebe es aber fast nicht. „Meist finden sich für Häuser, die zum Verkauf stehen, schnell junge Leute“, so Dettmar. Ein paar mehr dürften es aber noch sein, ergänzt sie und hofft, dass der Ort noch ein kleines Baugebiet für etwa ein Dutzend Häuser bekomme. Reyershausen hat einen Kindergarten, eine Schule, in die der Flecken gerade erst viel Geld für den Brandschutz investiere, und ein reges Vereinsleben. Dazu engagierten sich viele Ehrenamtliche im Ort. Und schließlich gebe es die Glückauf-Halle und das Ratsburgbad, das wegen seiner schönen Lage am Waldrand Besucher aus dem gesamten Umkreis und sogar aus Thüringen anlocke.

Ortsbürgermeisterin Ilona Dettmar über die Besonderheiten ihres Dorfes

Reyershausen. Die schöne Landschaft ringsum und die netten Menschen nennt Ortsbürgermeisterin Ilona Dettmar spontan als Gründe, warum sie gerne in Reyershausen lebt. „Wir sind kein Gluck-Dorf“, sagt sie und erklärt, was sie damit meint: „Man ist nett zueinander, aber man hat trotzdem genug Distanz, wenn man das möchte“. Ihr Lieblingsplatz sei am Friedhof. Von dort könne man „super auf Reyershausen gucken“.

Die 67-Jährige beschreibt mit wenigen Stichworten eine besonders schöne Stimmung: Schafe auf der Wiese, Morgennebel, Spinnweben, in denen Tautropfen glitzern – „das ist wie in Bullerbü“, sagt Dettmar. Auch wandere sie gerne zu den ehemaligen Wallanlagen Ratsburg und Wittenburg, sagt Dettmar, deren Familie aus dem Ort kommt.

Seit ihrer Geburt lebt Ursula Wedemeyer in Reyershausen. Die 81-Jährige sagt überzeugt: „Ich möchte nicht woanders leben“ und meint damit in der Stadt. „Die Freiheit auf dem Dorf ist einfach schön“, begründet sie. Langweilig werde ihr nicht, betont die Reyershäuserin, denn es gebe viele tolle Angebote im Ort: Kartenspielen, Osteoporose-Gruppe, Singen, Landfrauen-Treffen und, und, und. Auch Wedemeyer nennt den Friedhof als ihren Lieblingsplatz – wegen des schönen Blickes. Schon als Kleinkind sei sie immer wieder hier oben gewesen.

Seit etwa 40 Jahren lebt Uwe Bartram in Reyershausen. Seine Frau stamme von hier, sagt er. Schon als er noch in Einbeck wohnte und sie in Reyershausen besucht habe, „war das immer wie Urlaub“. Die schöne Umgebung und die tolle Hügellandschaft erfreuten ihn immer wieder, wenn er vom Plesseberg kommend auf den Ort zufahre.

In die Dorfgemeinschaft sei er reingewachsen, sagt der Vorsitzende des Sportvereins Tuspo Jahn Reyershausen. „Aber man muss schon auf die Leute zugehen“, rät der 68-Jährige Zugezogenen, die in die Dorfgemeinschaft aufgenommen werden wollen. Auch Bartram hat einen Lieblingsplatz im Ort: „Eine Bank im Freibad“, sagt er. Wenn er hier im Sommer sitze, sei das wie Urlaub.

Dorf der Drechsler und Bergleute

Erstmals urkundlich erwähnt wird Reyershausen 1205 – damals noch als Reddingehusen. Das kleinste Dorf der Herrschaft Plesse bekam erst 1695 eine eigene Kirche. Das einstige Drechslerdorf – noch 1900 gab es in Reyershausen 90 Drechler – wandelte sich mit dem 1910 begonnenen Kalibergbau zum Bergbauort. Der Bergbau prägte den Ort nachhaltig, neue Wohngebiete wurden erschlossen und 1938 lebten mehr als 600 Menschen in Reyershausen.

Im Zweiten Weltkrieg war das Bergwerk Ziel eines Luftangriffes, bei dem laut Wikipedia 19 Menschen ihr Leben verloren. Endgültig stillgelegt wurde das Kalibergwerk Königshall-Hindenburg im Jahr 1969. Allerdings wird noch heute an die Geschichte des Bergbaus erinnert: Im Ortswappen sind die Bergmannswerkzeuge Schlägel und Eisen dargestellt, es gibt die Glückauf-Halle, und der Bergmannschor Reyershausen pflegt das bergmännische Liedgut und die Tradition des gemeinsamen Bergmannsfrühstücks zweimal im Jahr.

Am 1. Januar wurde Reyershausen in den Flecken Bovenden eingegliedert. Der Ortsrat Reyershausen umfasst sieben Sitze, vier hat die CDU, zwei die SPD und einen Bündnis 90/Die Grünen. Ortsbürgermeisterin ist Ilona Dettmar (CDU).

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